Titel: Ueber Verhinderung des Brands beim Getreide; von Hrn. Decerfz in La Cyâtrel (Indre-Dept.)
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 120/Miszelle 11 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/mi120mi03_11

Ueber Verhinderung des Brands beim Getreide; von Hrn. Decerfz in La Cyâtrel (Indre-Dept.)

Die in der zweiten Hälfte des Junius v I. eingetretene ungewöhnliche Hitze und bald darauf erfolgte kühle Witterung mit kalten Regenschauern und Nebel begünstigte die Entwickelung kryptogamischer Schmarotzerpflanzen, so daß in weniger |240| als 14 Tagen der Weizen in der Umgegend von Berry mit jenen Flecken überzogen war, welche man Brand (Rost) nennt.

Die Schmarotzerpflanzen spielen bei den Krankheiten der Pflanzen eine bedeutende Rolle. Jede Pflanzengattung hat ihre eigenen Feinde. Bei den Getreidearten sind es der Uredo, Brandpilz, und seine Varietäten (deren Vermehrung unter gewissen Umständen eine unendliche ist) und zwar beim Weizen U. segetum von Persoon, der Weizenbrand. Die Nebel veranlassen die Krankheit selbst keineswegs, wie man vor Tillet's, Tissier's, Benedict-Prevost's und De Candolle's Untersuchungen glaubte, aber sie begünstigen die Entwickelung der Keimkörner dieser Pilze.

Die Mittel anbelangend, das Eintreten des Brandes zu verhüten, war ich Zeuge von Thatsachen, welche mich die Möglichkeit ihn zu verhindern hoffen lassen. Zum Kalken von Weizen, welcher in kaltes, feuchtes Erdreich kommen sollte, worin die Ernte trotz des gewöhnlichen Kalkens und sogar desjenigen mit Eisenvitriol und Kupfervitriol, fast allemal durch Brand oder Faulniß vernichtet wurde, empfahl ich mehreren Landwirthen ein neues, einfaches Mittel, dessen Wirkung unsere Erwartung noch übertraf. Es bestand aus:

Salmiak (falzurem Ammoniak)
zerfallenem Kalk
von jedem 1 Pfd.

Man pulvert sie, weicht sie in 50 Pfd. Urin auf und sättigt den Saatweizen mit dieser Mischung. Das angegebene Quantum genügt für 5 Hektoliter (circa 2¼. Scheffel) Saatkorn.

Dieses Verfahren wurde im J. 1849 bei einer gewissen Menge Weizen in Anwendung gebracht und die Ernte war eine reichliche und vom Brand völlig freie, welcher das Getreide der umliegenden Felder ohne Ausnahme ergriffen hatte. Das so geschützte Getreide war von vorzüglicher Güte und als Saatkorn sehr gesucht.

Der Kalk zersetzt den Salmiak und bildet salzsauren Kalk, welcher, in Verbindung mit dem Harn, erstens einen concentrirten Dünger und dann ein sicheres Mittel gegen die Entwickelung der Keimkörner jener Schmarotzerpilze darbietet, welche die in Rede stehenden Krankheiten hervorrufen. (Comptes rendus, Februar 1851, Nr. 6.)

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