Titel: Ueber die Anwendung des Gußeisens zur Construction sehr kräftiger permanenter Magnete
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 120/Miszelle 2 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/mi120mi03_2

Ueber die Anwendung des Gußeisens zur Construction sehr kräftiger permanenter Magnete

ist neulich in der Royal Cornwall Polytechnic Society eine Abhandlung von J. N. Header in Plymouth vorgetragen worden. Der Verfasser bemerkte zunächst, daß die Herstellung und Erhaltung eines hohen Grades von magnetischer Kraft in permanenten |234| Magneten gerade ietzt zwei Umstände von großer Wichtigkeit seyen, insofern die Combination der mechanischen mit der magnetischen Kraft ein ökonomisches Mittel zur Erregung von Elektricität abgibt. Hierauf zeigt der Verfasser, welche Rücksichten ihn bei der Herstellung eines gußeisernen, aus 24 Platten bestehenden Hufeisenmagnetes geleitet haben. Die einzelnen Lamellen sind durch Drähte mit einander verbunden, und das Ganze durch einen Elektromagneten magnetisirt. Da Gußeisen bisher als nur einer sehr schwachen Magnetisirung für fähig gehalten worden ist, so glaubt Header, daß wesentlich die neue Form des Magneten (über welche unsere Quelle aber nichts näheres sagt) die Möglichkeit der großen magnetischen Kraft im vorliegenden Falle bedinge. Der Verfasser fügt ferner hinzu, daß der Magnetismus der Platten einzeln genommen im Vergleich mit solchen aus Stahl und von gleicher Größe nur schwach und daher auch die Tragkraft derselben unbedeutend sey. Die stärkste Lamelle vermochte nicht mehr als 4–5 Pfd., die schwächste dagegen nur 2 Pfd. zu tragen. Nachdem die einzelnen Theile magnetisirt und zu einem Bündel vereinigt worden waren, wurde ein Anker von weichem Eisen in Berührung mit den Polen gebracht. Der ganze Magnet wog 72 Pfd. und ließ sich leicht am Anker in die Höhe heben, und es wurde noch eine Zulage von 30 Pfd. erforderlich, ehe der Magnet sich vom Anker losriß. Zudem befanden sich die Pole in noch ganz rohem, also sehr ungünstigem Zustande; nichtsdestoweniger aber war, den bisherigen Erfahrungen zuwider, die Tragkraft des Magneten größer, als die Summe der Tragkräfte der einzelnen Elemente desselben. Nachdem der Anker zu wiederholtenmalen vom Magnete losgerissen worden war, betrug die Tragkraft desselben immer noch über 80 Pfd., nach Verlauf von 12 Monaten ferner noch 50 Pfd.

Da die Härte des Metalles ohne große Kosten und Arbeit es unmöglich machte die Endflächen der Pole gerade zu schleifen, die billige Herstellung kräftiger Magnete aber gerade das Hauptziel war, so suchte der Verfasser sich dadurch zu helfen, daß er „falsche Pole“ von weichem Eisen durch kurze Streifen von weichem Eisen, welche auf die Seitenflächen aufgelegt und zwischen die Theile des Magneten eingeschaltet wurden, mit dem letztern verband. Nachdem man die Lamellen wieder magnetisirt und mit den Polen von weichem Eisen verbunden hatte, steigerte sich die Tragkraft des Magneten auf 250 Pfd. beim ersten Losreißungsversuche und sank dann auf 150 Pfd. Nach Verlauf von vier Jahren, während welcher Zeit der Anker fast sechs Monate lang nicht am Magneten hing, betrug die Tragkraft noch 80 Pfd.

Hierauf wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Anbringung von Polen aus weichem Eisen bei Stahlmagneten nicht mit denselben Erfolgen begleitet ist.

Ferner heben wir aus Header's Abhandlung noch hervor, daß die Kosten eines Stahlmagneten von 150 Pfund Tragkraft sich etwa auf 10 Pfund Sterling oder circa 68 Thlr. belaufen würden, wogegen ein gußeiserner von gleicher Tragkraft auf 30 bis 40 Shilling (10 bis 14 Thlr.) zu stehen kommen würde.

Schließlich macht Header noch auf einige eigenthümliche Erscheinungen beim Auseinandernehmen seines gußeisernen Magneten nach Verlauf von vier Jahren aufmerksam; die Summe der Tragkräfte der einzelnen Elemente betrug nämlich hierbei nicht mehr als 11 Pfd., während die Kraft des. Magneten im zusammengesetzten Zustande 80 Pfd. betrug.

Die erwähnte Gesellschaft hat die Erfindung und Beobachtungen Header's einer Commission zur ausführlichen Prüfung übergeben. (Polytechn. Centralbl.)

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