Titel: Bereitung des überchlorsauren Kalis für die Pyrotechnik; von J. Hutstein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 120/Miszelle 7 (S. 394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/mi120mi05_7

Bereitung des überchlorsauren Kalis für die Pyrotechnik; von J. Hutstein.

Das überchlorsaure Kali hat wohl kaum zu andern, als rein wissenschaftlichen Zwecken Anwendung gefunden. Erst seit kurzem wendet man es in der Pyrotechnik anstatt des chlorsauren Kalis an, um nicht mehr der Gefahr der Selbstentzündung, wenn es mit Schwefel gemischt ist, ausgesetzt zu seyn. Es verbindet sich bei Anwendung des überchlorsauren Kalis auch noch der Vortheil, daß die sogenannten Feuerwerkssätze bei der Verbrennung, vermöge des größern Sauerstoffgehalts des erwähnten Salzes, weit größern Glanz und Lichtstärke zeigen.

Hr. Commercienrath Websky in Wüstegiersdorf, der, beiläufig gesagt, sich 20 Pfd. von mir bereiten ließ, hat in seinem neuen Werkchen: Schule der Luftfeuerwerkerei, Breslau 1850“ einige Erfahrungen über diesen Gegenstand niedergelegt.

Die Bereitung geschieht auf folgende Weise: Es werden eine Anzahl hessische, möglichst dichtporige Schmelztiegel mit chlorsaurem Kali gefüllt, über einem schwachgeheizten Windofen vermittelst starker Drahtbügel gehalten angebracht und allmählich das Feuer verstärkt, bis das Salz schmilzt und Blasen von Sauerstoffgas ununterbrochen entwickelt. Nach etwa anderthalb bis zwei Stunden wird die Masse dickflüssiger, fast breiartig, und es setzen sich auf der Oberfläche allmählich porzellanartige Krusten ab. Mit Eintritt dieser Erscheinung entfernt man die Tiegel vom Feuer und läßt sie völlig erkalten. Die Masse, aus überchlorsaurem, wenig chlorsaurem Kali und Chlorkalium bestehend, wird fein gepulvert, in einen Verdrängungsapparat gebracht und vermittelst Wassers letztere beiden leichtlöslicheren Salze ausgezogen. Durch Umkrystallisiren aus heißem Wasser wird das überchlorsaure Kali nun völlig rein erhalten. 88 Theile Wasser von + 10° C. lösen einen Theil des Salzes, dagegen 100 Theile siedendes Wasser 18,13 Theile. Es krystallisirt in wasserhellen geraden rhombischen Säulen. Schwefelsaure bei gewöhnlicher Temperatur damit in Berührung gebracht. bleibt ohne Einwirkung; erst beim Erhitzen bis zu 138° C. entsteht Zerlegung, und Ueberchlorsäure wird in Freiheit gesetzt. Ebensowenig wirkt Salzsäure darauf ein; Spuren von beigemengtem chlorsauren Kali werden durch gelbe Färbung der Säure entdeckt. Mit Zucker, Schwefel und Schwefelmetallen kann es ziemlich stark zusammengerieben werden; erst bei anhaltendem heftigen Stoßen und Schlagen entsteht Verpuffung. (Archiv der Pharmacie, Bd. CXV. S. 159.)

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