Titel: Prüfung der Chinarinden auf ihren Alkaloidgehalt mittelst Chloroform.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 120/Miszelle 9 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/mi120mi05_9

Prüfung der Chinarinden auf ihren Alkaloidgehalt mittelst Chloroform.

Hr. Rabourdin bedient sich zur Bestimmung des Alkaloidgehalts der Chinarinden des Chloroforms, welches die Eigenschaft hat, dieselben aus einer wässerigen Flüssigkeit aufzunehmen.

Prüfung der braunen Chinarinden. — 40 Gramme gepulverter und durch ein dichtes Haarsieb geschlagener brauner Chinarinde werden mit einer hinlänglichen Menge mit Salzsäure angesäuerten Wassers (20 Gramme Säure auf 1 Kilogramm Wasser) gut durchfeuchtet und in einen kleinen Vorstoß geschüttet, ein Blatt Filtrirpapier darauf gelegt und angesäuertes Wasser aufgegossen, um das Pulver auszulaugen; man hört damit auf, wenn die Flüssigkeit fast farblos und nicht mehr bitter ablauft (wenn das Pulver gleichförmig und gehörig eingeschüttelt war, so ist es, nachdem 200–250 Gramme Flüssigkeit aufgesammelt sind, erschöpft); der durchgelaufenen Flüssigkeit setzt man 5–6 Gramme Aetzkali und 15 Gramme Chloroform zu, schüttelt tüchtig um und überläßt der Ruhe; in längstens einer halben Stunde hat sich das Chloroform abgesetzt und alles Cinchonin mitgerissen, man gießt nun die obenaufschwimmende rothe, durchsichtige Flüssigkeit sorgfältig von dem Bodensatz ab, setzt zu wiederholten Malen Wasser zu und gießt jedesmal ab, bis der Satz gut ausgewaschen ist, welchen man dann in eine Porzellanschale schüttet. Er besteht aus einem flüssigen Theil, welcher eine Auflösung von Cinchonin in Chloroform ist; aus einem halbfesten röthlichen Theil, dem Cinchonin; dann aus zertheiltem, einer Emulsion ähnlichen Chloroform, und aus Chinaroth. Man stellt die Schale in ein heißes Wasserbad, um das Chloroform zu verjagen, und behandelt den Rückstand mit Wasser, das mit Salzsäure angesäuert ist, welches alles Cinchonin und einen Theil des Chinaroths auflöst; man filtrirt und versetzt die Flüssigkeit mit Ammoniak, das mit seinem 15–20fachem Volum Wasser verdünnt ist, und zwar tropfenweis mit jedesmaligem Umschütteln, und hört mit dem Zusetzen auf, sobald eine weiße Wolke entsteht, welche sich beim Umschütteln nicht auflöst. Dieß hat den Zweck, das Chinaroth zu fällen, ohne das Cinchonin zu berühren; es ist dabei der Augenblick zu treffen, den man leicht beobachtet, wo das Chinaroth in röthlichbraunen Flocken niederfällt, das Cinchonin |396| hingegen in weißen geronnenen Flocken. Nachdem man eine hinlängliche Menge verdünnten Ammoniaks zugesetzt hat, filtrirt man die Flüssigkeit, welche farblos seyn muß; man wascht das Filter mit wenig destillirtem Wasser aus und fällt die vereinigten Flüssigkeiten mit überschüssigem Ammoniak; der Niederschlag — reines Cinchonin — wird gesammelt, getrocknet und gewogen.

Beim ersten Versuch erhielt Hr. Rabourdin 0,19, beim zweiten 0,195 Gramme Cinchonin; legt man die höhere Zahl zu Grunde, so liefert 1 Kilogr. brauner China 4,87 Gramme Alkaloïds.

Prüfung der gelben Chinarinden. — Man braucht nur 20 Gr. von der Rinde zum Versuch anzuwenden, weil diese Species viel mehr Alkaloïd enthält.

Diese 20 Gr. werden wie oben behandelt; man hält das Ablaufen der Flüssigkeit inne, wenn sie farblos und geschmacklos abfließt. Man erhält so 150–120 Gr. Flüssigkeit, welcher man 5–6 Gr. Aetzkali und 10 Gr. Chloroform zusetzt; man schüttelt um und läßt dann ruhen. Es entsteht ein weißlicher, sehr dichter Niederschlag, welcher aus Chinin, Cinchonin und Chloroform besteht; manchmal sondern sich dieselben vollkommen und augenblicklich ab, indem eine rothe, durchsichtige Flüssigkeit obenaufschwimmt, die sogleich abgegossen werden kann; man wäscht die chloroformhaltige Auflösung aus, sammelt sie in einem Schälchen und die Alkoloïde bleiben bei der freiwilligen Verdunstung des Chloroforms in reinem Zustande zurück.

Die rothen Chinarinden verhalten sich wie die gelben, und alles von diesen Gesagte ist auf sie anwendbar. (Journal de Pharmacie, Jan. 1851, S. 11.)

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