Titel: Photographiren in natürlichen Farben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 120/Miszelle 5 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/mi120mi06_5

Photographiren in natürlichen Farben.

Hr. L. L. Hill in New-York hat ein Verfahren entdeckt, um Lichtbilder auf Metallplatten mit allen Farben der Natur hervorzubringen; wir theilen im folgenden den wesentlichen Inhalt einiger Briefe mit, welche er bezüglich seiner Entdeckung an den Herausgeber des Daguerreian Journal of New York schrieb.

„Es ist bereits in weiten Kreisen bekannt geworden, daß ich ein Verfahren entdeckt habe, um in Farben zu photographiren. Die Thatsachen sind folgende: — Vor zwei Jahren stellte ich die ersten Versuche an, in der Absicht dieses große Problem zu lösen, jedoch mit schwachen Hoffnungen; bei einem dieser Versuche zeigte sich eine Erscheinung, worüber ich sehr erstaunt war und wornach ich die Sache als ausführbar betrachten mußte. Eine Farbe, die rothe, entwickelte sich bei einer abgebildeten Kleidung so glänzend wie ein Rubin. Ich wiederholte dann den Versuch und er mißlang mir; seitdem wiederholte ich ihn, bis vor wenigen Monaten, mit den mannichfaltigsten Abänderungen stets erfolglos, ohne jedoch den Muth zu verlieren — denn ich hatte Gründe meine Theorie für richtig zu halten, daß sich unter gewissen Umständen auf der Platte, welche den Lichteindruck empsing, ein latent |467| gefärbtes Bild befindet. Endlich begann ich Versuche über das Entwickelungsvermögen der Dämpfe verschiedener Metalle, und fand daß viele derselben, z. B Arsenik, Selen, Zink, Cadmium, Kalium etc., das latente Bild zum Vorschein bringen. Dasselbe Resultat erhielt ich bei Anwendung mehrerer Gase. Die Bilder, welche deutliche Anzeichen von Färbung darboten, unterschieden sich jedoch so wenig von den Daguerre'schen, daß ich meine Bemühungen bereits aufzugeben beschlossen hatte, als ich eines Tages unerwartet eine sonderbare Composition bildete, und sie — ohne viel Hoffnung eines Erfolgs — zu meinem Zweck anwandte.“

„Mein Erstaunen und meine Freude waren unbegränzt, als ich auf meiner Platte ein farbiges Lichtbild fand. Dasselbe Verfahren mit wenigen Abänderungen, habe ich seitdem stets mit guten Resultaten befolgt. Ich habe jetzt 45 Bilder, Landschaften und Porträts, welche die verschiedenen Farben und zwar in den entsprechenden Nüancen darbieten, überdieß mit einem Glanz wie man ihn auf den reichsten Daguerre'schen Lichtbildern niemals sieht; und dieß gilt auch von den Lichtern und Schatten. Diese Bilder lassen sich nur sehr schwer durch Reiben im Wasser verwischen; auch scheint das Licht nicht auf sie zu wirken, denn zwei Bilder, welche ich vier Monate lang jeden Tag beiläufig sechs Stunden den directen Sonnenstrahlen aussetzte, erlitten keine merkliche Veränderung. Mein Verfahren hat keine Aehnlichkeit mit demjenigen von Becquerel und ist von dem Daguerre'schen wesentlich verschieden.“

„Ich zweifle auch nicht, daß es mir gelingen wird solche Lichtbilder augenblicklich zu erzeugen, denn bis jetzt habe ich die zum Daguerreotypiren erforderliche Zeit schon sehr verkürzt. Nachdem ich die Entdeckung so weit als es mir möglich ist, vervollkommnet habe, beabsichtige ich ein Patent darauf zu nehmen und das Verfahren unter billigen Bedingungen an alle würdigen Photographen zu verkaufen. Uebrigens dürften nur sehr wenige von den beim Daguerreotypiren gebräuchlichen Manipulationen entbehrlich werden.“

„Meine Entdeckung beruht also auf der erwähnten chemischen Verbindung, welche bis jetzt nicht bekannt war, jedoch einfach und leicht darzustellen ist.“

„Es ist merkwürdig, daß mir von so vielen Bildern niemals eines theilweise mißlang. Diejenigen Bilder welche zu viel Licht hatten, sind fast so stark, scharf, glänzend und schön, wie solche welche die richtige Zeit in der dunklen Kammer waren, denen sie nur dadurch nachstehen daß ihre Farben weniger dunkel sind. Selbst in den Lichtern ist stets eine Stärke und Klarheit, welche durch Quecksilber nicht erreicht werden kann. — Im verflossenen Winter habe ich mehrmals eine Landschaft mit einem dunkelrothen Haus aufgenommen, während der Boden mit Schnee bedeckt war; ich exponirte die Platte solang, bis das satte Roth des Hauses auf ein sehr helles Roth zurückgebracht war, wobei sich gleichzeitig der Schnee mit einer schönen Weiße entwickelte.“

„Ich habe einige sehr stark colorirte französische Stiche copirt; diese Copien haben jeden Farbenton der Originale und sind überdieß außerordentlich glänzend. Letzteres ist eine charakteristische Eigenschaft meiner Bilder, welche ihnen niemals mangelt, selbst auf Platten welche blos mit Tripel gereinigt worden sind — denn der Glanz hängt von anderen Ursachen ab. Gut polirte Platten sind jedoch aus anderen Gründen vorzuziehen. Es ist wesentlich, daß die Platten sehr rein sind, frei von Schmutz, Feuchtigkeit und organischer Materie jeder Art, und ich bin ietzt mit Versuchen beschäftigt, eine Substanz aufzusuchen welche die Platten vollkommener reinigt, während sie dieselben ganz polirt.“

„In einigen Journalen wurde bemerkt, daß ich bei meinen Lichtbildern hinsichtlich der gelben Farbe auf Schwierigkeiten stieß; dieß bezieht sich nur auf die homogenen Strahlen; das Orange und die verschiedenen Schattirungen von Gelb kommen richtig zum Vorschein, ausgenommen das Chromgelb, welches weniger glänzend erscheint; dieß halten jedoch ausgezeichnete Künstler für keinen bedeutenden Fehler meiner Lichtbilder.“ (Mechanics' Magazine, 1851 Nr. 1443 1444 u. 1446.)

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