Titel: Ueber die Santorinerde und deren Gebrauch als Zahnkitt; von X. Landerer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 120/Miszelle 7 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/mi120mi06_7

Ueber die Santorinerde und deren Gebrauch als Zahnkitt; von X. Landerer.

Sowohl die Inseln Santorino und Therasia, als auch die beiden verbrannten Inseln Neo und Palaeo Kaimene, die im Jahre 1707 unter fürchterlichen Erdbebenstößen, welche man noch in Rhodus und in Kleinasien spürte, dem Meere entstiegen, sind mehrere Klafier hoch mit vulcanischer Asche bedeckt. Diese vulcanische Asche ist mit einer Menge kleiner, rauher gerundeter Brocken gemengt, die aus glasigem Feldspath besteheu. Diese Santorinerde, auch Porzellanerde genannt, ist Bimsstein in Pulverform, hie und da mit trachytischen Massen gemengt. Diese vulcanische Asche ist, wie bekannt, die Basis des sogenannten hydraulischen Kalkes, und die Erfahrung lehrte folgende Verhältnisse als die zweckdienlichsten und dem genannten Zwecke entsprechend kennen. Für Wasserbauten unter dem Meeresspiegel, z. B. für Construction der Ufer, zeigte sich das Verhältniß von 7 Theilen Santorinerde mit 2 Theilen mit Meerwasser gelöschten Kalkes als das beste Für Bauten über dem Meeresspiegel, die jedoch immer vom Seewasser bespült werden, vorzüglich bei starkem Wellenschlage, wurde der Cement aus 4 Theilen Erde mit 1 Theil mittelst süßen Wassers gelöschten Kalkes angewandt. Zum Estrich von Gebäuden, in denen sich große Feuchtigkeit findet, sowie auch für Terrassen und zum Brückenbau zeigte sich das Verhältniß von 3 Theilen Santorinerde und 1 Theile mit süßem Wasser gelöschten Kalkes als das vortheilhafteste Verhältniß. Ich suchte nun diese Santorinerde auch als Zahnkitt anzuwenden, und zwar zum Ausfüllen hohler cariöser Zähne, was mir bei mehreren Personen gelang, und zwar mit einem so ausgezeichneten Erfolge, daß ich nicht Anstand nehme, diese meine Methode mitzutheilen, und alle Aerzte ersuche, darüber Versuche anzustellen. Bei sehr schmerzhaften cariösen Zähnen ließ ich für mehrere Tage einen sehr gesättigten Spirit. Camphorat. auf Baumwolle in den hohlen Zahn stecken, bis sich die Schmerzen zum größten Theil gemildert hatten. In einigen Fällen habe ich die Zahnhöhle ausgebrannt und sodann mit der aus möglichst fein gepulvertem Kalk und Santorinerde bereiteten und mit Wasser zu einem steifen Teige gekneteten Masse ausgefüllt. Nach einigen Stunden ist der Cement öllig erhärtet, und die früher so heftigen Zahnschmerzen sind gestillt. Dieser Cement hält so fest in der Zahnlücke, daß es sich niemals ereignete, daß derselbe herausgefallen wäre. Den Fortschritten der Caries werden dadurch Schranken gesetzt. (Archiv der Pharmacie.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: