Titel: Marnas' Verfahren niedergeschlagenen Indigo zu bereiten.
Autor: Marnas, Jean
Fundstelle: 1851, Band 121, Nr. LIII. (S. 228–229)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/ar121053

LIII. Verfahren niedergeschlagenen Indigo (Sächsischblau) zu bereiten; von Jean Marnas in Lyon.22

Aus dem London Journal of arts, Juli 1851, S. 70.

Der niedergeschlagene Indigo, das sogenannte Sächsischblau, wurde bisher auf folgende Art bereitet: man gießt in einen Kessel mit Wasser die schwefelsaure Indiglösung, und weicht in dieses blaue Bad Wolle oder Wollenzeug ein, bis sich die Indigblau-Säuren auf dem Stoffe absetzten, wobei die überschüssige Schwefelsäure und die fremdartigen Substanzen in dem Wasser aufgelöst bleiben. Die so gefärbte Wolle wird in kaltem Wasser gewaschen; dann taucht man sie in heißes, schwach alkalisch gemachtes Wasser, welches alle blaue Farbe abzieht und auflöst; die entfärbte Wolle kann neuerdings zu demselben Zweck angewandt werden. Wenn man die erhaltene blaue Flüssigkeit, während sie noch warm ist, schwach ansäuert, so setzt sie eine grüne Substanz ab, welche in einer alkalischen Flüssigkeit auflöslich ist, aber in einer sauren Flüssigkeit sich niederschlägt. Die Flüssigkeit, worin das Indigblau aufgelöst ist, kann dann ohne weitere Zubereitung angewandt werden.

Das neue Verfahren besteht darin, daß man anstatt des Wollengarns oder der Wollenzeuge Scherflocken vom Scheren der Tuche und anderer Wollenzeuge anwendet. Die Anwendung von Scherwolle gewährt folgende Vortheile: 1) die sehr kurzen, zum Theil fast staubartigen Härchen bieten eine größere Oberfläche dar und absorbiren mehr Farbstoff; 2) die Kosten sind bedeutend geringer; denn eine Färberei, welche bei der gewöhnlichen Methode Wollenzeuge im Werth von 2000 Pfd. Sterl. anwendet, reicht mit Scherwolle im Werth von 20 Pfd. Sterl. aus; 3) die Scherflocken geben das aufgenommene Indigblau leicht ab und ohne dadurch benachtheiligt zu werdeu; während Wollenzeuge ziemlich viel Indigblau zurückhalten, welches sich nur schwierig und nie ohne Nachtheil für die Stoffe abziehen läßt. Die Wollenzeuge verlieren auch sehr bald ihr Absorptionsvermögen; die Theile, welche am meisten der Einwirkung warmer alkalischer Flüssigkeiten |229| ausgesetzt sind, verwandeln sich nämlich in eine Art gummiger Substanz, welche bei jeder Operation eine gewisse Menge Indigblau desoxydirt und zerstört; dagegen geben Scherflocken die Farbe so leicht wie ein Schwamm ab, können auch mit einem schwächer alkalisirten Wasser und bei einem niedrigeren Wärmegrad angewandt werden, leiden folglich weniger und werden nicht in eine gummiartige Substanz umgeändert. Endlich wird 4) durch die Anwendung von Scherflocken der Verlust an Farbstoff vermieden, welcher bei Anwendung von Wollenzeugen stattfindet und wenigstens 10 Procent beträgt.

Man bereitet das Indigblau bei Anwendung von Scherflocken gerade so, wie bei Benutzung von Wollenstoffen. Man gießt die schwefelsaure Indigauflösung in das Wasser des Kessels, erwärmt die saure Flüssigkeit gelinde und bringt dann die vorher gereinigten Scherflocken hinein. Nach Verlauf von beiläufig einer halben Stunde zieht man die Flüssigkeit ab; dann bringt man eine frische Quantität Scherflocken hinein, und so fort, bis aller Farbstoff absorbirt ist; solche Scherwolle welche nicht vollständig mit Farbe gesättigt ist, bringt man wieder in die Flüssigkeit, worin stets etwas Farbstoff zurückbleibt. Nun gießt man kaltes Wasser aus die Scherwolle, um ihr die freie Säure und die auflösliche grüne Substanz zu entziehen; darauf legt man die Wolle in eine kleine Menge warmen Wassers, welches durch Zusatz von Potasche oder Soda schwach alkalisch gemacht worden ist, und rührt sie darin gut um; endlich füllt man sie mittelst hölzerner Schaufeln in Säcke und preßt sie aus. Die ablaufende Flüssigkeit wird schwach angesäuert und noch warm filtrirt. Die grüne Substanz, welche in einer sauren Flüssigkeit unauflöslich ist, bleibt auf dem Filter; das auflösliche Indigblau geht durch das Filter in gereinigtem Zustande und so concentrirt, daß es beim Erkalten fest wird. Diese Operation kann man wiederholen, wenn man ein reineres Blau zu erhalten wünscht.

Wenn man die Flüssigkeit bei einer niederen Temperatur abdampft, erhält man mehr oder weniger concentrirten Indigcarmin zum Färben und Drucken der Zeuge.

Nach langem Gebrauch wird die Scherwolle zur Bereitung von löslichem Indigblau unanwendbar; man verkauft sie dann als Dünger oder an die Blutlaugensalzfabriken.

Als Mittheilung patentirt für England am 12 Decbr. 1850.

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