Titel: Chatain, über das Vorkommen des Jods in der Luft und die Aufnahme desselben in den thierischen Körper durch Athmen.
Autor: Chatain, Ad.
Fundstelle: 1851, Band 121, Nr. LXIX. (S. 294–295)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/ar121069

LXIX. Ueber das Vorkommen des Jods in der Luft und die Aufnahme desselben in den thierischen Körper durch das Athmen; von Ad. Chatain.

Im Auszug aus dem Journal de Pharmacie, Juni 1851, S. 421.

Das langsame, aber beständige freiwillige Verschwinden des in den meisten natürlichen Wässern enthaltenen Jods, seine schnelle Verflüchtigung beim Erhitzen des Wassers und seine Gegenwart in dessen Destillationsproducten; seine Ausscheidung aus den harten Wässern, welche so rasch erfolgt, daß es, selbst wenn sie aus sehr jodhaltigen Gebirgsarten entspringen, selten darin entdeckt werden kann; die Resultate meiner Versuche mit Regenwasser, alle diese Umstände führten mich auf den Gedanken, daß die Atmosphäre Jod enthalten müsse. Ein sehr einfacher Apparat, welcher aus einem großen ansaugenden Gefäß und einer Reihe Liebig'scher Kugelröhren zum Waschen der Luft bestand, diente mir um die Richtigkeit dieser Vermuthung zu prüfen.

Unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln, daß erstens kein Jod aus anderer Quelle die Resultate unsicher mache, und zweitens, daß das in der Luft etwa enthaltene Jod mir nicht entgehen könne, fand ich, daß 4000 Liter Luft zu Paris nahezu 1/500 Milligramm Jod enthalten. Bedenkt man nun, daß das von einem Menschen in einem Tag verbrauchte Luftvolum 8 Kubikmet. oder 8000 Liter beträgt, so ergibt sich, daß in dieser Zeit 1/250 Milligr. Jod mit der Lungenschleimhaut in Berührung kommt, welches Quantum jenem ziemlich gleichkommt, das ein Mensch einnimmt, welcher täglich 2 Liter eines nicht sehr starken jodhaltigen Mineralwassers trinkt.

In manchen Gegenden wird also durch die Luft ebenso viel, oder noch mehr Jod in den Körper gebracht, als durch das Wasser. Allerdings werden diese Resultate durch die Temperatur und den hygrometrischen Zustand der Luft, die Tageszeit, die herrschenden Winde, die Jahreszeiten, den seltenen oder häufigen Regenfall, durch Gewitter, vielleicht auch durch den Jodgehalt des Bodens und seiner Gewässer, die Richtung und Einkesselung der Thäler, die Höhe, die Nähe des Meers oder großer Massen süßen Wassers etc. modificirt.

In der Luft eines kleinen, schlecht gelüfteten Kellers, worin sich Menschen und Thiere lange aufgehalten hatten, fand ich eine bedeutend |295| geringere Menge Jod als in der äußeren Luft. Es entstand daher die Frage, ob die ausgeathmete Luft weniger Jod enthalte, als die eingeathmete? Beobachtungen welche ich mit der von mir selbst ausgeathmeten Lust anstellte, ergaben, daß die eingeathmete Luft ungefähr 4/5 ihres Jods verliert, welches sich im Lungenorgan fixirt; ohne Zweifel spielt hier das Alkali des Bluts die Rolle der kohlensauren Kalilösung, welche ich bei obigen Versuchen in die Waschröhren brachte, um das Jod der durchgetriebenen Luft zurückzuhalten.

Im Regenwasser fand ich das Jod nicht bloß als Spuren, sondern in bedeutender Menge, nämlich in Paris in den Monaten Februar, März und April 1/5, ¼, ⅓ und sogar ½ Milligr. in 10 Litern Wasser. Es ergeben sich aber beim Regenwasser an demselben Ort bedeutende Abweichungen, was ich noch nicht erklären kann; in Paris z. B. von ½ bis 1/12 Milligr. per 10 Liter. Auffallend ist, daß der Regen an mehreren Orten an der Meeresküste sich minder jodhaltig zeigte als im innern Frankreich; durchschnittlich nämlich nur 1/30 Milligr. in 10 Litern enthält.

Lange andauernder Regen scheint mit der Zeit minder jodhaltig zu werden.

Auch im Schnee, im Hagel und im Thau habe ich Jod gefunden.

Hinsichtlich der Gesundheit ist zu bemerken, daß das Regenwasser von allen süßen Wässern am meisten Jod enthält, daß es aber, um ihm den ursprünglichen Gehalt ganz zu erhalten, nöthig ist, ihm etwa ein Milliontel kohlensaures Kali zuzusetzen. Dieser Zusatz, welcher die Eigenschaften des Wassers nicht merklich verändert, ist namentlich bei Zisternen mit großer Oberfläche erforderlich.

Das in der Luft enthaltene Jod wird derselben hauptsächlich durch die Verflüchtigung des Jods aus den süßen Wässern zugeführt. Das beständig in die Luft verdunstende Jod müßte sich also in derselben anhäufen, wenn das Athmen der Thiere ihr nicht fortwährend solches entzöge, und hauptsächlich wenn das Wasser es nicht aus der Luft niederschlüge, aus welchem es dann vom Erdboden aus wieder in die Luft aufsteigt.

Der Hauptsitz des Jods scheint übrigens die feste Masse unseres Planeten zu seyn, und das im Wasser und der Luft enthaltene Jod aus dieser Quelle zu entspringen.

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