Titel: Fumet's tragbare Apparate zur Bereitung von Eis und Gefrornem.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121, Nr. XC. (S. 375–378)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/ar121090

XC. Fumet's tragbare Apparate zur Bereitung von Eis und Gefrornem für Haushaltungen.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Im polytechn. Journal Bd. CXIV S. 302 wurde ein Bericht von Hrn. Silvestre über die Gefrierapparate des Hrn. Fumet in Paris (rue du Helder No. 25) mitgetheilt. Diese Apparate sind bei Mangel an Eis, sey es für Kranke oder für häusliche Zwecke, sehr nützlich, und werden in Frankreich wegen ihres mäßigen Preises und ihrer Einfachheit bereits häufig angewandt, was uns veranlaßt die Beschreibung derselben aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Juli 1850, und Armengaud's Génie industriel, 1851 Nr. 7, nachzutragen.

Von Fumet's Apparaten dienen die einen um rohes Eis darzustellen, die anderen um Gefrornes zu bereiten.

Fig. 42 ist ein senkrechter Durchschnitt des Apparats um rohes Eis zu machen.

Fig. 43 ist eine besondere Abbildung des Behälters, welcher das in Eis zu verwandelnde Wasser enthält.

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Fig. 44 das Maaß, um die Salzsäure und das Glaubersalz der Kältemischung abzumessen.

Fig. 45 senkrechter Durchschnitt der in ihren Kessel getauchten Sorbetbüchse.

Fig. 46 die Sorbetbüchse besonders abgebildet.

Fig. 47 Vorderansicht des Spatels zum Umrühren des Rahms, welcher in Gefrornes verwandelt werden soll.

Der Apparat Fig. 42 besteht aus zwei Hauptstücken, dem Kessels A, welcher die Kältemischung aufnimmt, und dem Behälter B, welcher ein unten offenes conisches Rohr C einschließt. Die in Eis zu verwandelnde Flüssigkeit gießt man in den Raum B, und die Kältemischung in den Kessel. Wenn letztere frisch bereitet ist, gefriert die Flüssigkeit in beiläufig 15 Minuten; wendet man aber die schon zu einer vorhergehenden Operation benutzte Kältemischung an, so sind 30 bis 45 Minuten erforderlich.

Der Apparat zum Bereiten von Gefrornem, Fig. 45 und 46, besteht aus zwei Hauptstücken, dem Kessel (Eimer) D, welcher oben erweitert und zugedeckt ist, und der schwach conischen Eisbüchse E, welche in den Kessel taucht und auf denselben sich mit ihrem Rand a stützt; sie ist an ihrer Basis geschlossen und mit einem flachen Unterboden versehen, an ihrem oberen Theil aber offen, damit man den Rahm hineingeben kann, welcher in Gefrornes verwandelt werden soll. Die Eisbüchse wird mit einem Deckel G verschlossen, welcher mit einem Ring H versehen ist und mit einem festgenieteten Stifte b, der in ein Loch des Randes a gesteckt wird.

Dieser Apparat wird auf folgende Art angewendet: man gießt in den Kessel D die Kältemischung, aus gestoßenem krystallisirtem Glaubersalz und Salzsäure bestehend; in die Eisbüchse gießt man den Rahm, welcher in Gefrornes verwandelt werden soll; man befestigt den Deckel mittelst des Stiftes b, und steckt die Eisbüchse in den Kessel, wo sie in die Kältemischung taucht; dann ergreift man den Ring H und ertheilt dem Apparat beiläufig drei Viertelstunden lang eine abwechselnde drehende Bewegung, worauf das Gefrorne die erforderliche Consistenz erlangt hat. Von Zeit zu Zeit muß man den Deckel öffnen, um mit dem Spatel den Rahm stark umzurühren. Die Kältemischung muß nach 15 bis 20 Minuten immer erneuert werben; sie ist in dem Maaß Fig. 44 enthalten, womit man die jedesmal anzuwendenden Quantitäten (1 Raumtheil gestoßenes krystallisirtes Glaubersalz und ½ Raumtheil Salzsäure) abmißt. Der Kessel ist mit einem Henkel versehen und mit einem sehr dicken |377| Wollenzeug umhüllt, um seine Wände gegen die Berührung der äußeren Luft zu schützen.

Da die chemischen Fabriken (in Frankreich) die 100 Kilogr. krystallisirtes Glaubersalz um 13 Fr. und die 100 Kil. Salzsäure um 12 Fr. liefern, so kommt das Kilogr. Kältemischung durchschnittlich auf 25 Cent. zu stehen. Um 1 Kil. Wasser gefrieren zu machen, muß man 2 Kil. Kältemischung (1 1/5 Kil. Glaubersalz und 4/5 Kil. Salzsäure) anwenden und die Mischung nach Verlauf von zwanzig Minuten wechseln; hiernach kommt das Kil. Eis auf 50 Cent. zu stehen und zu seiner Erzeugung sind beiläug vierzig Minuten Zeit erforderlich. — Wenn man Gefrornes bereiten will, so muß man die Kältemischung jede Viertelstunde wechseln, wornach zehn Portionen Gefrornes auf 75 Cent. zu stehen kommen, wenn man zum Gefrierenlassen fünfundvierzig Minuten Zeit verwendet.

Wie Hr. Silvestre in seinem Bericht bemerkte, muß man: 1) die zum Erstarren zu bringende Flüssigkeit vorher im Keller oder in Brunnenwasser abkühlen; 2) die Operation an einem kühlen Orte vornehmen; 3) bei jedem Wechseln der Kältemischung den Cylinder oder die Eisbüchse in ein Gefäß tauchen, in welches man den Rückstand von der vorhergehenden Operation gegossen hat. Diese Rückstände, in einem Kessel aufbewahrt, können während mehrerer Stunden zum Abkühlen von Trinkwasser- und Weinflaschen benutzt werden.

Um in den Haushaltungen Eis und Gefrornes zu den angegebenen Preisen darzustellen, müßte man die Bestandtheile der Kältemischung im Großen kaufen. Fumet liefert im Detail die 100 Kil. Kältemischung um 30 Fr., wornach sich 1 Kil. der Mischung auf 60 Cent., und 1 Kil. Eis (Gefrornes) auf 1 Fr. 20 Cent. stellt, also zehn Portionen Gefrornes auf 1 Fr. 80 Cent. berechnen. Ungeachtet dieser Preiserhöhung sind die Resultate für die Haushaltungen wenigstens eben so günstig als mit den Apparaten und nach dem Verfahren der Conditoren (in Paris), welche als Kältemischung50 das Kilogramm Eis mit 20 Cent. bezahlen und den Salpeter mit 30 Cent.

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Fumet fertigt seinen Apparat in verschiedenen Dimensionen an, wornach sich sein Preis ändert:

Der Apparat Nr. 1, welcher 1 Kil. Eis liefert, kostet 10 Fr.
Der Apparat Nr. 1 welcher Gefrornes und Sorbets für 10 Personen liefert 15 Fr.
Der Apparat Nr. 2 welcher 2 Kil. Eis liefert 15 Fr.
Der Apparat Nr. 2 welcher Gefrornes und Sorbets für 20 Personen liefert 20 Fr.
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Das phosphorsanre Natron und die Schwefelsäure wirken ebenso wie das Glaubersalz und die Salzsäure. — Gleiche Gewichtstheile Kochsalz und Schnee oder gestoßenes Eis bilden bei 0° Temperatur durch ihre Vermengung eine Art geschmolzenen Teigs, welcher auf 20° C. (16° R.) unter 0° sinkt. — Man erhält eine entsprechende Kältemischung mit 5 Thln. phosphorsaurem Natron und 4 Thln. krystallisirtem salzsaurem Kalk.

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