Titel: Ueber die Kraft, welche die Flüssigkeiten in Abstand über glühenden Flächen erhält; von Person.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 10 (S. 78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi01_10

Ueber die Kraft, welche die Flüssigkeiten in Abstand über glühenden Flächen erhält; von Person.

Ich habe (polytechn. Journal Bd. CXIX S. 239) durch einen Versuch bewiesen, daß es der Dampf ist, welcher die Flüssigkeiten in Entfernung über glühenden Flächen erhält. Hr. Boutigny veröffentlichte dagegen Bemerkungen (Bd. CXIX S. 464); er nimmt dabei an, daß die Oeffnung meines Manometers ins Wasser taucht, was ein Irrthum ist; diese Oeffnung mündet trocken in der unter der Flüssigkeit liegenden Dampfschicht aus; die Flüssigkeit dringt nicht in das Rohr; aber der Dampfdruck pflanzt sich in dasselbe fort, weil er in den andern Schenkeln eine Niveau-Differenz hervorbringt.

Ich habe auch einen Versuch angestellt, wornach man sich über die Langsamkeit der Verdampfung eines Wassertropfens in einem rothglühenden Tiegel nicht mehr wundern wird, weil nach demselben vielmehr die Schnelligkeit der Verdampfung schwer zu erklären ist. Ein Tropfen kann z B., frei in einem Tiegel, zur Verdampfung 100 Secunden brauchen; diese lange Zeit erklärt Boutigny, indem er sagt, daß die strahlende Wärme in eine im sphäroidischen Zustand befindliche Flüssigkeit nicht eindringt. Nun hänge ich den Tropfen einige Millimeter über dem Boden des Tiegels auf, vermittelst eines Platindrahts, der sich in einen horizontalen Ring endigt; die strahlende Wärme bleibt hierbei ziemlich dieselbe; die Verdampfungszeit sollte sich daher nach Boutigny's Theorie auch ziemlich gleich bleiben oder vielmehr kleiner werden, wegen der Wärme welche der Draht fortpflanzt. Gerade das Gegentheil geschieht aber; der Tropfen braucht nun 180 bis 200 Secunden zum verdampfen!

Die wahre Erklärung ist die, daß die strahlende Wärme, welche vom Wasser in allen Fällen sehr gut absorbirt wird, bei weitem nicht so beträchtlich ist als man annimmt. Die Wärme, welche durch die elastischen Flüssigkeiten übertragen wird, und besonders durch die sehr dünne Schicht überhitzten Dampfs, welcher die Flüssigkeit trägt, spielt hier eine Hauptrolle; dieß beweist die rasche Zunahme der Verdampfungszeit, sobald man den Tropfen ein wenig von der Wand entfernt. (Comptes rendus, März 1851, Nr. 13.)

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