Titel: Bemerkungen über das plötzliche Krystallisiren übersättigter Glaubersalzlösungen durch ihre Berührung mit der atmosphärischen Luft; von H. Loewel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 9 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi03_9

Bemerkungen über das plötzliche Krystallisiren übersättigter Glaubersalzlösungen durch ihre Berührung mit der atmosphärischen Luft; von H. Loewel.

Hr. Goskynski übergab unlängst der franz. Akademie der Wissenschaften eine Notiz über die Theorie der Erstarrung einer concentrirten Auflösung von Glaubersalz |238| in Wasser, bei Berührung mit Luft (S. 140 in diesem Bande des polyt. Journals). Er glaubt aus seinen Versuchen schließen zu können, daß wenn man eine Auflösung, welche in einem geschlossenen Gefäß in übersättigtem Zustand verblieb, mit atmosphärischer Luft in Berührung bringt, dann die Luft, welche die freie Oberfläche der Salzlösung trifft und sie plötzlich krystallisiren macht, einzig dadurch wirkt, daß sie Wasserdampf auflöst) daß sie so die obere Schicht concentrirend, darin die Bildung von eben so vielen kleinen Krystallen veranlaßt, als Punkte durch die Luft berührt wurden. Diese kleinen Krystalle bilden dann Mittelpunkte der Anziehung und Krystallisation, von denen aus die Flüssigkeit nach und nach bis auf den Boden hinab krystallisirt.

Einige Thatsachen, welche ich beobachtete und in einer der Akademie im verflossenen Jahre übergebenen Abhandlung beschrieb (Annales de Chimie et de Physique, 3me série, t. XXIX p. 103), scheinen mir mit der von Hrn. Goskynski gegebenen Erklärung der fraglichen Erscheinung ganz im Widerspruch zu seyn. Ich fand, daß concentrirte Auflösungen von Glaubersalz, welche kochend in Fläschchen unter große Glasglocken gebracht wurden, darin sehr lange (zwei Monate) in übersättigtem Zustande bleiben, es mag nun die Luft unter diesen Glocken durch gebrannten Kalk ausgetrocknet worden seyn, oder sie mag mit Feuchtigkeit gesättigt seyn. Noch mehr: wenn dieselben Auflösungen kochend in Schalen unter kleinere Glocken gebracht werden. worin die Luft durch Chlorealcium ausgetrocknet wird, so concentriren sie sich darin nach ihrem Erkalten durch freiwillige Verdunstung und setzen endlich nach und nach am Boden der Schalen Krystalle von Glaubersalz mit 7 Atomen Wasser ab, ohne den Uebersättigungs-Zustand zu verlieren, d. h. ohne plötzlich zu einer Salzmasse mit 10 Atomen Wasser zu gestehen, wie dieses der Fall ist, sobald man die Glocken über den Schalen wegnimmt, selbst wenn die umgebende Luft sehr feucht ist. (Comptes rendus, Juli 1851, Nr. 1.)

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