Titel: Schutzmittel gegen schlagende Wetter, vorgeschlagen von Henri Hautermann, Maurice und Comp.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 10 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi04_10

Schutzmittel gegen schlagende Wetter, vorgeschlagen von Henri Hautermann, Maurice und Comp.

Bekanntlich ist das in den Steinkohlengruben bisweilen sich ansammelnde so gefährliche Kohlenwasserstoffgas (schlagende Wetter, feurige Schwaden genannt) mit Kohlensäure, Stickstoff, zuweilen auch mit Sauerstoff mehr oder weniger gemengt. Nicht diesen Beimengungen aber verdankt es die Eigenschaften, durch welche es so schreckliche Verheerungen bedingt, sondern seiner außerordentlichen Brennbarkeit, welcher Eigenschaft zwar durch die von Davy erfundene Sicherheitslampe ihre Gefährlichkeit großentheils benommen wurde, ohne daß jedoch der Grubenarbeiter vor |319| den Wirkungen der schlagenden Wetter bis jetzt vollkommen geschützt ist. Wem dieß gelänge, der würde der Menschheit einen außerordentlichen Dienst erweisen.

Der erste Gedanke, auf welchen wir in dieser Hinsicht kamen, war die Lufteinführung (Wetterblasung, Ventilation), welches Mittel der Luftreinigung in unsern Kohlengruben bekanntlich schon einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht hat.

Warum aber durch dieses Mittel der Zweck doch nicht erreicht wird, ist leicht zu begreifen. Gase von verschiedener Dichtigkeit vermengen sich nämlich nur durch lange Berührung, welche aber bei den in Rede stehenden nicht stattfindet, weil die Luft in den Stollen sich jeden Augenblick erneuert. Die Folge davon ist, daß der Kohlenwasserstoff, dessen Dichtigkeit kaum halb so groß ist als diejenige der Luft, in die höchsten Winkel der Stollen getrieben wird.

Wir konnten daher bei diesem Gedanken nicht lange stehen bleiben, und es fragte sich nun, ob es nicht möglich ist, das fragliche Gas auf praktische Weise zu zersetzen und in andere Körper zu verwandeln, deren Gegenwart in den Gruben minder gefährlich wäre und die leichter ausgetrieben werden könnten, was wir bejahen zu müssen glauben.

Bekanntlich wird 1 Volum Kohlenwasserstoff (feurige Schwaden) durch 4 Volume Chlor ganz zersetzt, wodurch 1 Volum Kohlensäure entsteht und die 2 Volume Wasserstoff des gekohlten Gases frei werden; während dieses Processes wird aber auch 1 Volum Wasser zersetzt, so daß im Ganzen 4 Volume Wasserstoffgas frei werden. Diese 4 Volume Wasserstoffgas erzeugen, indem sie sich mit dem angewandten Chlor verbinden, 8 Volume Chlorwasserstoff- oder Salzsäure.

Allerdings sind auch diese 8 Vol. Salzsäure gefährlich für den Stollen, weil ihre Einathmung üble Folgen hätte; hier aber könnte eine gut unterhaltene Ventilirung, welche einen wesentlichen Theil unseres Systems ausmacht, dem großen Uebelstand begegnen. Man könnte in die Grube durch Kautschukröhren, an deren Enden Brausen mit zahlreichen Löchern angebracht sind, viele Wasserdampfströme gelangen lassen, welche sich der dicken Dämpfe bemächtigen würden, die bei Berührung der Salzsäure mit feuchter Luft entstehen. Die Verwandtschaft des Wassers zum salzsauren Gase ist bekanntlich groß, und es absorbirt von demselben bei einer Temperatur von nur 16° R. und bei dem gewöhnlichen Druck der Atmosphäre sein 464faches Volum.

Es versteht sich, daß man den Wasserdampf auf die erzeugten Gase erst einige Zeit nach der Einwirkung des Chlors auf den Kohlenwasserstoff wirken lassen dürfte, so daß die Druckpumpen, welche das Chlor und den Wasserdampf liefern, abwechselnd spielen müßten.

Diesen Betrachtungen zufolge könnte, wie uns scheint, das Chlor mit Nutzen zur Verhütung von Unglücksfällen durch die leider so häufig eintretenden Explosionen in Steinkohlengruben angewandt werden.

Dieses Verfahren wäre um so vortheilhafter, weil der Kohlenwasserstoff, welcher der zersetzenden Einwirkung des Chlors etwa entging, der auflösenden Einwirkung des Wassers preisgegeben, von diesem abgeführt würde. Seine Auflöslichkeit in demselben ist zwar nicht sehr groß (das Wasser absorbirt 1/27 seines Raumes Halb-Kohlenwasserstoffgas); allein man kann den Wasserdampf ohne Anstand nach Bedarf vermehren.

Was die Kohlensäure betrifft, so wäre die kleine Menge derselben bei ihrer beständigen Berührung mit den stets erneuerten Wasserströmen ohne alle Gefahr.

Hinsichtlich des Chlors wäre es vielleicht besser, dasselbe in den Stollen selbst und an denjenigen Stellen zu erzeugen, wo man glaubt, daß sich das Kohlenwasserstoffgas anhäufte; jedenfalls müßte dieß aber mit großer Vorsicht geschehen und vorzüglich die Gegenwart eines zu starken directen Lichtes vermieden werden. (Moniteur industriel), 1851 Nr. 1531.)

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