Titel: Die elektromagnetische Locomotive von Prof. Page.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 2 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi04_2

Die elektromagnetische Locomotive von Prof. Page.

Ich habe mit meiner elektromagnetischen Locomotive unlängst eine Probefahrt gemacht, welche sehr günstig ausfiel, besonders wenn man berücksichtigt, daß ich dabei nur die Hälfte (oder sogar weniger) von der Kraft verwenden konnte, welche die Maschine und die Batterie zu liefern vermögen. Jede Maschine, nach meiner stationären Maschine berechnet, sollte nach der niedrigsten Schätzung 12 Pferdekräfte geben, was für die Locomotive 24 Pferdekräfte betragen würde. Die wirkliche Kraft war ich nicht im Stande zu bestimmen, aber nach folgenden Daten läßt sie sich annähernd schätzen. Die Locomotive wiegt mit der voll geladenen Batterie 10½ Tonnen, mit den sieben Personen welche die Fahrt nach und von Bladensburg mitmachten, stieg das Gewicht auf 11 Tonnen. Unter den günstigsten Umständen sind acht Pfund erforderlich um eine Tonne auf einer vollkommenen horizontalen Eisenbahn fortzuschaffen, und sieben Pfund werden eine Tonne kaum in Bewegung erhalten. Je größer der Reibungswiderstand der Räder ist. eine desto größere Last kann die Maschine fortziehen; dieser Widerstand läßt sich aber nur durch Versuche in jedem Fall genau bestimmen. Meine magnetische Maschine, die erste ihrer Art welche je construirt wurde, ist noch unvollkommen, und da alle ihre Theile neu sind, so lauft sie sehr hart. Wir wollen annehmen, daß 200 Pfund (was unter ihrer wirklichen Kraft ist) erforderlich seyen, um sie auf einer horizontalen Bahnstrecke in Bewegung zu erhalten. Eine Pferdekraft ist nach der gewöhnlichen Annahme 150 Pfd. in der Stunde 2½ engl. Meilen weit gezogen oder 375 Pfd. in der Stunde eine Meile weit gezogen. Nehmen wir die Geschwindigkeit der magnetischen Locomotive zu 15 engl. Meilen per Stunde auf horizontaler Bahn an (sie betrug in der That mehr) und ihre Zugkraft zu 200 Pfd., so haben wir 375 Pfd. 1 Meile weit in der Stunde gezogen für eine Pferdekraft, und 200 Pfd. 15 Meilen weit in der Stunde gezogen |315| für die Locomotive, was acht Pferdekräfte gibt. Die Maschine hat aber jedenfalls zwölf Pferdekräfte, was, wie ich vorher bemerkte, beiläufig die Hälfte ihrer möglichen Leistungsfähigkeit ist. Ein Hauptfehler derselben war die mangelhafte Isolirung der Drahtspiralen; nachdem nämlich die Locomotive auf die Bahn gebracht war, fand man es für nöthig, fünf Spiralen ihrer Wirkung zu entheben und gerade an dem wichtigsten Punkt; um diesem Fehler abzuhelfen, hätte man beide Maschinen ganz herausnehmen müssen, was schon die zur Benutzung der Bahn bewilligte Zeit nicht gestattete. Eine andere bedeutende Schwierigkeit veranlaßte das Zerbrechen der porösen Zellen in der Batterie, wobei sich die zwei Säuren vermischten und ein großer Theil der Kraft verloren ging; die Zellen waren nämlich aus einem schwachen Thon gemacht und hatten durch häufigen Gebrauch schon so gelitten, daß sie durch die geringste Veranlassung zerbrachen. Bevor wir abfuhren, zerbrachen zwei, und diesem Fehler konnte nur theilweise abgeholfen werden; nicht weit von Bladensburg zerbrachen noch zwei und verminderten plötzlich unsere Triebkraft nicht unbedeutend. Bei unserer Rückkehr etwa zwei Meilen von Bladensburg zerbrachen noch drei, und wir waren mindestens auf die Hälfte unserer Kraft reducirt. Die Fahrzeit von Washington nach Bladensburg war 39 Minuten; ohne einen fünfmaligen Aufenthalt hätten wir wahrscheinlich die Fahrt in weniger als 30 Minuten gemacht. Eine sehr wichtige und interessante Eigenthümlichkeit dieser Maschine ist die, daß ihre Kraft beim Rückwärtsfahren fast zweimal so groß als beim Vorwärtsfahren ist; wenn man nämlich die Bewegung der Maschine verkehrt, so ist die magneto-elektrische Induction zu Gunsten des Batteriestroms und erhöht dessen Wirkungen. Dem Fehler in den Zellen läßt sich für die Folge leicht abhelfen. Die schwingende Bewegung des Maschinenwagens läßt sich dadurch vermeiden, daß man rotirende Maschinen anstatt solcher mit Hin- und Herbewegung anwendet. Die größte Geschwindigkeit welche ich bei meiner Probefahrt erreichte, war ungefähr 19 engl. Meilen in der Stunde. Charles G. Page. Washington, l. Mai 1851.

Wenn man bedenkt, daß man vor Page's Versuchen mittelst des Elekromagnetismus höchstens eine halbe Pferdekraft hervorzubringen vermochte, welche wahrscheinlich hundertmal soviel kostete als es bei seinem System der Fall ist. so wird man das von ihm erzielte Resultat als ein großes und vielversprechendes betrachten. (Silliman's american Journal of science and arts, Juli 1851, S. 139.)

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