Titel: Erfindung eines Nothsteuerruders.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 4 (S. 316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi04_4

Erfindung eines Nothsteuerruders.

Der Schiffscapitän Marco Starcich ist auf einer Reise von Alexandria nach Triest im Juni vorigen Jahrs von stürmischem Wetter überrascht worden, welches dem Schiff, der österreichischen Mercantilbrig „Norma“, am fünften Tag der Reise das Steuerruder brach. Bei dieser Gelegenheit mußte sich Capitän Starcich zwar mit den üblichen Kunstgriffen behelfen welche der menschliche Geist für solche widrige Zufälle ersonnen, wurde aber nebstbei der Erfinder eines Noth-Steuerruders, für welches er nach vorausgegangener commissioneller Untersuchung mit dem goldenen Verdienstkreuz belohnt wurde. Dieses Steuerruder besteht aus einem Parallelepipedon, das 3½ Fuß hoch, 2½ breit und ungefähr 5 Zoll dick ist (die Dimensionen natürlich verschieden nach den Schiffen). Es ist aus verschiedenen horizontal übereinander liegenden kleinen Balken (morali) zusammengesetzt, welche wieder von Brettern eingeschlossen sind, die horizontal und vertical angebracht und durch lange Nägel zusammengefügt wurden. Dieses Steuer ist an einem Holz angebracht, an derselben Stelle wo sonst die Achse des Steuerruders ist; und indem vom oberen und unteren, dann vom freien Seitenrand Stricke nach aufwärts und abwärts angebracht sind, sowie ordentliche Zügel nach dem Verdeck, so ist auch Fixirung und Beweglichkeit des improvisirten Ruders hiemit gesichert. Mit einem solchen Steuerruder schiffte Capitän Starcich durch dreißig Tage, und zwar von Candia nach Triest, wo er noch so geschickt manövrirte, daß niemand die Wirkung eines bloß aus Noth improvisirten Steuerruders bemerkte. Starcich machte natürlich noch während der Reise interessante Bemerkungen über die Wirkung und den Gebrauch dieses Behelfes selbst, und die Centralseebehörde ließ durch eine eigne Commission unter dem Vorsitz des Fregattencapitäns v. Pöltl die Erfindung näher untersuchen. Man stellte die Versuche mit dem Dampfer „Arciduca Federico“ an, und sie fielen glänzend aus. Ein einziger Mann genügte zur Lenkung, und man nahm alle die verschiedenen Wendungen und Bewegungen vor, während die Geschwindigkeit nicht viel hinter der gewöhnlichen zurückblieb. Die Commission sprach sich daher nicht nur über die Brauchbarkeit dieses Steuers aus, sondern auch über die leichtmögliche Anfertigung an Bord jeden Schiffes, sowie über die Vorzüglichkeit dieses Hülfsmittels vor allen übrigen ähnlichen. und über die Nothwendigkeit dasselbe der Handelswelt bekannt zu machen. (Allg. Zeitung, 1851, Nr. 237.)

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