Titel: Ueber die Anwendung hart gegossener eiserner Zapfen bei astronomischen Instrumenten; von Hrn. May.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 5 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi04_5

Ueber die Anwendung hart gegossener eiserner Zapfen bei astronomischen Instrumenten; von Hrn. May.

Es ist längst bekannt, daß wenn man das Eisen in eine Form gießt, welche aus Gußeisen besteht, oder zum Theil aus Eisen und zum Theil aus Sand, dann derjenige Theil des Abgusses, welcher an dem Eisen anliegt, hart wird, was durch eine weiße krystallinische Structur bemerklich wird, die bis auf eine gewisse Tiefe entsteht, welche letztere einerseits von der Temperatur der Form und des eingegossenen Metalls |317| und andererseits von der chemischen Zusammensetzung des Eisens abhängt. Der praktische Nutzen des Hartgusses (Schalengusses) beruht auf der Thatsache, daß der so krystallinisch gemachte (abgeschreckte) Theil des Abgusses eine bedeutende Härte hat, welche derjenigen des gehärteten Stahls nahe kommt, während im übrigen der Abguß so weich bleiben kann wie das in gewöhnliche Sandformen gegossene Eisen. Den theoretischen Grund der so hervorgebrachten Wirkung hat man noch nicht genügend ermittelt; das Gußeisen ist eine Verbindung von Eisen mit veränderlichen Verhältnissen von Kohlenstoff: nach einigen Angaben kann sehr weiches Roheisen bis 15 Proc. Kohlenstoff enthalten, und solches Eisen eignet sich sehr schlecht oder gar nicht für den Hartguß. Die praktische Erfahrung ist gegenwärtig der einzige Führer, um die verlangte Wirkung hervorzubringen; in manchen Fällen wünscht man beim Schalenguß nur eine dünne harte Schicht zu erzielen, in andern Fällen soll dieselbe eine beträchtliche Tiefe erreichen; man kann auch wirklich diese Schicht von einer kaum bemerklichen weißen Linie bis zur Dicke von einem halben oder drei viertel Zoll erhalten, welche letztere bei den großen Walzen für das dünnste Eisenblech erforderlich ist. Der Stahl ist wie das Gußeisen eine Verbindung von Eisen mit Kohlenstoff, aber das Gußeisen enthält ohne Vergleich mehr Kohlenstoff als der Stahl. Ich will bei dieser Gelegenheit einen merkwürdigen Unterschied zwischen hart gegossenem Roheisen und Stahl anführen: wenn man den Stahl zum Rothglühen erhitzt und dann in kaltes Wasser taucht, so wird er außerordentlich hart; erhitzt man ihn dann wieder, so nimmt er seine ursprüngliche Weichheit wieder an; behandelt man hingegen hart gegossenes Roheisen auf diese Art, so behält es seine Härte bei.

Es ist bekanntlich sehr schwierig, sich Stahlmassen von gleichförmiger Dichte zu verschaffen, während man durch den Schalenguß leicht große Oberflächen von homogener Härte auf Gußeisen erzielen kann, was Veranlassung gab, den Hartguß bei den Zapfen der astronomischen Instrumente anzuwenden. Vor etwa vier Jahren wandte sich nämlich der k. Astronom Hr. Airy an mich und meine Compagnons wegen der Construction der mechanischen Theile eines neuen Meridiankreises von ungewöhnlicher Größe; die Zapfen desselben sollten aus einem Material angefertigt werden, welches einerseits so hart ist daß es der Abnutzung so gut als möglich widersteht, und andererseits so homogen daß die etwa erfolgende Abnutzung eine gleichförmige seyn muß. Diesen Bedingungen glaubten wir entsprechen zu können, wenn wir die Zapfen als Hartguß zusammenhängend mit dem in Sandformen gegossenen Körper der Achse herstellen, was auch mit dem besten Erfolg ausgeführt wurde. Die Zapfen dieses Instruments (welches jetzt auf der k. Sternwarte in Gebrauch ist) haben 6 Zoll im Durchmesser und die Horizontalachse ist beiläufig 6 Fuß lang; das Objectivglas des Fernrohrs hat 8 Zoll Oeffnung und etwa 11 Fuß Brennweite. Der k. Astronom hat sich durch die genaueste Prüfung überzeugt, daß keine Correction für die Gestalt der Zapfen erforderlich ist. (Aus einem Vortrag des Verfassers bei der Versammlung der brittischen Naturforscher zu Ipswich, durch das Civil Engineer's Journal, Juli 1851, S. 392.)

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