Titel: Farbige Tinten; von Carl Ohme.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 5 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi05_5

Farbige Tinten; von Carl Ohme.

Die vielfache Anwendung farbiger Tinten auf Post- und Steuerämtern macht gute Vorschriften dazu sehr wünschenswerth.

1) Blaue Tinte. Die bisher übliche blaue Tinte, aus einer Lösung von Pariserblau in Oxalsäure, ist zum Schreiben mit Stahlfedern völlig unbrauchbar, da sie sich in der Feder selbst während des Schreibens zersetzt. Außerdem findet man sehr häusig, daß sich manche Sorten von Pariserblau, selbst bei vorangegangener Digestion mit Salzsäure, in der Oxalsäure nicht auflösen.

Um nun eine blaue Tinte herzustellen, die auch für Stahlfedern brauchbar ist, verdünne man 1 Drachme und 20 Gran des Liquor ferri sesquichlorati der preußischen Pharmakopöe (Eisenchlorid) mit 8 Unzen destillirtem Wasser, löse außerdem 4 Drachmen Kaliumeisencyanür (Blutlaugensalz) in 8 Unzen destillirtem Wasser, und vermische beide Flüssigkeiten nach und nach, unter beständigem Umrühren. Den erhaltenen Niederschlag von Berlinerblau bringt man auf ein Papierfilter, läßt die Lauge vollständig ablaufen und wäscht dann den noch feuchten Niederschlag so lange mit destillirtem Wasser aus, bis er anfängt sich in dem ablaufenden Wasser mit prächtig blauer Farbe zu lösen. Man durchstößt dann das Filter und löst den ganzen Niederschlag in so viel destillirtem Wasser auf, daß zuletzt die ganze Menge der Flüssigkeit 24 Unzen beträgt.

Grüne Tinte. Noch unzweckmäßiger und mangelhafter sind die bisherigen Vorschriften zur Bereitung grüner Tinten. Eine recht gute grüne Tinte erhält man auf folgende Weise. Eine Drachme fein geriebenes Gummigutt reibt man durch allmähliches Zusetzen mit 1 Unze obiger blauer Tinte zusammen; man erhält auf diese Weise eine Tinte, die allen Anforderungen entsprechen wird. Ein Zusatz von arabischem Gummi ist weder bei der blauen, noch bei dieser grünen Tinte vortheilhaft oder zulässig.

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3. Rothe Tinte. Bekannter sind schon gute Vorschriften zur Bereitung rother Tinten; für diejenigen jedoch, die eine solche noch nicht besitzen, will ich ebenfalls hier eine Bereitungsweise beschreiben.

Man nimmt 6 Drachmen gutes Cochenillepulver, 1½ Unze gereinigtes kohlensaures Kali und 16 Unzen destillirtes Wasser, macerirt diese Substanzen zwei Tage hindurch in einer Porzellanschale. Dann setze man hinzu 4½ Unzen gereinigten Weinstein und 3 Drachmen Alaun, erhitze die Flüssigkeit so lange, bis alle Kohlensäure entwichen ist, filtrire die Flüssigkeit durch Fließpapier und wasche die auf dem Filter bleibenden Salze mit 1½ Unzen destillirtem Wasser aus. Der ganzen Flüssigkeit wird dann noch, um das Verderben zu verhüten, 1 Unze Alkohol zugesetzt. Nach der Größe des Verbrauchs löst man in 16 Unzen dieser rothen Flüssigkeit 6 Drachmen arabisches Gummi auf.

So empirisch diese Vorschrift auch scheinen mag, so liefert sie doch ein ausgezeichnetes Präparat, das ohne Gummizusatz zum Färben von Liqueuren, zur Darstellung rother Pomaden u. s. w. sehr zweckmäßig zu verwenden ist. (Arch. der Pharm. Bd. CXVII S. 78)

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