Titel: Schutz der Arbeiter in Zündhölzchenfabriken gegen Krankheit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 9 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi05_9

Schutz der Arbeiter in Zündhölzchenfabriken gegen Krankheit.

Der bei der Darstellung der Phosphorhölzchen sich entwickelnde Rauch ist die Ursache jener Krankheit der Zähne und Kinnbacken, welche schreckliche Verheerungen unter den Arbeitern der Zündhölzchenfabriken anrichtet.

Es wird daher am Orte seyn, den HHrn. Fabrikanten Nachstehendes zur Beachtung zu empfehlen.

Legt man Phosphor in die Luft, so stößt er dicke weiße Dämpfe aus. Es bildet sich phosphorige Säure Ph. O3, welche Feuchtigkeit aus der Luft anzieht und in Phosphorsäure und Phosphorwasserstoffgas zerfällt. Ist nun schon phosphorige Säure (in Bezug auf ihre Wirkungen sehr nahe mit der arsenigen Säure verwandt) als sehr gesundheitsschädlich zu betrachten, so ist es in noch weit höherem Grade das Phosphorwasserstoffgas. Dieses Gas nun ist es, welches jene schreckliche Krankheit der Zündhölzchenfabriken erzeugt. Verhindert man das Rauchen des Phorphors, d. i. die Bildung der phosphorigen Säure, so wird man nicht nur trockene Hölzchen erhalten und weniger Phosphor brauchen, sondern auch jene Krankheit von seiner Fabrik fern halten. Denn einmal ist die Entstehung jenes Rauches mit nicht geringem Verlust an Phosphor verbunden, und zweitens ziehen jene Oxydationsproducte Wasser aus der Luft und machen die Hölzchen feucht und schwer entzündlich.

Das Rauchen des Phosphors hört auf, wenn man einige Tropfen Terpenthinöl neben denselben bringt; ja die Wirkungen des Terpenthinöldampfes sind so mächtig, daß die Gegenwart von 1 Theil Terpenthinölgas in 4400 Theilen Luft das Rauchen, resp. die Bildung der phosphorigen Säure vollständig verhindert. Diese Wirksamkeit mag wohl auch durch die Verwandtschaft zum Sauerstoffe unterstützt werden. Es bildet sich nämlich aus Terpenthin und Sauerstoff durch Oxydation Colophon und aus schwefliger Säure — Schwefelsäure. Diese nehmen also den Sauerstoff für sich in Beschlag und so kann sich der Phosphor nicht oxydiren.

Wende man dieß praktisch an:

Man verreibe den Phosphor nicht mehr in offenen Gefäßen mit dem Leim, sondern in einem höchst einfachen und billigen Fasse. Durch ein Faß geht eine senkrechte Achse mit vier wellenförmig gebogenen Schaufeln, die auf dem Boden des Fasses aufstreichen. Im Deckel ist eine keilförmige, sich nach innen öffnende Klappe zum Beschicken des Fasses angebracht. Man bringe nun in das Faß eine heiße, doch nicht mehr kochende (48° Reaum.) Leimlösung aus 6 Pfund Leim, 8 Pfund Wasser und 2 Pfund Urin. Brenne hierauf einen Schwefelfaden im Fasse ab, oder setze noch besser, 2 Loth Terpenthinöl zu. Hierauf bringe man den Phosphor in das Faß, verschließe die Oeffnung im Deckel und bewege eine Kurbel an der Achse der gebogenen Schaufeln eine Viertelstunde, so daß die Masse ziemlich erkaltet, dann setze man noch ein Pfund feingeschlämmten Sand oder auch Braunstein zu.

Auf diese Art bildet sich nicht die Spur phosphoriger Säure und somit kann auch von Phosphorverlust und Feuchtwerden der Hölzchen ebensowenig die Rede seyn. als von der Bildung des Wasserstoffgases, da beim Trocknen der Hölzchen das Terpenthinöl |397| verdampft und die Luft damit angeschwängert, die spätere Bildung der erwähnten Gase nicht zuläßt. Zur Unterstützung der Wirkung stelle man in die Arbeits- und Trockenräume Teller mit Chlorkalk, der dieselbe Wirkung, obwohl aus anderem Grunde hat, oder Terpenthinöl. Der Zusatz von Urin ist deßhalb, weil sich Phosphor in Urin ungleich schneller und feiner vertheilt als in Wasser, und von der feinen Zertheilung desselben die leichte Entzündlichkeit abhängt. Die Zusätze von chlorsaurem Kali, Mennige, Braunstein, Salpeter, sind theils schädlich, theils unnöthig und werden besser durch Sand ersetzt. Will man sie jedoch nehmen, so setze man sie eben dann zu, wenn die Masse fast erkaltet ist. O. M. (Deutsche Gewerbezeitung, 1851, 6tes Heft.)

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