Titel: Selbstthätige Maschinen zum Paginiren von Büchern und Numeriren von Documenten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 2 (S. 462–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi06_2

Selbstthätige Maschinen zum Paginiren von Büchern und Numeriren von Documenten.

Maschinen dieser Art sind jetzt in England in ziemlich ausgedehntem Gebrauche, da sie dem Kauf- und Gewerbsmann große Zuverlässigkeit bei dem fortlaufenden Paginiren der Rechnungs- und anderen Handlungsbücher bieten. Auf der Londoner Industrie-Ausstellung sind zwei Maschinen dieser Art in Thätigkeit. Die erste von Waterlow und Sohn besitzt einen aus fünf Scheiben bestehenden Numerirungsapparat, welche an ihrem Umfange mit den zehn fortlaufenden Zahlzeichen 0, 1, 2, 3 .... 8, 9 versehen sind. Diese erhabenen Figuren dienen wie Buchdruckerlettern dazu, die verlangten Zahlen zu drucken. Die Scheiben stecken auf dem äußern Ende eines auf- und niederschwingenden Rahmens oder Armes an einer horizontalen Welle, auf welcher die erste oder Einerscheibe permanent festgekeilt ist. Die vier übrigen Scheiben, welche zum Drucken der Zehner, Hunderte, Tausende und Zehntausende dienen, stecken lose an dieser Welle, so daß sie sich keinesweges zu drehen brauchen, wenn die Welle rotirt. Diese letztern vier Scheiben werden jede verschiedentlich bewegt und zwar so, daß die Zehnerscheibe ein Zehntel einer Umdrehung macht, nachdem die Einerscheibe eine volle Umdrehung gemacht hat; die Hunderterscheibe macht eine Zehntelumdrehung, nachdem die Zehnerscheibe eine Umdrehung vollbracht hat u. s. f. Indem die Scheiben jedesmal nach dem Drucken einer Zahl sich von dem Papiere erheben, wird die Einerscheibe um eine Zehntelumdrehung fortgeschoben, so daß die zunächst zu druckende Zahl um eine Einheit größer wird, als die nächst vorhergehende. Diese Bewegung wird durch eine Schubstange oder Klinke bewirkt, welche in die Zähne eines am linken Ende der Scheibenwelle steckenden Klinkrades eingreift. Die Bewegung der übrigen Scheiben wird absatzweise oder in Intervallen durch eine Federklinke hervorgebracht, welche an der Seitenfläche der Einerscheibe befestigt |463| ist und mit dieser rotirt. In dem Augenblicke, wo die Einerscheibe eine ganze Umdrehung vollendet hat, wird nämlich diese Federklinke durch einen Vorsprung an der innern Fläche des oscillirenden Rahmens gehoben und hinter eines der erhabenen Zahlzeichen der Zehnerscheibe gebracht, so daß diese letztere bei der nächsten Bewegung der Einerscheibe um eine Zehntelumdrehung mit fortbewegt wird. Da jedoch sodann die Federklinke außer Berührung mit dem erwähnten Vorsprunge kommt, so findet eine weitere Aenderung der Zehnerzahl nicht eher statt, als bis die Einerscheibe abermals eine volle Umdrehung zurückgelegt hat. Sobald die Zehnerscheibe einmal sich herum gedreht hat, schiebt die Federklinke die Hunderterscheibe um eine Zehntelumdrehung fort, und in ähnlicher Weise erfolgt auch die Bewegung der übrigen Scheiben zu geeigneten Zeiten. Die Welle wird an aller Drehbewegung verhindert, außer wenn ein Schiebkegel oder Klinke durch eine Feder in die Einschnitte am Umfange einer Scheibe, welche am rechten Ende der Welle befestigt ist, eingreift. Auf diese Weise werden die Scheiben während des Numerirens stillgehalten und ein klarer und richtiger Abdruck der Zahlzeichen gesichert. Die Blätter des zu paginirenden Buches werden auf einen erhöhten, mit vulcanisirtem Kautschuk überzogenen Theil des Tisches der Maschine gelegt; sobald eine Seite paginirt worden ist, wird das Blatt durch einen die Maschine bedienenden Arbeiter umgewendet, um den Druckscheiben bei ihrem nächsten Niedergange eine neue Seite darzubieten. Der zum Schwärzen der Druck- oder Zahlenscheiben dienende Apparat besteht aus drei, in einem oscillirenden Rahmen aufgelagerten Walzen, welche in gegenseitiger Berührung umlaufen, um die Schwärze, die der ersten Walze zugeführt wird, gleichförmig auf der dritten oder Schwärzwalze zu vertheilen. Während die Zahlscheiben nach Numerirung einer Seite steigen, geht der Schwärzapparat nieder und schwärzt die Zahlzeichen, welche beim Drucken der nächsten Zahl zur Wirkung gelangen sollen. Auf solche Weise können Bücher oder Documente mit fortlaufenden Zahlen versehen werden.

Zum Drucken doppelter Zahlensätze, wie z. B. für die Bücher von Bankiers, besitzt Waterlow's Maschine eine einfache und sinnreiche Vorrichtung. Diese besteht in der Anwendung noch eines Klinkrades, auf welches die Schiebklinge wirkt, welche das oben erwähnte Klinkrad bewegt; beide Klinkräder haben gleichviel Zähne, der Durchmesser des additionellen Rades ist jedoch größer gemacht, um die Zähne so gestalten zu können, daß die Schiebklinke außer Berührung mit jedem alternirenden Zahne des ersten Rades erhalten wird. Das Arrangement der Zahlenscheiben bleibt somit ungeändert und sie bewirken bei ihrem nächsten Niedergange einen abermaligen Abdruck der vorher gedruckten Zahl. Beim nächsten Aufgang des Numerirungs-apparates jedoch wirkt die Klinke auf einen Zahn beider Klinkräder und bewegt beide um den zehnten Theil einer Umdrehung fort; da ferner die Welle an den Bewegungen des ersten Klinkrades Theil nimmt, so kommt eine neue Nummer zum Vorschein.

Die von Schlesinger und Comp ausgestellte Paginirungsmaschine ist in ihren Leistungen der so eben beschriebenen ähnlich, erreicht jedoch denselben Zweck auf etwas verschiedene Weise. Die Zahlscheiben sind in diesem Falle mit zehn Zähnen versehen; auf dem Kopfende jedes Zahnes befindet sich ein erhabenes Zahlzeichen. Die Bewegung der Scheiben erfolgt durch Zahnräder, welche unter ersteren auf demselben Rahmen aufgelagert sind. Bei jedem Niedergange des Rahmens schiebt eine stationäre Hakenfeder das Rad um einen Zahn weiter, welches in die Zähne der Einerscheibe eingreift. Hierdurch wird eine neue Zahl hervorgebracht. Die Zahnräder sind etwas schmäler als die Zahlscheiben, ein Zahn jedes Rades jedoch verbreitert sich bis zu ungefähr der doppelten Größe der übrigen Zähne, so daß bei Vollendung einer Umdrehung des ersten Zahnrades der seitlich vorstehende Zahn auf einen Zahn an der nächsten Scheibe trifft und dieselbe um eine Zehntelumdrehung mitnimmt. In dieser Weise werden alle erforderlichen Bewegungen der Zahlscheiben hervorgebracht; das erste Rad treibt die erste Scheibe und theilt der zweiten in Intervallen eine Bewegung mit, die übrigen Räder dagegen empfangen, in Intervallen, jedes Bewegung von derjenigen Scheibe, mit welcher sie in Eingriff stehen und pflanzen in noch größeren Zeitintervallen die Bewegung auf die nächste Scheibe fort.

Das Drucken der Zahlen im Duplicate wird bei der Schlesinger' schen Maschine dadurch bewirkt, daß die Hakenfeder bei jedem zweiten Niedergange des Rahmens |464| außer Thätigkeit gesetzt und somit eine Aenderung der Zahlzeichen bis zum nächstfolgenden Abdrucke verhindert wird. — Schlesinger's Maschine gestattet ferner die Zahlen bei jedem Abdrucke um zwei Einheiten wachsen zu lassen, so daß man lauter gerade oder ungerade Zahlen drucken kann. Dieß wird sehr einfach dadurch erreicht, daß man eine zweite Klinke zur Wirkung bringt, welche die Einerscheibe während des Aufganges des Rahmens um einen Zahn fortschiebt, wozu dann noch das Vorrücken um einen weitern Zahn beim Niedergehen desselben kommt. (Aus dem London Journal, Juni 1851, durch das polytechn. Centralblatt, 1851, Lief. 17.)

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