Titel: Ueber mineralischen Indigo.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 5 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi06_5

Ueber mineralischen Indigo.

Die prächtig blaue Verbindung, welche man beim Zusammenbringen von Molybdänsäure und ihren Salzen mit reducirenden Körpern, wie Zink, Zinn, Eisen und manchen organischen Stoffen erhält, hat längst den Wunsch der Techniker erregt, dieselbe auf Zeuge übertragen zu können, aber alle Versuche der Art scheiterten an der Schwierigkeit das Pigment in voller Reinheit, in einem zweckmäßigen Lösungsmittel und in einem beliebigen Grade der Concentration zu erhalten. Neuere Untersuchungen über das Molybdän haben uns mit einer anderen gefärbten Verbindung der Molybdänsäure bekannt gemacht, welche dem angedeuteten Zwecke nicht allein vollkommen entspricht, sondern auch manche Vortheile für den Zeugdruck gewährt, welche in den Händen eines Technikers von bedeutender Wichtigkeit werden können.

Fällt man aus einem molybdänsauren Alkali nach vorherigem Zusatz eines phosphorsauren Salzes die Molybdänsäure mittelst Salzsäure, so erhält man dieselbe in Form eines zarten, lebhaft zitrongelben, in Wasser schwer löslichen Pulvers, dessen Farbenton durch Zusatz einiger Tropfen Salpetersäure bedeutend erhöht wird. Dieser Körper ist im wesentlichen Molybdänsäure mit geringen Mengen von phosphorsaurem Alkali. Caustische und kohlensaure Alkalien lösen das ausgewaschene und getrocknete Pulver mit Leichtigkeit zu einer klaren Flüssigkeit, aus welcher Säuren es unverändert wieder fällen. Beizt man ein Stück Zeug in einer Auflösung desselben in |466| Soda und bringt es in ein warmes Säurebad von einer Concentration, daß die Faser davon nicht verändert wird, so schlägt sich das gelbe Pigment darauf nieder; es lassen sich auf diese Weise eine Menge gelber Farbentöne, namentlich auf Seide, von großer Reinheit erzeugen.

Die Empfindlichkeit des gelben Pulvers gegen Metalle und reducirende Metallösungen ist außerordentlich und eine wahre Farbenquelle zu nennen. Reibt man eine kleine Menge des Pulvers mit einem Korkpfropfen, am besten unter Zusatz einer Spur Salzsäure auf einem blanken Zinnstücke auf, so erhält man alle Farben, die zwischen Gelb und tiefstem Blau möglich sind. Beim ersten Contacte mit Zinn wird sogleich ein kleiner Theil der Molybdänsäure reducirt, es bildet sich blaues molybdänsaures Molydänoxyd, welches mit dem Ueberschuß der gelben Verbindung zu einem leichten Grün zusammentritt; mit der fortschreitenden Reduction wird auch die grüne Farbe immer mehr vorherrschend, bis sie sich endlich in Blau verwandelt und zuletzt, wenn alle Molybdänsäure reducirt ist, in ein tiefes Schwarz übergeht.

In dem Angegebenen ist die Behandlung der zu färbenden Zeuge schon angedeutet; der aus dem Säurebad genommene Zeug wird ausgewaschen und in ein Bad von Zinnchlorür gebracht, in welchem er sich fast augenblicklich, je nach der Menge des in Auflösung befindlichen Zinns, heller oder tiefer blau färbt — in schon erschöpften Zinnlösungen tritt eine grüne Färbung ein. Das auf der Faser niedergeschlagene Blau und Grün ist sowohl in Wasser als in schwachen Laugen unlöslich und kann durch zweckmäßige Behandlung noch bedeutend geschönt werden.

Ich gebe hier noch einige Andeutungen über die Vortheile, welche die Molybdänsäure für den Farbendruck gewährt. Es ist nicht ohne Schwierigkeit, reine blaue Muster auf gelbem Grunde zu erzeugen: eine mit Zinnchlorür benetzte Druckform liefert diese Muster auf einem mit dem gelben Farbstoff gebeizten Zeuge in größter Reinheit. In ähnlicher Weise lassen sich auf blau ausgefärbten Zeugen kleinere Muster im lebhaftesten Gelb hervorbringen. Das Molybdän, welches früher zu den selteneren Mineralien gehörte, bricht jetzt in mehreren Districten des Alpengebietes in beträchtlichen Mengen in der Form von molybdänsaurem Bleioxyd (Gelbbleierz) — namentlich empfiehlt sich das aus dem Bergwerke des Hrn. Commissär Biebel zu Garmisch durch seine Reinheit. Bei dem wohlfeilen Preise des Rohmateriales, bei der außerordentlich tingirenden Kraft der blauen Verbindung, bei dem einfachen Verfahren, namentlich den Vortheilen für Zeugdruck, möchte die Molybdänfärberei die weit umstädlichere Indigoküpe in manchen Fällen zu ersetzen im Stande seyn.

Was die Vorschriften zur zweckmäßigsten Darstellung der gelben phosphorsäurehaltigen Molybdänsäure betrifft, welche sich jedes Etablissement aufs Leichteste selbst darstellen kann, sowie noch manche andere Vortheile, welche die Einführung des Verfahrens bietet, so ist zu deren specieller brieflicher Mittheilung auf Anfragen bereit

Dr. Franz Keller in Speyer.

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