Titel: Die Bereitung des Camphins für Lampen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 121/Miszelle 6 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj121/mi121mi06_6

Die Bereitung des Camphins für Lampen.

Schon der Name „Camphin“ erinnert den Chemiker an das Wort „Camphen“, womit die Wissenschaft das Terpenthinöl als den Typus einer gewissen Reihe von gleichartig zusammengesetzten ätherischen Oelen bezeichnet. In der That verhält sich auch das im Handel vorkommende Camphin bei der Prüfung, in Farbe, Geruch und Geschmack, specifischem Gewicht u. s. w. ganz wie reines Terpenthinöl. Wird das ungereinigte, rohe Terpenthinöl in eine Camphinlampe gegeben, so brennt dasselbe eine kurze Weile ganz vortrefflich als Camphine. Dann aber, nach 1 bis 2 Stunden, verharzt sich der Docht, die Flamme wird trüb, brennt in einzelnen Spitzen und wirft, wenn der Docht nachgeschraubt wird, Ruß aus. Die einfache Lehre dieses Verhaltens ist, daß das Terpenthinöl zu seiner Verwendung als Brennstoff, vom Harz- und Säuregehalt gereinigt werden muß. Zu diesem Zweck schreiben die chemischen Lehrbücher vor. daß Terpenthinöl mit dem achtfachen Gewichte Wasser zu destilliren und den dritten Theil des rohen Oels in der Destillirblase zurückzulassen; ein Verfahren, das ganz geeignet wäre, die neue Beleuchtung wegen übergroßer |467| Vertheuerung des Materials unmöglich zu machen. Die große Menge Wasser beim Destilliren, und der Verlust eines Drittels Oel soll verhüten, daß das überdestillirende Oel nicht ebenfalls wieder harzig wegen des mechanischen Ueberführens der Harztheile durch die Wasserdämpfe werde. Dieser Umstand wird jedoch für die Camphinbereitung durch Zusatz von gelöschtem Kalk (Kalkhydrat) beseitigt, welcher sich mit dem Harz des Oels verseift, und dasselbe auf diese Weise völlig fixirt. Nach folgender Vorschrift wird die Bereitung des Brennstoffs für Camphinlampen unter allen Umständen aufs Beste gelingen.

Gleiche Gewichtstheile Wasser und rohes Terpenthinöl werden in einer gewöhnlichen kupfernen Destillirblase, die davon nicht über zwei Drittel angefüllt seyn darf, mit dem hundertsten Theil der ganzen Mischung frisch gelöschtem Kalk vermengt, und, nachdem der Helm aufgesetzt und die Fugen mit Lehm verstrichen worden, mittelst Holzfeuerung überdestillirt, bis alles Oel in die vorgelegte Glasflasche übergegangen ist. Vei gleichen Gewichtstheilen Wasser und Oel bleibt in diesem Falle noch etwa 1/10 Wasser zurück. Die überdestillirte Flüssigkeit besteht aus zwei Schichten, deren obere das Camphin, in eine andere Flasche abgegossen und mit einem Glasheber bis auf den letzten Tropfen von dem untenstehenden Wasser abgenommen wird.

Die noch etwas trübe Flüssigkeit wird mit Löschpapier, etwa zwei bis drei Bogen auf 10 Pfund, geschüttelt, bis sie vollkommen wasserhell ist, und zuletzt filtrirt. Man erhält auf diese Weise von 100 Pfund rohem Terpenthinöl. 90 bis 95 Pfund bestes Camphin, welches stets in wohlverkorkten Flaschen oder Ballons aufbewahrt werden muß, weil es bei längerer Aufbewahrung (in offenen Gefäßen) an Qualität verliert.

Bei der Benutzung der Camphinlampen muß auf einen Punkt vorzüglich aufmerksam gemacht werden, nämlich auf die Behandlung des Dochtes. Es erfordert die strengste Aufmerksamkeit, daß der Docht nicht an einer Stelle mehr aus dem Behälter hervorrage, was durch ungleiches Abschneiden oder durch einen Fehler in der Schraube geschehen kann. Wenn die Flamme in einzelnen Spitzen brennt, statt einen runden, ruhigen Lichtkörper zu bilden, so wirft dieselbe auch alsbald Ruß aus, und zwar in sehr großer Menge; bei diesem Uebelstande consumirt die Lampe überdieß noch leicht über die Hälfte mehr Brennstoff. Dieses heftige Rußen der Camphinlampen hat schon manche abgeschreckt; wir können aber die bestimmteste Versicherung geben, daß eine nur mit einiger Aufmerksamkeit behandelte Camphinlampe niemals auch nur eine Spur Ruß absetzen kann, wenn der Docht nicht ungleich oder zu hoch geschraubt, und der Luftzug der Lampe nicht gehemmt ist. Das ist aber das Treffliche bei der Sache, daß das gereinigte Terpenthinöl, vulgo Camphin, sich vollständig und ohne Stoffverluft beim Entzünden in der Lampe zu einem brennenden Gasstrom auflöst, was durch die chemische Zusammensetzung des Terpenthinöls leicht erklärlich ist. (Deutsche Gewerbezeitung, 1851,S. 15.)

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