Titel: Ueber die Anwendung der Gutta-percha zur Anfertigung künstlicher Gebisse; von Hrn. Delabarre.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 122/Miszelle 9 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj122/mi122mi03_9

Ueber die Anwendung der Gutta-percha zur Anfertigung künstlicher Gebisse; von Hrn. Delabarre.

Bei den künstlichen Gebissen kann der den Zahnhöhlenbogen darstellende Theil aus sehr verschiedenen Substanzen gemacht werden, die aber alle ihre Uebelstände haben. Wählt man Metall hierzu, so wird der ganze Apparat schwerfällig und erst nach vielen Versuchen gelingt es ihm eine Form zu geben, welche sich den Unregelmäßigkeiten des Zahnfleisches so anpaßt, daß eine gleichmäßige Vertheilung des Drucks auf den Kinnbacken stattfindet. Nimmt man teigartige Porzellanmasse oder ähnliche Pasten, so hat man zwar weniger Schwierigkeiten bezüglich des Abformens der Kinnladenränder; allein es bleibt noch der Uebelstand des großen Gewichtes mit dem des großen Volums verbunden, weil es einem Apparat mit sehr dünnen Theilen an der nothwendigen Festigkeit fehlen würde. Garnituren aus Elfenbein, Nilpferdzähnen und Wallroßzähnen sind zwar leicht, ohne zerbrechlich zu seyn; allein die Anschmiegung bleibt immer eine schwierige Arbeit und, was noch viel schlimmer ist, diese Substanzen werden vom Speichel und von den Speisen und Getränken angegriffen; ihre Oberfläche wird nach einiger Zeit runzelig und reizt das Zahnfleisch; auch nehmen sie, trotz der sorgfältigsten Reinhaltung, nach einiger Zeit einen üblen Geruch an, welchen sie dem Athem mittheilen.

Die Gutta-percha ist von allen diesen Mängeln frei und Versuche haben bewiesen, daß sie nach langem Liegen in Flüssigkeiten, welche schärfer sind als diejenigen womit sie vorübergehend im Munde in Berührung kommt, keine Veränderung erleidet.

Auf 80° R. erhitzt, wird die Gutta-percha so weich, daß sie einen genauen Gegenabdruck von einer Art Matrize gibt, in welche man sie unter geeignetem Drucke preßt. Diese Matrize, welche man durch einen doppelten Gypsabguß erhält, stellt |240| genau die Zahnhöhlenwand dar. In dem so hergestellten Zahnhöhlenbogen befestigt man mittelst warm angelegter metallener Beschläge entweder natürliche oder aus Porzellanmasse verfertigte Zähne. Noch ist zu bemerken, daß man die Gutta-percha, bevor sie geformt wird und während sie sich noch in weichem Zustande befindet, dauerhaft zahnfleischfarbig färbt. (Comptes rendus, August 1851, Nr. 5.)

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