Titel: Ueber die Bereitung des Rosenöls im Orient; von Landerer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 122/Miszelle 8 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj122/mi122mi05_8

Ueber die Bereitung des Rosenöls im Orient; von Landerer.

Die Pharmakognosten unterscheiden zweierlei Sorten Rosenöls, arabisch Giel Sejin oder Atar, das indische und das levantische. Beide werden aus verschiedenen Rosenarten bereitet, vorzüglich aus der Rosa damascena, R. moschata, R. sempervirens und R. centifolia. Die Bereitungsart ist ebenfalls verschieden. In Indien werden die frischen Rosenblätter mit Wasser übergossen und das Gemenge der Sonnenhitze ausgesetzt. Das in Folge einer Gährung sich ausscheidende Oel schwimmt auf der Oberfläche, wird mittelst Baumwolle vom Wasser abgenommen und die Baumwolle ausgedrückt. Auch durch Destillation mit Wasser wird es gewonnen, wo dann das mit dem Oel gesättigte Wasser einige Nächte hindurch in weiten Schüsseln an einen kühlen Ort gestellt wird, worauf sich das Oel abscheidet und, wie angegeben, abgenommen wird.

In China werden die frischen Rosenblätter mit den ölreichen Samen einer Digitalis-Art, D. Sisama, geschichtet und nach mehrtägiger Maceration scharf ausgepreßt. Das Rosenöl wird alsdann durch Destillation vom fetten Oel getrennt.

Diesen Bereitungsmethoden füge ich noch folgende bei, welche vorzüglich in Damaskus üblich seyn soll, und mir von einem Manne erzählt wurde, der sich daselbst und in andern Theilen Kleinasiens Jahre lang mit der Darstellung von Rosenöl und Rosenwasser beschäftigt hat. Um nämlich das Oel, nicht wie bei der gewöhnlichen Destillation in Form eines Stearoptens in kleinen weißen Blättchen, sondern flüssig, klar und durchsichtig zu erhalten, wie es im Handel vorkommt, werden die des Morgens vor Sonnenaufgang gesammelten, von ihren Kelchen und andern grünen Theilen befreiten Rosenknospen einer Art trockener Destillation unterworfen, und zwar auf die Weise, daß man große Kolben mit aufsitzenden Helmen, welche gegen 30 bis 50 Pfd. Rosenknospen fassen (und aus den Glasfabriken von Konstantinopel oder Alexandria kommen) damit anfüllt, in ein Salzbad stellt und vollkommen in wollene Tücher einwickelt, um die Hitze so sehr als möglich zu steigern, wobei jedoch kein Anbrennen stattfinden kann. Die Destillation wird so lange fortgesetzt, als noch Flüssigkeit übergeht, oder bis diese eine braune Farbe zeigt. Das größtentheils aus Rosenöl bestehende Destillat wird von der sehr gefärbten wässerigen Flüssigkeit geschieden, mit Salzwasser zu wiederholtenmalen zusammengeschüttelt, wodurch es eine hellere Farbe erhalten soll, davon durch Abgießen getrennt und in die für den Verlauf bestimmten, mit Gold verzierten Gläser gefüllt, welche man noch in weißblechene Büchsen steckt und unter dem Namen Giel Jaghi nach Konstantinopel und auf die Bazars des Orients schickt.

In Griechenland wird das Rosenwasser (und Aq. Naphae) größtentheils aus Chios bezogen, wo es eine Menge Destillateurs gibt. In einem aus Smyrna bezogenen Rosenöl, welches dem Wasser nicht den gehörigen Geruch mittheilte, und das ich deßwegen für verfälscht hielt, fand ich bei der Untersuchung wirklich Wallrath. (Aus Buchner's Repertor. der Pharmacie, 3te Reihe Bd. IX und Journal de Pharmacie, Octbr. 1851.)

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