Titel: Kobell, über Bildung galvanischer Kupferplatten für die Galvanographie.
Autor: Kobell, Franz
Fundstelle: 1852, Band 123, Nr. XXXIV. (S. 197–219)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/ar123034

XXXIV. Ueber die Bildung galvanischer Kupferplatten, vorzüglich zum Zweck der Galvanographie, mittelst des Trommelapparates; von Prof. Franz v. Kobell.

Aus den Abhandlungen der k. bayr. Akademie d. W. II. Cl. VI. Bd. II. Abth.

Es sind nun eilf Jahre, seit ich der königl. Akademie die ersten Versuche der Galvanographie vorgelegt habe.37) Was jene Versuche versprochen haben, das hat die Zeit erfüllt; es ist diese Kunst ins praktische Leben übergegangen und wird gegenwärtig hier in München mit so bedeutendem Erfolge ausgeübt, daß zwei der größeren Kupferdruckereien fast fortwährend mit galvanographischen Platten beschäftigt sind.

Die Künstler, welche die bedeutendsten Arbeiten geliefert haben, sind die HHrn. Schöninger und Hanfstängl, und es gebührt vorzüglich dem Hrn. Schöninger das Verdienst, die Anwendung der Roulette und die Kreidezeichnung für die Galvanographie eingeführt und ausgebildet zu haben.

Beide Künstler bedienen sich zur Anfertigung der Platten des Trommelapparates; zum Copiren wendet Hr. Hanfstängl auch mit Vortheil den getrennten Apparat an, wobei, wie ich es in meiner Galvanographie beschrieben, die Zinkplatte der Trommel und die darunter befindliche Kupferplatte durch Leitungsbleche (welche breiter als gewöhnlich genommen werden können) mit Kupferplatten verbunden sind, |198| welche in einem getrennten Kasten in Kupfervitriol eingesenkt vertical oder horizontal einander auf etwa 2 Zoll Entfernung gegenüberstehen, und wo dann diejenige Kupferplatte, welche mit der Kupferplatte des Trommelapparates verbunden ist, aufgelöst, die mit dem Zink verbundene aber mit Kupfer belegt wird.

Dabei wird in beiden Kasten der Kupfervitriol zersetzt, und können also zwei Platten zu gleicher Zeit gebildet werden, doch geht es langsamer als bei Anwendung des nicht getrennten Trommelapparates. Es hat übrigens jener Apparat einige Vortheile, und diese beruhen vorzüglich darin, daß zum Auflösen alte Kupferplatten gebraucht werden können, daß man die zu copirende Platte horizontal über die sich auflösende auf einen Rahmen, die Bildseite nach unten, legen, und also vor niederfallender Unreinigkeit schützen kann, und daß man nur eine Trommel nöthig hat.

Welcher Art dieses Apparates man sich aber bedienen mag, so ist die Regelung des galvanischen Stromes eine wesentliche Bedingung, um cohärente Kupferplatten von solcher Zähigkeit und Biegsamkeit zu erhalten, daß sie beim Abnehmen und bei den Manipulationen des Druckes nicht brechen, und in der Masse so homogen sind, daß beim Aetzen, Graviren etc. keine Fehler sich zeigen.

Es kommen dabei folgende Punkte in Betracht:

1) Die Auflösung des Kupfervitriols als Fällungsflüssigkeit, die zweckdienlichen Beimischungen derselben, die Veränderungen, welche die Flüssigkeit während des Processes erleidet, und die Correctionen, welche mit einer bereits gebrauchten vorzunehmen sind.

2) Die Trommel (das Diaphragma) und die Erscheinungen beim Wechsel der Flüssigkeiten in und außer derselben.

3) Die Erregungsflüssigkeit und ihre Veränderungen.

4) Das Zink und seine Veränderungen.

5) Die Verbindung der Platten, das Schließen der Kette, Messen des galvanischen Stromes, die Einflüsse auf die Quantitäten des abgelagerten Kupfers durch Temperatur etc.

Ich habe, um ein möglichst vortheilhaftes praktisches Verfahren der Kupferbildung für die Galvanographie fest zu stellen, eine Reihe von Versuchen über die betreffenden Punkte unternommen, die ich im Folgenden mittheile. Ich füge einige Bemerkungen bei über die Versilberung, die Beseitigung der Luftblasen, das Anfertigen der Bilder und über eine neue Methode in Kupfer zu ätzen.

|199|

I.

Wird Kupfervitriol bei gewöhnlicher Temperatur in Brunnenwasser aufgelöst, so hat die Auflösung im Durchschnitt 21°- 22° Baumé. Wenn man solche Auflösung im Sieden bereitet, so hat sie nach dem Erkalten 22 1/4° B., man kann sie aber auf 24° bringen, wenn man die noch warme Auflösung mit Wasser bis 26° B. verdünnt, und dann erkalten läßt.

Am zweckmäßigsten geschieht die Auflösung bei gewöhnlicher Temperatur in der Art, daß man die Kupfervitriolkrystalle in leinene Säcke bringt und diese in dem Wasser oder der zu sättigenden Flüssigkeit so aufhängt, daß die Säcke nur etwa eine handbreit in die Oberfläche eintauchen.

Zu einer ersten Auflösung kann man auch Wärme anwenden, wenn aber ein gebrauchter Vitriol neuerdings zu sättigen ist, so ist es besser die Auflösung ohne Wärme in der angeführten Weise zu bewerkstelligen, weil, abgesehen von dem Umstande, daß Kessel, Oefen etc. nöthig würden, die Concentration durch Verdampfen des Wassers und das damit verbundene Auskrystallisiren mancherlei Uebelstände mit sich bringt.

Wird solcher Kupfervitriol bei Anwendung des Trommelapparates als Fällungsflüssigkeit gebraucht, so erhält man nur Kupfer von mittlerer Qualität. Ich unterscheide nämlich dreierlei Qualitäten galvanisches Kupfer. Von der besten Qualität ist es, wenn ein Blech von Papierdicke (von 24 Stunden) sich vollkommen umbiegen, wieder auf- und nach der entgegengesetzten Seite umbiegen läßt, ohne zu brechen. Mittelgut ist das Kupfer, wenn sich ein solches Blech nach einer Seite vollkommen umbiegen läßt, beim Aufbiegen aber bricht. Spröde ist es, wenn es schon beim Umbiegen nach einer Seite bricht. Diese Verschiedenheiten beruhen übrigens nur in der Art der Aggregation der präcipitirten Kupfertheilchen oder Krystalle, denn die Analyse zeigt für geschmeidiges und sprödes Kupfer keine Differenz.

Man kann die Qualität des Kupfers bei übrigens geeignet gutem Apparate verbessern, wenn man die Vitriolauslösung mit andern Salzlösungen oder auch mit freier Schwefelsäure mischt. Ich habe früher vorzüglich Zusätze von Glaubersalzauflösung angewendet, ziehe aber gegenwärtig Zusatz von freier Schwefelsäure vor, denn hiebei hat man den Vortheil, den Gehalt dieser Schwefelsäure in einem zu untersuchenden |200| Vitriol jederzeit auf eine sehr einfache Weise und in wenigen Minuten zu bestimmen. Solches kann bei Zusatz des Glaubersalzes und anderer Salzlösungen in ähnlicher Art nicht geschehen.

Zu der von mir angewandten Methode dieser Bestimmung gebraucht man eine Auflösung von kohensaurem Kali (sal tartari) in destillirtem Wasser und von solcher Verdünnung, daß sie nur 7° Baumé zeigt. Man bereitet sich eine größere Menge davon und bewahrt sie in einer verschließbaren Flasche. Man hat ferner einige graduirte Gläser nothwendig, nämlich ein Cylinderglas von etwa 4 1/2 Zoll Höhe, welches in Kubikzolle, jeder Zoll in zehn Linien eingetheilt ist. Zu solchen Gläsern sind die sogenannten Galaktometer anwendbar. Ferner gebraucht man eine Meßröhre, an einem Ende verschlossen und etwas über einen Kubikzoll fassend, welcher in 100 Theile getheilt ist. Die Grade sind hinlänglich groß, wenn die Röhre 5 Zoll lang und 8 Linien im Lichten weit ist. Zum Mischen bei der Operation dient ein Cylinderglas von 5 Zoll Höhe und 2 Zoll Durchmesser, und ein ähnliches mit einem Ausgußschnabel versehenes von etwa 3 Zoll Höhe und 3/4 Zoll Durchmesser.

Durch Versuche habe ich ausgemittelt, daß nahezu 38 Strichtheile der Meßröhre an sal tartari von 7° B. einen Strichtheil an concentrirter englischer Schwefelsäure neutralisiren. Die Versuche wurden so angestellt, daß eine kleine Menge Kupfervitriol mit der Kaliflüssigkeit bis zur Trübung neutralisirt wurde. Diese getrübte Lösung wurde dann mit einer in der Röhre gemessenen Menge concentrirter Schwefelsäure geklärt und mit einer ebenfalls gemessenen Kalilösung wieder zur Trübung neutralisirt. Ich wählte eine schwache Auflösung des Kalisalzes, um Fehler, welche beim Messen leicht vorkommen, möglichst unschädlich zu machen.

Will man eine mit Schwefelsäure versezte Kupfervitriollösung auf diesen Säuregehalt untersuchen, so mißt man in dem graduirten Cylinderglas einen Kubikzoll ab und gießt dann die Flüssigkeit mit Nachspülen von etwas Wasser in das größere Cylinderglas. Ferner mißt man in der graduirten Röhre 90–100 Linien (die Zahl ist aufzuschreiben) von der Kaliflüssigkeit, gießt davon in das kleine Schnabelglas und aus diesem mittelst eines darangehaltenen Glasstabes allmählich in den Vitriol, den man nach einigem Zusatz jedesmal umschüttelt. So wie das Brausen schwächer wird und die Flüssigkeit einen Stich ins Grünliche annimmt, bringen gewöhnlich noch einige Tropfen der Kalilösung die Trübung hervor. Wenn diese eingetreten, gießt man |201| die nicht verbrauchte Kalilösung in die Meßröhre zurück und ersieht leicht die Menge des verbrauchten Antheils. Der Vergleichung wegen wird bei allen Proben auf dieselbe Weise verfahren, also immer ein Kubikzoll des Vitriols dazu verwendet. Ich nenne im Folgenden diese Probe die Kaliprobe und bezeichne relativ den Gehalt an freier Schwefelsäure durch Angabe der Anzahl Strichtheile, welche den Verbrauch der Kalilösung anzeigen, z.B. Vitriol von 58 Strichtheilen Kaliprobe, von 62 Strichtheilen Kaliprobe etc.

Ich habe nun aus mehreren Vitriollösungen, die mit verschiedenen Quantitäten Schwefelsäure versetzt waren, galvanisches Kupfer gefällt.

Zunächst untersuchte ich die Vitriollösung, wie sie vom Herzog von Leuchtenberg bei seinen großen galvanoplastischen Arbeiten in St. Petersburg gebraucht wird. Sie wird bereitet, indem man eine Kupfervitriollösung mit Wasser bis 20° B. verdünnt und dann so viel concentrirte englische Schwefelsäure (welche 66° B. zeigt) zusetzt, bis das Aräometer 22° angibt. Diese Flüssigkeit gibt ein vorzügliches Kupfer. Mit der Kaliprobe geprüft zeigt sie 108 Strichtheile. Ich erhielt aber bei einem merklich geringern Zusatz von Schwefelsäure eben so schönes Kupfer, und Proben, wo die Flüssigkeit 80, 70, 60, 56–50 Strichtheile zeigte, ließen in Beziehung auf die Qualität des Kupfers nichts zu wünschen übrig.

Für den Beginn einer galvanischen Fällung wählte ich meistens einen Vitriol von ungefähr 68 Strichtheilen Kaliprobe. Einen solchen erhält man, wenn man auf 60 Kubikzoll einer gewöhnlichen Kupfervitriollösung von 21° B. einen Kubikzoll concentrirter englischer Schwefelsäure zusetzt. Ein Kubikzoll von diesem so angesäuerten Vitriol enthält 22 Gran Kupfer.

Bei der galvanischen Fällung gehen bei Anwendung des Trommelapparates folgende Veränderungen an der Fällungsflüssigkeit vor:

1) Wird der Kupfervitriol durch die galvanische Ausscheidung allmählich geschwächt.

2) Geht eine kleine Menge Kupfervitriol durch die Trommel und wird vom Zink zersetzt.

3) Geht auch eine kleine Menge der freien Schwefelsäure durch und löst Zink auf.

4) Mischt sich dem Kupfervitriol allmählich Zinkvitriol aus der Trommel bei.

|202|

Es ist klar, daß ein gebrauchter Kupfervitriol nur insofern auf den Normalzustand zurückgeführt werden kann, als man ihn zur Fällung von gutem Kupfer corrigirt; der einmal beigemischte Zinkvitriol läßt sich aber nicht mehr entfernen. Es ist daher zu untersuchen, in wie weit ein Zinkgehalt für die Kupferbildung nachtheilig ist und wie die nöthigen Correctionen zu machen sind.

Was die Schwächung des Kupfervitriols durch die Kupferausfällung betrifft, so kann man die Flüssigkeit leicht gesättigt erhalten, indem man (während der Apparat im Gang ist) Säcke mit Kupfervitriolkrystallen darin aufhängt, am Rande oder an den Ecken des Kastens etc. Dieses geht jedoch nur bis der Zinkgehalt der Flüssigkeit ein gewisses Maaß nicht überschritten hat, wovon unten die Rede seyn wird.

Um den Nachtheilen zu begegnen, welche aus 2) entstehen können, wird erfordert, daß die Zinkplatten alle 24 Stunden gereinigt werden oder doch alle zwei Tage, weil sonst das auf das Zink gefällte Kupfer eine nachtheilige Schwächung des galvanischen Stromes hervorbringen kann.

Da nach 3) der Inhalt an freier Schwefelsäure im Kupfervitriol allmählich abnehmen muß, welches übrigens sehr langsam geschieht, und da die Beimengungen von Wasser und Zinkvitriol mancherlei Veränderungen der Masse und somit der Quantität der freien Schwefelsäure hervorbringen, so ist nothwendig, diesen Gehalt bestimmen und ergänzen zu können. Dazu dient die oben angeführte Kaliprobe und der Gebrauch nachstehender Tafel.

Es entsprechen:

Strichtheile Strichtheile
Kalilösung (sal tartari von 7° B.) concentr. engl. Schwefelsäure.
68 1,79
67 1,76
66 1,74
65 1,71
64 1,68
63 1,66
62 1,63
61 1,60
60 1,58
59 1,55
58 1,53
57 1,50
56 1,47
|203|
Strichtheile Strichtheile
Kalilösung (sal tartari von 7° B.) concentr. engl. Schwefelsäure
55 1,45
54 1,42
53 1,39
52 1,37
51 1,34
50 1,32
49 1,29
48 1,26
47 1,24
46 1,21
45 1,18
44 1,16
43 1,13
42 1,10
41 1,08
40 1,05
39 1,03

Man hat nun, um zu finden, wieviel Schwefelsäure auf 100 Kubikzoll Kupfervitriol zuzusetzen, zuerst die Kaliprobe mit 1 Kubikzoll des Vitriols zu machen und dann die in der Tafel entsprechende Zahl der Schwefelsäure, als ganze Zahl genommen, von 179 abzuziehen, dann gibt die erste Ziffer, wenn der Rest zwei Ziffern hat, in Kubiklinien an, wieviel concentrirte Schwelfelsäure zuzusetzen, die zweite Ziffer gibt Zehntel Kubiklinien an. Wenn der Rest nur eine Ziffer gibt, so sind damit immer nur Zehntel-Kubiklinien angezeigt. Es gäbe z.B. die Kaliprobe 50 Strichtheile an verbrauchter Kalilösung, so zieht man die (für die Schwefelsäure) beistehende Zahl 132 von 179 ab und erhält so 47, d. i. 4 7/10 Kubiklinien concentrirter Schwefelsäure sind auf je 100 Kubikzoll des zu corrigirenden Vitriols zuzusetzen.

Gibt die Kaliprobe 39 Strichtheile, so ist 103 von 179 abzuziehen. Vom Rest 76 gibt die erste Ziffer (7) die Kubiklinien an, die zweite (6) die Zehntel, es sind also 7 6/10 Kubiklinien oder etwas über 7 1/2 Kubiklinien concentrirter Schwefelsäure auf je 100 Kubikzoll Vitriol zuzusetzen.

Daß durch solchen Zusatz das Gesammtvolum der Flüssigkeit vermehrt wird, kann bei der Berechnung ohne Nachtheil vernachlässigt werden.

Will man einen Vitriol nicht bis zur normalen Säuerung bringen, sondern z.B. nur bis zu 58 Strichtheilen Kaliprobe, so ist für die |204| gemachte Kaliprobe die bestehende Zahl der Schwefelsäure von 153 abzuziehen. Der Vitriol gebe z.B. 44 Strichtheile Kaliprobe, so ist 116 von 153 abzuziehen. Der Rest 37 zeigt, daß 3 7/10 Kubiklinien Schwefelsäure auf 100 Kubikzoll Vitriol zugesetzt werden müssen. Zum Abmessen dient das oben beschriebene graduirte Cylinderglas, an welchem der Kubikzoll in zehn Linien getheilt ist. Die Zehntel kann man an der Meßröhre messen oder annähernd schätzen, da hiebei kleine Differenzen ohne Einfluß sind.

Die Tabelle geht nur bis 39 Strichtheile Kaliprobe, weil ein Vitriol meistens corrigirt werden muß, ehe er auf diesen geringen Gehalt an Schwefelsäure kommt; es ist aber leicht, auf einen geringeren Gehalt durch Proportion zu berechnen.

Zur Bestimmung der Quantität der Fällungsflüssigkeit bedient man sich größerer Meßgläser von 50 Kubikzoll oder dergleichen. Es ist übrigens zweckmäßig, wenn man die Gefäße oder Holzkasten, worin die Fällung vorgenommen wird, ein für allemal aicht, indem man gemessenes Wasser oder Vitriol bis zu der Höhe, wie die Trommel gewöhnlich gestellt wird, einfüllt. Um Niveau-Veränderungen zu beobachten, kann man sich eines Niveaumessers bedienen, eines in Zoll und Linien getheilten, auf einem Stativ von Glas befestigten Glasstabes von ungefähr 4 Zoll Höhe. Man stellt diesen Messer in das gefüllte Gefäß und bemerkt das Niveau, dann nimmt man mit einem Heber die Flüssigkeit ab, bis sie eine oder zwei Linien tiefer steht, und mißt die abgezogene Flüssigkeit, wodurch die Quantitäten leicht zu erfahren sind, welche das Niveau verändern.

Man hat es gewöhnlich nur mit einigen Linien von der Oberfläche abwärts zu thun, die man, ungeachtet die Wände des Kastens durch den Pech- und Firnißüberzug nicht eben sind, als gleichen Mengen entsprechend ansehen kann.

Zur Beurtheilung verschiedener Beimischungen von Zinkvitriol habe ich mehrere Versuche angestellt und in Zinkvitriollösungen von verschiedenem Gehalte Kupfervitriolkrystalle bei gewöhnlicher Temperatur aufgelöst und den Stand des Aräometers beobachtet.

Zinkvitriol von 14° B. hatte nach dem Sättigen, ohne Zusatz freier Schwefelsäure 28 1/2°, Zinkvitriol von 15° und 16° hatten 31° und etwas darüber, Zinkvitriol von 20° und 21° hatten 32 1/2, Zinkvitriol von 22° war auf 33° gekommen, und Zinkvitriole von 24°, 25°, 26° stiegen bis 34 3/4°, 35°, 35 3/4°.

Der Kupfergehalt dieser Mischungen differirte nicht so stark, als ich erwartet hatte, und betrug bei der Auflösung in Zinkvitriol von |205| 26° noch 22 Gran im Kubikzoll. Erst bei einer starken Concentration des Zinkvitriols nimmt er merklich weniger Kupfervitriol auf und ein gesättigter Zinkvitriol von 44° gab im Kubikzoll nur noch 6,1 Gran Kupfer. Dabei war die Flüssigkeit auf 43° gekommen, es scheint also eine Ausscheidung von Zinkvitriol oder eines auskrystallisirenden Doppelsalzes stattgefunden zu haben.

Zur Bestimmung des Kupfergehaltes wurde die Fuchs'sche Probe in der Art angewendet, daß der Vitriol in einem Kolben zuerst mit Kalilauge bis zur alkalischen Reaction versetzt, dann mit concentrirter Salzsäure übersättigt und im Sandbade zum Kochen erhitzt wurde. Dann wurde eine gewogene Menge von Kupferstreifen, die aus einem galvanisch gefällten Bleche geschnitten waren, eingetragen und das Kochen fortgesetzt, bis die Flüssigkeit farblos geworden war, dann der Kolben mit Wasser gefüllt, geleert und das Kupfer zwischen Fließpapier getrocknet, erwärmt und gewogen. Bekanntlich gibt der Gewichtsverlust, den das zugesetzte Kupfer erleidet, die Menge des Kupfers an, welche vor der Operation in der Flüssigkeit enthalten war.

Für die Versuche, wobei das Kupfer galvanisch gefällt wurde, brachte ich theils Mischungen von concentrirtem Zinkvitriol und Kupfervitriol in Anwendung, theils löste ich in Zinkvitriol von verschiedener Verdünnung Kupfervitriolkrystalle (bei gewöhnlicher Temperatur) auf und gebrauchte diese Auflösung.

1) Es wurden fünf Volumentheile Kupfervitriol von 20° B. ohne Zusatz von freier Schwefelsäure mit 1 Volumen Zinkvitriol von 43° gemischt. Das Gemisch zeigte 24° B. Das galvanisch gefällte Kupfer war spröde und brüchig.

2) Es wurden auf 55 Volumentheile der vorigen Flüssigkeit 1 Volumentheil concentrirter Schwefelsäure zugesetzt. Die Kaliprobe der Mischung gab 69 Strichtheile. Das Aräometer zeigte 27°.

Das erhaltene Kupferblech zeigte sich vollkommen geschmeidig, die vorige Mischung war also durch den Zusatz der Schwefelsäure ganz entsprechend verbessert worden.

3) Es wurden 3 Volumentheile Kupfervitriol von 20° mit 1 Volumentheil Zinkvitriol von 40° gemischt. Das Gemisch zeigte 26 1/2° und wurde mit Schwefelsäure bis 27 1/2° erhöht. Kaliprobe 64 Strichtheile.

Das Probeblech war mittelgut.

4) Es wurden 5 Volumentheile Kupfervitriol mit 3 Volumentheilen Zinkvitriol von 40° und freier Schwefelsäure versetzt, so daß die |206| Kaliprobe 68 gab. Das Gemisch zeigte 31°. Das Kupfer war spröde.

Die Copie einer polirten Platte war bei einem Versuche mit diesem Vitriol nach 18 Stunden übersäet mit kleinen Löchern, die beim Durchsuchen bemerkbar waren. Dessen ungeachtet zeigte das Blech den vollen Glanz der Originalplatte. Solche Löcher verwachsen übrigens beim Dickerwerden der Platte.

5) Eine Auflösung von Zinkvitriol von 12° wurde bei gewöhnlicher Temperatur mit Kupfervitriol (durch Einhängen von Krystallen) gesättigt. Es wurde Schwefelsäure zugesetzt, so daß die Kaliprobe 69 zeigte. Die Flüssigkeit hatte 27 1/2° B.

Das Probeblech war stark und normal geschmeidig.

6) Eine Auflösung von Zinkvitriol, mit Kupfervitriol gesättigt und nach Correction der Schwefelsäure das Gemisch von 28 1/2 B. gab ein ganz fehlerfreies Kupfer. Weniger gut war die Qualität des Kupfers, aber noch ganz brauchbar, wenn derselbe Vitriol mit Wasser bis 24° verdünnt worden war.

7) Eine Auflösung von Zinkvitriol von 14° wurde mit Kupfervitriol gesättigt und noch etwas stärkerer Zinkvitriol, der auch mit Kupfervitriol gesättigt war, zugesetzt, bis die Mischung 29 1/4° zeigte. Dann wurde die Schwefelsäure auf 70 Kaliprobe corrigirt, wodurch der Vitriol auf 30° B. gebracht wurde.

Es wurde mit der unverdünnten Flüssigkeit ein Kupferblech gefällt und zeigte sich mittelgut. Von derselben Qualität war das Kupfer, nachdem die Flüssigkeit mit Zusatz von 1/5 Volumen Wasser auf 26° gebracht worden war, wobei die Kaliprobe nur 55 Strichtheile zeigte.

8) Ein verdünnter zinkhaltiger Kupfervitriol von 20°, welcher 37 Kaliprobe zeigte, gab ein sehr sprödes Kupfer mit eigenthümlicher blumiger Zeichnung. Durch die Correction der Schwefelsäure wurde das Kupfer nicht verändert, wohl aber durch Sättigung mit Kupfervitriolkrystallen bis zu 25°, wobei ein ausgezeichnetes Kupfer erhalten wurde. Kaliprobe 52.

Man ersieht aus diesen Versuchen, daß eine Fällungsflüssigkeit ziemlich viel Zinkvitriol enthalten kann, ohne daß es für die Qualität des Kupfers nachtheilig ist, wenn die gehörige Menge freier Schwefelsäure vorhanden, daß dieses übrigens seine Gränze hat, und daß das spec. Gewicht oder der Aräometerstand darüber Aufschluß gibt, vorausgesetzt, die zu prüfende Flüssigkeit sey mit Kupfervitriol (bei gewöhnlicher |207| Temperatur) gesättigt. Man kann als Gränze zur Erzeugung von hinlänglich geschmeidigem Kupfer für einen solchen Vitriol 29° B. annehmen. Um Platten, deren erste Lage in der Dicke eines starken Kartenblattes aus gutem Kupfer besteht, zu verstärken und dicker zu machen, kann auch ein Vitriol von 30 und mehr Graden gebraucht werden.

Will man nun einen gebrauchten Kupfervitriol von irgend einem Gehalt an Zinkvitriol und Wasser untersuchen und corrigiren, so nimmt man davon eine Menge von etwa 25 Kubikzoll und sättigt die Flüssigkeit durch Einhängen eines Sackes mit Kupfervitriol-Krystallen, den man, manchmal umschüttelnd, etwa 24 Stunden damit in Berührung lassen kann.

Kommt der Vitriol dadurch nicht über 28°-28 1/2° und mit der Correction der Schwefelsäure nicht über ungefähr 29°, so corrigirt man durch Sättigen und Zusatz der nöthigen Menge Schwefelsäure nach der in I. gegebenen Anleitung die ganze verwendbare Menge. Wenn aber auf diese Weise ein Vitriol über 29° oder 30° kommt, dann kann er für ganz gutes Kupfer nur dadurch corrigirt werden, daß man ihn mit gewöhnlicher reiner Kupfervitriol-Auflösung bis zu etwa 25° oder 26° mischt und dann die Schwefelsäure corrigirt. Bloß zur Massenvermehrung kann man das Kupfer irgend eines Vitriols ausfällen, bis er ganz licht in der Farbe wird. Dann fällt man die letzten Antheile Kupfer durch hineingeworfene Zinkstücke, wäscht diese nach der Fällung ab, löst mit etwas Schwefelsäure das noch dabei befindliche Zink auf und bringt den Kupferschlamm auf ein Filtrum. Nach dem Trocknen besteht er meistens aus einem Gemenge von metallischem Kupfer und Kupferoxydul. Man kann dann eine größere Menge in einem Kohlentiegel mit Zusatz von etwas schwarzem Fluß etc. umschmelzen.

II.

Die Trommel (das Diaphragma) besteht für größere Platten in einem rectangulären Gestell oder Rahmen, welcher mit einem roh gegerbten Kalbfell (die Haarseite nach außen) überspannt ist. Meine größeren Trommeln haben gegen zwei Fuß Fuß Länge und 1 1/2 Fuß Breite, auch noch mehr. Die Fassung hat innen bis zum Fell gegen 2–2 1/2 Zoll Höhe. An den vier Ecken sind Halter des Gestells angebracht, welche durchbohrt und mit hölzernen Schrauben von 7 1/2 Zoll Länge versehen sind, die den Rahmen tragen und mittelst welcher er |208| höher oder niederer gestellt werden kann. Der Rahmen ist inwendig nahe am Fell eingefalzt, um einige Holzstäbe aufzunehmen, auf welche die Zinkplatte zu liegen kommt; ober dem Zink kann er angebohrt und mit einem Abzugrohr, welches auch durch den Kasten des Kupfervitriols geht, versehen seyn. S. III. Der Rahmen wird vor dem Aufspannen des Fells mit Firniß überzogen, wozu der Offenbacher Asphaltfirniß38) vorzüglich brauchbar ist, welcher sehr schnell trocknet. Ueber die Außenseite des Fells werden gespaltene Stäbe von spanischem Rohr netzförmig gekreuzt und am obern Theil des Rahmens festgenagelt. Dieses ist nothwendig, damit sich das Fell, wenn es naß wird, nicht einsenkt. Die freien Stellen zwischen den Stäben sind einige Quadratzoll groß.

Eine gute Trommel läßt kein Wasser durchfließen, wenn solches hineingegossen wird und sie nicht in einer Flüssigkeit steht. Auch nach mehreren Tagen fühlt sich die untere Seite nur feucht an, ohne Tropfen zu bilden. Bemerkt man solche Tropfen, so sind gewöhnlich kleine Löcher in der Membrane, die man mit Firniß decken kann, oder sie ist zu dünn und dann schon aus dem Grunde nicht zu brauchen, weil zu viel Zinkvitriol durchgeht und dem Kupfervitriol beigemengt wird. Wenn aber die Trommeln längere Zeit gebraucht werden, lassen sie Flüssigkeiten leichter durch. Man kann sie dann mit Klauenfett einreiben und es ist dieses von Zeit zu Zeit zur Erhaltung des Fells zu thun.

Wenn eine Trommel, die für sich keine Flüssigkeit durchläßt, in ein Gefäß gestellt wird, welches eine andere Flüssigkeit enthält, welche die Trommel berührt, so findet gleichwohl immer ein Austausch der Flüssigkeiten statt. Es sind dieses die unter dem Namen Endosmose bekannten eigenthümlichen Erscheinungen. Um ihren Einfluß für den gegenwärtigen galvanischen Proceß kennen zu lernen, stellte ich einige Versuche an.

1) In eine Kupfervitrolauflösung von 20 1/2° Baumé wurde eine Trommel gestellt und diese mit 20 Kubikzoll Zinkvitriol von 26° gefüllt. In 17 Stunden hatte sich der Inhalt der Trommel um 1 Kubikzoll vermindert und der Zinkvitriol war auf 27° R. gekommen.

|209|

2) In eine Kupfervitriolauflösung von 21° wurde eine Trommel gestellt, welche mit 24 Kubikzoll Zinkvitriol von 9° gefüllt war. Die Membrane berührte bei dem Versuche nur das Niveau der äußern Flüssigkeit. Nach 18 Stunden waren 3 1/2 Kubikzoll Flüssigkeit weniger in der Trommel und der Zinkvitriol war auf 10° gekommen.

Der Zinkvitriol hatte eine schwache Spur ins Grünliche angenommen und es war offenbar Kupfervitriol eingedrungen. Um dessen Menge ungefähr zu erfahren, wurden 24 Kubikzoll Zinkvitriol von 9° mit Kupfervitrol von 21° auf 10° gebracht und die erforderliche Menge des letztern gemessen. Es waren dazu 2,2 Kubikzoll nothwendig und die Flüssigkeiten beider Versuche waren von gleicher Farbe. Es waren also beim ersten Versuche in den nach 18 Stunden in der Trommel noch befindlichen 20 1/2 Kubikzoll Zinkvitriol nahezu 1,72 Kupfervitriol enthalten, oder die Hälfte des durchgegangenen leichtern Zinkvitriols war durch den schwereren Kupfervitriol ersetzt worden.

3) Es wurde eine Trommel mit 60 Kubikzoll Zinkvitriol von 6° in Kupfervitriol von 21° gestellt. Nach 18 Stunden befanden sich nur 48 Kubikzoll in der Trommel und der Zinkvitriol war auf 9 1/2 gekommen.

4) Es wurde eine Trommel mit 24 Kubikzoll Zinkvitriol von 18° in Wasser gestellt. Nach 18 Stunden befanden sich 26 Kubikzoll Flüssigkeit, also um 2 mehr, in der Trommel und der Zinkvitriol war auf 16° gekommen.

Es war also Wasser in die Trommel gestiegen, aber gleichzeitig war auch Zinkvitriol in das Wasser übergegangen, denn dieses reagirte darauf, und um 24 Kubikzoll Zinkvitriol von 18° auf 16° zu bringen bedarf, man 4,1 Kubikzoll Wasser. Darnach zeigt die Rechnung, daß die oben in der Trommel gemessenen 26 Kubikzoll Zinkvitriol aus 22,2 Kubikzoll Zinkvitriol von 18° und 3,8 Kubikzoll Wasser bestehend angesehen werden können, denn 22,2 Volume Zinkvitriol von 18° erfordern 3,8 Volume Wasser um auf 16° gebracht zu werden, daß also 1,8 Kubikzoll Zinkvitriol von 18° durch die Trommel gegangen und durch 3,8 Kubikzoll Wasser oder etwas mehr als das doppelte ersetzt worden.

5) Es wurden 30 Kubikzoll Wasser in die Trommel gemessen und diese in Kupfervitriol gestellt. Nach 18 Stunden fanden sich 28 1/2 Kubikzoll Flüssigkeit in der Trommel. Das Aräometer stand auf 1 3/4° und das Wasser reagirte auf Kupfervitriol.

|210|

Es ergibt sich aus diesen Versuchen, daß ein gegenseitiges Mischen der Flüssigkeiten in und außer der Trommel in kleinen Mengen stattfindet, und natürlich wird der eindringende Kupfervitriol, wenn eine Zinkplatte in der Trommel befindlich ist, vom Zink zersetzt und dieses auch von der mit eindringenden freien Schwefelsäure aufgelöst. Zum Zweck der Plattenbildung geht daraus hervor, daß die Reinigung der Zinkplatten wenigstens alle zwei Tage geschehen soll, weil sonst das Belegen derselben mit einer Kupferschicht nachtheilig auf den galvanischen Strom einwirken kann.

III.

Als Erregungsflüssigkeit, welche in die Trommel einige Linien hoch über die Zinkplatte gegossen wird, habe ich in der letzteren Zeit nur gewöhnliches Brunnenwasser genommen und bemerkt, daß namentlich das Ablösen und die Trennung der Platten dabei vorzüglich gut von statten geht. Eine etwas größere oder geringere Menge von Wasser ist ohne wesentlichen Einfluß auf die Kupferbildung. Ich erhielt bei einem Versuche mit 32 Kubikzoll Wasser unter gleichen Umständen dieselbe Menge Kupfer wie bei einem andern von 44 Kubikzoll Wasser.

Die Bildung von einer größeren oder kleineren Menge des Zinkvitriols in einer bestimmten Zeit hängt von dem Gange der galvanischen Präcipitation ab, und wenn sonst die Verhältnisse dieselben sind, kann man aus der Stärke des (z.B. in 24 Stunden) gebildeten Zinkvitriols auf die stattgefundene galvanische Thätigkeit und Kupferausscheidung schließen. Ich habe auch versucht aus der Stärke des gebildeten Zinkvitriols die Menge des gefällten Kupfers zu bestimmen, und habe dafür eine Tabelle entworfen, obwohl vorauszusehen war, daß damit nur annähernde Resultate gewonnen werden können, sie waren aber doch zu wenig genügend, theils wegen des Austausches der Flüssigkeiten, theils wegen der Differenzen, die sich beim Messen mit dem Aräometer bei verschiedenen Temperaturen ergeben.

Unter einer Temperatur von 6–8° R. sollen die Fällungen nicht gemacht werden. Ich benützte während des Winters für große Platten einen Keller, dessen Temperatur ungefähr 6° R. war. Dabei kam der Zinkvitriol in 24 Stunden nicht über 8° R. und wurde vortreffliches Kupfer erhalten, doch ging die Bildung langsam. In kleinen Apparaten kam der Zinkvitriol bei einer Temperatur von 15° in 24 Stunden |211| zuweilen bis 22° und 24° R. Man kann den Zinkvitriol in Bottichen sammeln, und allmählich verdunsten und krystallisiren lassen und verkaufen.

Da der Kupfervitriol ohne weitere Correction um so länger brauchbar erhalten werden kann, als sich weniger Zinkvitriol demselben durch die Trommel beimischt, so kann man dafür durch Anwendung guter Trommeln und tägliches Wechseln des gebildeten Zinkvitriols mit Wasser einigermaßen sorgen; weit vortheilhafter aber ist es, ein beständiges gleichförmiges Zu- und Abfließen des Wassers in die Trommel einzuleiten. Wo man fließendes Wasser anwenden kann, da läßt man es durch eine geeignete Röhre in die Trommel einströmen und bringt etwas über der Zinkplatte ein Abzugsrohr an. Hat man kein fließendes Wasser, so stellt man den Wechsel durch Anwendung eines oder zweier Heber her. Diese können von Blei oder Glas seyn mit engen Ausflußröhren, und an dem Theile, wo das Wasser in die Röhre strömt, glockenförmig erweitert und mit feinem Flor überspannt, daß keine Unreinigkeit in die Röhre dringen und sie verstopfen kann. An der Trommel wird ein Abzugsrohr angebracht, auch wenn man einen Heber zum Wegnehmen gebraucht, weil der zuführende Heber eher mehr als weniger Wasser zuführen soll, als der abziehende aufnimmt, da sonst das Zink trocken gelegt würde, zugleich aber gesorgt werden muß, daß die Trommel nicht überfließt.

Bei Anwendung dieses Wechsels der Trommelflüssigkeit kann ein Kupfervitriol sehr lange ohne alle weitere Correction gebraucht werden, als daß man den zersetzten Kupfervitriol durch eingehängte Krystalle fortwährend ergänzt und zuweilen den Gehalt der freien Schwefelsäure prüft und regelt. Ich habe dabei vortreffliches Kupfer erhalten.

IV.

Für die Zinkplatten habe ich ohne wesentlichen Unterschied gegossenes und gewalztes Zink angewendet. Diese Platten sollen nicht zu dünn seyn und eine Dicke von etwa zwei Linien haben. Sie werden in der Trommel entweder auf kupferne Haken, die am Trommelgestell angebracht sind, gelegt oder auf Holzstäbe, wie bei II gesagt worden. Bei den größern Apparaten ist die Zinkplatte von dem Felle gegen 1/2 Zoll entfernt.

Nach 24 Stunden findet man die untere Seite des Zinks mit einem schwärzlichen Schlamm bedeckt, welcher auch oft auf die Trommel |212| fällt und dann Veranlassung werden kann, daß sich unten an dieser kleine Kupferwärzchen ansetzen, welche Löcher im Felle hervorbringen. Es ist daher sehr zu empfehlen, die Zinkplatte in ein grobes Leinentuch einzuschlagen, die obere Seite für den Leiter natürlich ausgenommen. Ich habe den schwarzen Schlamm untersucht, nachdem er mit Wasser gut ausgewaschen war, und das Waschwasser nicht mehr auf Schwefelsäure reagirte. Beim Auflösen in Salpetersäure bleibt schwefelsaures Bleioxyd zurück und die Auflösung zeigt einen kleinen Gehalt an Kupferoxyd und Spuren von Eisenoxyd. Das Blei, dessen Menge im Zink übrigens gering ist, nimmt daher auch Antheil an dem galvanischen Processe.

Die Zinkplatten werden alle 24 Stunden oder je nach Umständen auch nach zwei Tagen durch Abbürsten gereinigt und die für den Leiter bestimmten Stellen mit einer Feile oder mit Bimsstein rein gerieben.

V.

Die Platte, welche copirt werden soll, wird, wie ich dieses in meiner Galvanographie beschrieben habe, auf ein wohl gereinigtes Kupferblech, welches um einige Zoll ringsum größer ist, gelegt. Die Ränder dieser Unterlage sind mit Wachs zu decken, die Rückseite der zu copirenden Platte muß, wo sie auf der Unterlage aufliegt, blank gefeilt seyn. An dem Unterlagsbleche sind ein oder zwei entgegengesetzte oder auch vier Leitungsstreifen angebracht, am besten bei einem größern solchen Bleche mit der Schere ausgeschniten, welches besser ist als das Anlöthen. Diese Streifen haben eine Länge von 6–8 Zoll, sind gegen zwei Zoll breit und von der Dicke eines gewöhnlichen Bleches. Sie werden vertical aufgebogen. Um die Verbindung mit der Zinkplatte herzustellen, gebrauche ich Bleistreifen von ähnlicher Breite und Dicke, welche über die ganze Zinkfläche hingehen und darauf durch Beschwerstücke von Glas, Porcellan, etc. niedergedrückt werden. Das Blei soll nicht angelaufen und unrein seyn, sondern metallisch glänzend und homogen. Die Enden und die aufliegenden Theile sind beim jedesmaligen Reinigen blank zu putzen. Die Verbindung der Kupfer- und Bleistreifen geschieht durch eine Klammerschraube.

Will man sich vom Gange des Processes und der Stärke des Stromes überzeugen, so kann man ein Galvanometer anwenden. Ein hiezu ausreichendes besteht in einem spitzen Stahlstift von einem Zoll |213| Länge, welcher durch einen Holzstreifen von ungefähr 6 Zoll Länge und 1 Zoll Breite gesteckt wird; an diesen Stift wird ein durchbohrtes Kupferblech von zwei Zoll Länge, 2–3 Linien Breite und 1/4–1/3 Linien Dicke angesteckt und gegen das Holz niedergeschoben und zu diesem rechtwinkelig gedreht. Ueber dieses Kupferblech, welches am Stifte fest anschließt und dessen Enden auf der untern Seite blank und eben gefeilt seyn müssen, kann man ein in Grade getheiltes kreisförmiges Kartenblatt stecken, um daran die Größe der Abweichung der Magnetnadel zu messen. Der Stift durchbohrt also das Brettchen, das kleine Kupferblech und die graduirte Scheibe. Beim Versuche wird eine empfindliche Magnetnadel auf die Spitze des Stiftes gesetzt und das kleine Kupferblech mit dem einen Ende auf den Kupferstreifen des Unterlagebleches des Apparates, mit dem andern auf das Ende des Bleistreifens, der von Zink kommt, aufgelegt. Zu diesem Zweck werden beide Streifen mit den Enden geeignet horizontal gebogen und die Klammerschraube abgenommen, so daß die Verbindung nun durch das Kupferblech des Galvanometers geschieht. Der Holzstreifen dient, um das Galvanometer mit den Händen halten und wenn die Nabel ruhig steht, dasselbe langsam auf die Verbindungsstreifen niederlassen zu können.

Die Abweichung erfolgt in dem Augenblicke der Berührung der Metalle, und hat man zuerst den Stand der Nadel beobachtet, so wird die Größe der Abweichung und damit die Stärke des Stromes an dem Kreisbogen gemessen. Ich habe nicht für nothwendig befunden, daß dem Apparate ein solches Galvanometer constant eingeschaltet werde.

Da Kupfer ein weit besserer Leiter ist als Blei, so habe ich auch statt der bleiernen Verbindungsstreifen kupferne angewendet; sie haben aber das Unbequeme, daß sie nicht so leicht zu biegen und zu handhaben sind wie jene, und legen sich nicht so eben auf die Zinkfläche. Auf die Fällung hat es keinen beachtenswerthen Einfluß, ebenso findet keine merkliche Differenz statt, ob die Verbindungsstreifen bei gleicher Breite 1/3 Linie oder 1 Linie dick sind.

Von wesentlichem Einflusse ist aber auf die Menge des gefällten Kupfers unter übrigens gleichen Umständen die Temperatur. Ich erhielt bei einer Temperatur von 14° – 15° R. in derselben Zeit um 1/3 mehr Kupfer als bei einer Temperatur von 5° R.

Ebenfalls von Einfluß, der hier in Betracht kommen kann, ist die Entfernung der Zinkplatte von der Kupferplatte. Bei meinen Versuchen war die Trommel in der Regel zwei Zoll von der Unterlage |214| entfernt. Weniger soll es nicht betragen. Die Trommel berührt nur die Oberfläche des Kupfervitriols oder taucht nur wenig in diesen ein.

Es ist zur Erzeugung von gutem Kupfer von wesentlichem Vortheil, große Quantitäten von Kupfervitriol, also große Gefäße für die Fällungsflüssigkeit anzuwenden. Das Gefäß soll rings um die Trommel noch einen Raum von 8–10 Zoll haben. Meine größeren Gefäße bestehen aus vierseitigen Holzkasten, welche innen wohl getheert und gefirnißt sind. Sie sind von rectangulärer Form und parallel den längern Seiten sind rinnenförmige Leinwandstreifen an die Wände genagelt, welche zur Aufnahme der Kupfervitriolkrystalle dienen, um die erschöpfte Flüssigkeit zu sättigen. Mit den Krystallen gefüllt tauchen sie in den obern Theil der Flüssigkeit ein. Bei einem sonst guten Vitriol habe ich dergleichen Krystalle alle zwei Tage eingelegt, so daß er zwischen 22° und 24° B. erhalten wurde.

VI.

Die Kupferplatte, welche copirt werden soll, versilbere ich zuvor, und dieses geschieht höchst einfach und mit geringen Kosten dadurch, daß man solche Platten in eine Auflösung von Chlorsilber in Kochsalzauflösung einlegt. Dazu bereitet man eine concentrirte Auflösung von Kochsalz und tropft in diese salpetersaures Silberoxyd unter Umrühren so lange ein, bis der entstehende Niederschlag nicht mehr verschwindet, dann läßt man diesen Niederschlag sich absehen und gebraucht die klare Flüssigkeit. Diese kann immer wieder benützt werden und ist nur von Zeit zu Zeit etwas Silberauflösung zuzusetzen. Hat man glatte Platten zu versilbern, so läßt man sie etwa 20–25 Minuten in der Versilberungsflüssigkeit liegen, nimmt sie dann heraus, wäscht sie mit Wasser ab und trocknet sie schnell zwischen Fließpapier unter Abwischen mit einem feinen leinenen Tuche. Man kann sie dann noch mit weichem Leder reiben. Hat man aber eine geätzte oder roulletirte Platte oder ein Relief davon zu versilbern, so ist es besser das Versilbern 1 bis 2 Stunden fortwähren zu lassen (bei gewöhnlicher Temperatur). Die Platten bekommen dann einen matten weißlichen Ueberzug, werden abgewaschen und durch aufgelegtes Fließpapier und Andrücken desselben getrocknet ohne nachträglich gerieben zu werden. Die Kupferplatten müssen vorher durch reines Terpenthinöl, nöthigenfalls durch Salzsäure und Wasser wohl gereinigt werden.

|215|

Der Grund warum roulettirte oder tief geätzte Platten stärker zu versilbern sind, ist der, daß sich eine galvanisch gebildete Platte von solchen begreiflicherweise viel schwerer trennt als von glatten. Eine stärkere Versilberung erleichtert diese Trennung, indem dann das Silber zum Theil sich loslöst und auf die Copie übergeht. Indessen ist es nicht rathsam die Versilberung über drei Stunden dauern zu lassen, weil sich sonst das Silber schon beim Abtrocknen ablösen kann und auch die Kupferfläche unnöthig angegriffen wird.

Wenn auf eine versilberte Platte gemalt oder gezeichnet werden soll, so ist diese vorher noch 6 bis 8 Stunden in schwach sauern Kupfervitriol oder in Wasser mit wenig Schwefelsäure zu legen, abzutrocknen und zu gebrauchen. Wenn man dieses unterläßt, so zeigen sich meistens nach einigen Tagen gelbliche oder grünliche Flecken auf dem Silber, welche beim Zeichnen stören können, übrigens ohne Nachtheil sind.

Bei einer gehörig vorbereiteten Platte mit oder ohne Zeichnung ist vor dem Einlegen die in den Vertiefungen adhärirende Luft zu entfernen. Legt man ein roulettirtes Relief oder ein mit Graphit eingestaubtes Bild unmittelbar in den Vitriol, so bemerkt man eine Menge adhärirender Luftblasen, die zuweilen als eine fast silberglänzende Schichte ganze Stellen der Platte zu überziehen scheinen. Entfernt man sie nicht, so wächst das galvanische Kupfer über diese Blasen und Schichten und man erhält sehr oft eine glatte Stelle an der Copie statt einer rauhen etc. Ich habe, um solche Luftblasen zu entfernen, ein Abdampfen mit kochendem Wasser empfohlen und dieses Mittel bewährt sich auch sehr gut. Ich erwähne aber hier noch eines andern, welches der französische Galvanoplastiker Demirmont bekannt gemacht hat und welches fast in allen Fällen gute Dienste leistet. Man bereitet sich nämlich ein Gemisch von gleichen Maaßtheilen Weingeist und Wasser und übergießt die zu copirende Platte vor dem Einlegen mit dieser Flüssigkeit, wobei die Luftblasen fast ganz entfernt werden. Es ist auch zweckmäßig, die Platte anfangs nur in eine dünne Schichte von Kupfervitriol zu legen, die sie gerade überdeckt, denn einmal werden dadurch die Luftblasen deutlicher sichtbar, und dann sind sind sie mit einem feinen Pinsel leichter zu entfernen oder steigen auch bei längerem Liegen von selbst in die Höhe; bei einer höheren Lage der Flüssigkeit ist dieses natürlich weniger der Fall. Sind die Luftblasen entfernt, dann füllt man den übrigen Vitriol ein etc.

Da sich roulettirte oder geätzte Platten aus begreiflichen Gründen schwerer trennen als glatte oder getuschte, so wird beim Abfeilen die |216| Trennungslinie am Rande nicht immer gleich sichtbar und man hat sie zuweilen an den Ecken durch leichtes Einschlagen eines Meißels zu suchen. Es ist daher zweckmäßig, solchen Platten einen ebenen Rand von etwa 1/2 Zoll zu geben, was ohnehin gewöhnlich geschieht. Nach dem Abfeilen des Randes überzeugt man sich durch Einschieben einer beinernen Spatel, welche um die ganze Platte geführt wird, ob das Abfeilen überall vollkommen geschehen sey und fängt dann bei den Ecken die Trennung vorsichtig und allmählich an. Hat die Platte eine hinreichende Dicke, so ist die Qualität des Kupfers weniger wesentlich, dünne Platten aber müssen von gutem zähem Kupfer gebildet werden, um nicht ein Abbrechen derselben befürchten zu müssen.

Wenn ein dünnes Reliefblech copirt wird, so geschieht es zuweilen, besonders bei roulettirten Platten, daß nach einigen Tagen durch den Niederschlag eine Spannung an dem Bleche entsteht, und daß es nicht mehr eben auf der Unterlage liegt, sondern concav gegen die Trommel gebogen. Dadurch kommen die Ränder näher an die Trommel und es häuft sich dann darauf das Kupfer in Wulsten an. Wenn man ein solches Gebogenseyn bemerkt, so nimmt man die Platte heraus und biegt sie ohne Nachtheil durch einen gehörigen Druck mit der flachen Hand auf einem Tische wieder eben.

Es ist immer räthlich, eine werthvolle Platte erst in den Apparat zu legen, nachdem man sich von einem guten Gange desselben überzeugt und ein Probeblech von 12 bis 24 Stunden genommen hat.

Um die Quantität des gefällten Kupfers, also die Dicke der Platte zu beurtheilen, kann man ein versilbertes Kupferblech von etwa 2 Quadratzoll Größe auf die zuerst gedeckten Stellen legen und damit den Platz täglich wechseln. Bei kleinen Platten nimmt man nach 8 Tagen, bei großen nach 14 oder 18 Tagen dieses Blech heraus und feilt die Kupferplatte ab, man ersieht daraus die Dicke der großen Platte.

Da die Fällung in der Nähe des Leiters, wenn nur ein solcher angewendet wird, manchmal stärker ist als an andern Stellen, so ist die wachsende Platte von Zeit zu Zeit so zu legen, daß nicht immer dieselbe Stelle dem Leiter zunächst kommt.

Wenn der Kupfervitriol nicht klar ist und fremdartige Körper darin herumschwimmen, so legen sich diese auf das wachsende Kupfer und wachsen dann hinein. Man kann diesem Uebelstande zum Theil begegnen, indem man täglich das Kupfer mit einem Borstenpinsel überfährt und adhärirende solche Körper bei Seite schiebt, am besten aber ist es, klaren Vitriol anzuwenden, welchen man nicht durch Filtriren, sondern |217| dadurch erhält, daß man die Lösungen einige Tage ruhig stehen läßt und dann den klaren Theil mit einem Heber abnimmt. Ein solcher Heber ist bei allem Einfüllen und Umfüllen nothwendig, und besteht ganz einfach in einer im Bogen gekrümmten Röhre, deren einer Schenkel gegen 14 Zoll, der andere etwa 2 Fuß mißt.

Um galvanische Platten zum Zwecke des Druckes dicker zu machen, habe ich auch einige Versuche mit Auflöthen von Kupferblechen angestellt. Dieses Auflöthen kann nicht geschehen, so lange das galvanische Blech mit der Originalplatte noch vereinigt ist. Es zeigte sich, daß dann die Platten, die sich sonst sehr gut getrennt hätten, nicht mehr so leicht zu trennen waren und mancherlei Fehler hatten. Es muß also das galvanische Blech abgenommen werden. Für kleinere Platten habe ich nun solche Bleche auf eine ebene lithographische Platte mit der Bildseite in feinen Gyps eingelassen und eingepreßt. Dann legte ich vier oder fünf Blätter Staniol auf die mit salzsaurem Zinkoxyd befeuchtete Rückseite des Bleches und ein ebenes Kupferblech von geeigneter Dicke auf den Staniol, und bewerkstelligte das Zusammenlöthen durch eine aufgelegte rothglühende Stahlplatte. Nach dem Erkalten nahm ich die Platte ab und obwohl die Bildseite schwach bunt angelaufen war, so zeigte sie sich doch vollkommen brauchbar. Für große Platten habe ich es bis jetzt nicht versuchen können, da mir hinlänglich große Stahlplatten zum Anschmelzen fehlten. Man kann vielleicht statt solcher einen Kasten von hinlänglich starkem Eisenblech auf das Kupfer stellen und zum Erwärmen dann eine hinlängliche Menge geschmolzenes Blei schnell eingießen.

Ich muß diese Manipulationen Andern überlassen, es wäre aber ein großer Gewinn an Zeit und Geld, wenn man auf diese Weise galvanische Bleche nach einigen Tagen zu Druckplatten machen kann.

VII.

Zur Anfertigung der galvanographischen Bilder werden matt auftrocknende enkaustische Farben gebraucht und die lithographische Kreide. Um letztere anwenden zu können, muß die Platte mit einem Korn versehen seyn, welches man mit Anwendung der Roulette erhält oder mit Aetzen eines Aquatinta-Korns etc. (S. m. Galvanographie 2. Aufl.) Wenn man ein Tuschbild malt, so sind die stärkern Schattenpartien zuletzt, wenn das übrige Bild schon trocken ist, zu übermalen, und die noch frische Farbe ist mit Graphitpulver, welches man darauf schüttet |218| und wieder abklopft rauh zu machen. In solche rauh gemachte Stellen kann man mit einem spitzen Holzstifte, wenn die Farbe etwas angezogen, noch radiren und mannichfaltig modelliren.

Mit manchem Vortheil ist auch aufgestaubtes Pulver von Colophonium und andern leicht schmelzbaren Harzen zu benutzen, indem man die Platte vorbereitend damit körnt oder auch nach dem Malen die Oberfläche der Farben rauh macht. Das Anschmelzen geschieht durch die Flamme einer Kerze oder von brennendem Papier. Ein stärkeres Erhitzen gibt ein breitgeflossenes Korn. Das Aufstauben kann sehr gut durch ein mit Flor überspanntes Rohr, in welches das Harzpulver geschüttet wird, und durch Klopfen an dieses Rohr geschehen.

Es ist sehr wesentlich, daß die Farbe vor dem Einlegen der Platte vollkommen trocken sey und es kann das Trocknen durch gelindes Erwärmen beschleunigt werden. Um die Luftblasen zu verhindern, kann man ohne Nachtheil das oben angeführte Gemisch von Wasser und Weingeist über das Bild gießen und dann die Platte einlegen. Für die mit lithograpischer Kreide anzufertigenden Bilder werden die Conturen und alle leichtern Schattirungen auf das roulettirte Relief aufgetragen, die stärkern Schatten werden meistens nachträglich durch Aetzen eines Aquatinta – oder Roulettekorns hervorgebracht. Man kann sie auch durch Auftragen enkaustischer Farbe oder lithographischer Kreide in dicker Lage hervorbringen, wenn man dann solche Lagen mit einer geeigneten Roulette furcht etc.

Um beim Aetzen durch keine Gasentwickelung belästigt zu werden, habe ich einige Versuche mit Aetzflüssigkeiten angestellt und gefunden, daß daß Eisenchlorid allen Anforderungen entspricht, die hiebei gemacht werden können. Die Bereitung ist einfach und wohlfeil und das Präparat ist fortwährend brauchbar zu erhalten. Man löst dünnes Eisenblech, welches mit der Schere in Streifen geschnitten wird, in mäßig starker Salzsäure bei gewöhnlicher Temperatur auf. Zu der erhaltenen dunkel grünlichbraunen Flüssigkeit setzt man eine Auflösung von chlorsaurem Kali in kochendem Wasser, so lange bis die Farbe der Flüssigkeit, wenn man etwas davon in einem Probeglas mit wenig Wasser verdünnt, der von Bier gleich geworden ist und das Aetzammoniak einen braunrothen Niederschlag gibt. Hat man beim Auflösen des Eisens nicht einen kleinen Ueberschuß an Salzsäure genommen, so wird die Flüssigkeit beim Zusatze des chlorsauern Kalis eine braunrothe breiartige Masse. Man setzt dann concentrirte Salzsäure zu und erwärmt nöthigenfalls, |219| bis alles klar aufgelöst ist. Es ist gut, diese ganze Operation unter einem ziehenden Kamin vorzunehmen, weil sich besonders durch zu viel Zusatz von chlorsaurem Kali schädliche Gase entwickeln können. Wenn aber die Operation beendigt und die Flüssigkeit bis zur gehörigen Durchsichtigkeit mit Wasser oder verdünnter Salzsäure versetzt worden ist, so ist sie ohne merklichen Geruch und es entwickelt sich kein Gas beim Aetzen.

Diese Flüssigkeit kann nach längerem Gebrauche durch den erwähnten Zusatz von chlorsaurem Kali immer wieder vollkommen brauchbar gemacht werden. Das Eisenchlorid gibt beim Aetzen an das Kupfer Chlor ab und in Verbindung mit diesem geht das Kupfer in die Auflösung. Enthält diese, nach öfterem Gebrauche mit chlorsaurem Kali wieder ätzend gemacht, Kupferchlorid, so verhält sich dieses dem Eisenchlorid ähnlich und löst ebenfalls, sein Chlor theilend, Kupfer auf, wie aus der Fuchs'schen Kupferprobe bekannt ist. Der dabei anzuwendende Firniß ist ein gewöhnlicher guter Aetzgrund. Das Eisenchlorid kann auch dienen, um kupfernen Gegenständen eine schön matte Oberfläche zu geben etc.

––––––––––

Es wäre sehr zu wünschen, daß die Anfertigung solcher galvanographischer Platten, d.h. die Kupferbildung von den galvanoplastischen Anstalten übernommen würde, damit die Künstler nicht selbst die Apparate etc. anschaffen müßten und sich um das Technische, nur insoweit es die Kunst erfordert, zu bekümmern hätten.

Ich zweifle nicht, daß dieses mit der Zeit geschehen werde und daß man ebenso roulettirte Reliefs oder auch vom Aquatinta-Aetzkorn etc. zum Zeichnen und Tuschen wird kaufen können, wie man anderes Material dieser Art kaufen kann, und wenn es dahin gekommen seyn wird, dann wird die Galvanographie eine Verbreitung und Anwendung gewinnen, wie es gegenwärtig mit der Lithographie der Fall ist.

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Man vergleiche polytechn. Journal Bd. LXXXV S. 342 und Bd. XCV S. 186.

|208|

Aus der chemischen Fabrik von Karl Oehler in Offenbach a. M.

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