Titel: Die Kreiszug-Ramme des Ingenieurs Borgnis; von Professor W. L. Volz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 1 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi01_1

Die Kreiszug-Ramme des Ingenieurs Borgnis; von Professor W. L. Volz.

Die erste und höchste Bedingung des guten Fundamentes beim Bauen ist ein fester Grund, dieser muß jedenfalls die Stütze des Ganzen seyn; einen für kleinere Bauten hinlänglich festen Grund findet man aber sehr häufig wenige Fuß unter der Oberfläche, so daß man den Bau in unmittelbare Berührung mit ihm setzt; sind aber die Gebäude von erheblichem Gewichte, und ist der Boden in der Nähe der Oberfläche nicht von entsprechender Festigkeit, so müßte man so lange graben, bis man endlich die gewünschte Unwandelbarkeit finden würde – eine Aufgabe, deren Lösung oft unmöglich wäre, und immer, bei nur einigermaßen bedeutenden Ausgrabungen, beinahe unerschwingliche Kosten bedingen würde, wenn man nicht auf das Mittel verfallen wäre, den Bau auf Stützen zu stellen, welche bis auf den festen Grund hinab und in ihn hinein ragen.

Diese Stützen sind Pfähle von Holz, in der neuesten Zeit auch von Gußeisen, von welchem letztern Material sie aber nie in salzigen Wassern angewendet werden dürfen, indem sie hier nicht ausdauern. Nur dann werden aber diese Pfähle wahre Stützen seyn, wenn sie nie sich senken, und natürlich noch weniger brechen. Es ist also erforderlich, daß sie mit einer Gewalt eingetrieben werden, welche alle Anstrengungen, die ihnen von dem Bau zugemuthet werden könnten, bei weitem übertrifft, und daß sie zuletzt auch dieser Gewalt nicht mehr weichen.

Man bewerkstelligt dieses durch die Erhebung schwerer Klötze, welche man auf die Pfähle herabfallen läßt. Diese Klötze heißt man Bären, Hoyer, Katzen, Rammbäre u.s.w.; die ganze Verrichtung aber Rammen, Schlagwerke. Die Erhebung des Bären geschieht nun entweder durch eine Anzahl Arbeiter, welche an dünneren Seilen, den Zugleinen, ziehen, die mit dem dicken, über eine Rolle laufenden Rammtau verbunden sind, an dessen anderem Ende der Bär aufgehängt ist, oder mittelst eigentlicher Maschineneinrichtung, am häufigsten Verzahnung und Kurbel.

|74|

Die ersteren dieser Rammen heißen Zugrammen, die letzteren Kunstrammen.

Bei den üblichen Zugrammen laufen alle Zugleinen in einen einzigen Knoten zusammen, so daß die Arbeiter alle im schiefen Anzug, also sehr unvortheilhaft arbeiten. Dieser Nachtheil wird desto beträchtlicher, je schiefer der Zug wird, je mehr Arbeiter also angestellt und je kürzer die Zugleinen sind.

Ingenieur Borgnis half diesem Uebelstande durch Einführung des gleichlaufenden Zuges aller Arbeiter ab, indem er einen großen Zugring in horizontaler Lage an das Ende des Rammtaues aufhing, von welchem alle Zugleinen herabgehen. Dieser Zugring muß so groß seyn, als der Kreis, auf dem sich alle Arbeiter angestellt befinden.

Die Erfahrung, aus mehr als tausend Pfähle umfassenden Rammarbeiten geschöpft, hat bewiesen, daß man mit dieser Ramme über ein Viertel der Kosten erspart.

Man wird wohl nicht leicht eine einfachere Verbesserung einer Maschine treffen, welche gleiche wesentliche Vortheile bietet, indeß hat auch sie neue Nachtheile im Gefolge. Die Größe des von dem Raumgerüste eingeschlossenen Raumes, der sogenannten Rammstube, wird nämlich bedeutend vermehrt, was ein wahrer, oft sehr ernster Uebelstand ist, dafür besitzt aber auch die Kreiszug-Ramme eine ausgezeichnete Standfestigkeit, Stabilität.

In Betreff der Ausführung bleibt noch Folgendes zu erwähnen.

Der Zugkreis könnte für eine sehr beträchtliche Anzahl Arbeiter verkleinert werden, so daß mehrere Reihen von Arbeitern hintereinander aufgestellt werden könnten.

Die Rolle fällt hier begreiflich sehr groß aus, was hinsichtlich der Leichtigkeit der Bewegung deßhalb vortheilhaft ist, weil der Widerstand, welchen die Reibung am Zapfen leistet, durch eine Kraft an dem Umfang der Rolle leichter überwunden wird, und weil die Unbiegsamkeit des Seiles einen um so geringeren Kraftverlust bedingt, als der Durchmesser der Rolle, über welchen dasselbe lauft, bedeutend ist, Dieß ist einem Jeden begreiflich, welcher ein etwas dickes Seil über eine Walze legt; er steht, daß sich dasselbe desto weniger biegt, je dicker es ist und daß es um so mehr von der Walze abstehen bleibt, je kleiner dieselbe angenommen wird. Will man also das Seil an die Walze oder Rolle angelegt haben, so wird dieses nur durch eine gewisse Kraft geschehen können, welche also offenbar bei kleinen Walzen größer als bei größeren werden muß.

Das Seil ist im Seillauf der Rolle, wie man die Rinne nennt, in welchem dasselbe liegt, dadurch festgehalten, daß dieser mit einem Schlauch von dünnen Brettern überdeckt ist; zwischen der Decke dieses Schlauches und dem Seil bleibt nur gerade so viel Zwischenraum, um keine Reibung zu gestatten.

Hierdurch kann das Seil nicht aus seinem Lauf herausspringen, was ohne diese Anordnung beim Fallen des Bären unfehlbar dadurch geschehen müßte, daß der Ring noch nach aufwärts geschleudert und dadurch das Seil aufwärts gehoben würde.

Bei den gemeinen Knotenzugrammen kommt es nicht leicht vor, daß ein Seil ausspringt.

Borgnis behauptet, daß auch hinsichtlich des Rammtaues eine wesentliche Schonung bei der Kreiszug-Ramme, in Vergleichung mit dem Knotenzugseil, stattfinde. (Aus des Verfassers: Gewerbskalender.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: