Titel: Ueber die Entstehung eines Moser'schen Lichtbildes; von Prof. Poggendorff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 7 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi01_7

Ueber die Entstehung eines Moser'schen Lichtbildes; von Prof. Poggendorff.

Das von dem Verf. beobachtete Lichtbild hatte sich gebildet, indem zwei kleine Platten Spiegelglas auf einander liegend, jedoch getrennt durch ein Paar mit Druckschrift versehener Papierblätter, eingewickelt und beschwert durch einige andere Glasplatten etwa zwei Jahre lang in einem verschlossenen Schrank, also an einem dunkeln Ort aufbewahrt worden waren. Die Platten gehörten zu einem galvanometrischen Instrument, und sollten vor einigen Tagen ihrer Bestimmung gemäß verwendet werden. Als sie zu dem Ende ausgepackt wurden, zeigte sich, daß beide auf den einander zugewendeten Seiten einen Abdruck von der Schrift des zwischenliegenden Papiers angenommen hatten. Die obere Platte wurde leider sogleich durch Abwischen mit trockner Leinwand gereinigt und es ließ sich später nur constatiren, daß die auf ihr vorhanden gewesene Schrift nicht durch Behauchen wieder herzustellen war. Die untere Platte wurde indeß sorgfältig untersucht, und zeigte dabei die folgende bemerkenswerthe Erscheinung.

Sie war auf ihrer ganzen dem Papier zugewendeten Seite von einem leichten, schmutzig weißlichen Hauche bekleidet, jedoch nicht überall gleichförmig, sondern stellenweise stärker und schwächer. Auf diesem weißlichen Grunde ließen sich ganz deutlich, so daß Buchstaben und Ziffern wohl erkennbar waren, zweierlei Schriftzüge wahrnehmen, dunkle und helle. Die dunkle Schrift, von scharfen Umrissen, war verkehrt, war also offenbar ein Abdruck von der das Glas berührenden Seite des Papiers. Die helle Schrift dagegen, die zwar deutlicher als die dunkle, aber doch weniger scharf in ihrer Begränzung war, befand sich in rechter Stellung und konnte daher mit Leichtigkeit gelesen werden. Dadurch ergab sich denn auch sogleich unzweideutig, daß sie ein Abbild von der Schrift war, die sich auf der vom Glas abgewendeten Seite des Papiers befand15).

Es hat hiernach das Ansehen, als sey die Wirkung, worin sie auch sonst bestehen mag, durch das Papier hindurch fortgepflanzt worden. Allein es muß bemerkt werden, daß der Druckbogen, von dem die Papierstücke abgeschnitten wurden, nicht vollkommen glatt gepreßt worden war, so daß die Schrift auf der Rückseite etwas aus der Ebene des Bogens hervorragte und dadurch auf dieser Seite, ungeachtet ihrer verkehrten Stellung lesbar war. Dieser Umstand macht die Annahme einer durch das Papier gegangenen Wirkung für die Entstehung des hellen Schriftbildes unnöthig, hebt aber freilich nicht den Schleier, der über diesem dunkeln Proceß sonst noch ausgebreitet ist. (Monatsbericht der Berliner Akademie, 1851, Juli.)

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Wahrscheinlich wird die obere Glasplatte ebenso zwei Bilder von dem andern, ihm anliegenden Papierstück angenommen haben; denn auch dieses Stück war auf beiden Seiten bedruckt. Uebrigens war das Papier ungeleimtes gutes weißes Druckpapier.

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