Titel: Verfahren dem Indigoblau auf den Geweben eine größere Lebhaftigkeit zu ertheilen; von L. Guillouet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 3 (S. 164–165)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi02_3

Verfahren dem Indigoblau auf den Geweben eine größere Lebhaftigkeit zu ertheilen; von L. Guillouet.

Die Erfindung besteht darin, daß man die mit Indigo gefärbten Gewebe dem Dampfdruck bei erhöhter Temperatur aussetzt.

Der blaue Farbstoff des Indigos ist bekanntlich unauflöslich und um ihn auf den Zeugen zu befestigen, muß man ihn desoxydiren, z.B. mit Eisenvitriol und Kalk; indem man die Zeuge in eine Auflösung von desoxydirtem Indigo in Kalk taucht, erhält man je nach der Zeit des Eintauchens mehr oder weniger dunkle Farben.

Der Indigo ist bekanntlich auch ein von Natur flüchtiger Körper, und dieß ist gerade eine seiner charakteristischen Eigenschaften. Ich kam daher auf den Gedanken, diese Eigenschaft desselben zu benutzen, indem man die indigoblau gefärbten Gewebe der Einwirkung einer hohen Temperatur unter einem gewissen Druck in metallenen Gefäßen aussetzt, welche für die Luft undurchdringlich und stark genug sind um einem solchen inneren Druck zu widerstehen, welcher auf die Molecüle des Indigos wirken, sie den Fasern des Gewebes einverleiben und so eine Veränderung in der physischen Constitution des Indigos hervorbringen kann.

Die Form des Gefäßes, welches man anwendet, ist gleichgültig, nur muß dasselbe mit einem Sicherheitsventil versehen seyn, und auch mit einem Hahn, durch welchen die atmosphärische Luft beim Einleiten des Dampfs entweichen kann.

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Man legt die indigoblau gefärbten Gewebe, eines über das andere, in das fragliche Gefäß auf einen hölzernen Rahmen und hüllt sie in einen Zeug ein, welcher dazu dient, ihre Berührung mit den Gefäßwänden zu verhindern und die feuchten Dämpfe, welche beim ersten Einleiten des Dampfs entstanden, zu absorbiren; man läßt dann Dampf von 2 bis 6 Atmosphären Druck einströmen. Nach Verlauf von 20 bis 30 Minuten schraubt man den Deckel vom Apparat ab, nimmt die Gewebe heraus und läßt sie erkalten, worauf sie zusammengelegt und verpackt werden können.

Diese Operation ertheilt der Farbe des Indigos einen violetten Ton, ohne den anderen auf den Geweben befestigten ächten Farben im geringsten zu schaden, welche im Gegentheil satter und glänzender werden. Das Gewebe verkürzt sich dabei nicht unbedeutend in seiner Länge, aber das Schwinden in der Breite ist kaum merklich; zugleich bekommt es eine dichtere und feinere Textur und erlangt mehr Körper und Geschmeidigkeit. (Technologiste, Decbr. 1851, S. 127.)

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