Titel: Aufbewahrung der Weintrauben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 8 (S. 167–168)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi02_8

Aufbewahrung der Weintrauben.

Reisende, die den Winter in St. Petersburg zubringen, finden oft Gelegenheit, sich über die schönen frischen Weintrauben zu wundern, mit denen sie bewirthet werden. Dieselben kommen, wie das „Ausland“ meldet, von Astrachan und sind den ganzen Winter hindurch im vortrefflichsten Zustande, von seltener Größe und Wohlgeschmack in Petersburg zu haben.

Die Aufbewahrung ist sehr einfach. Man schneidet die Trauben ab, ehe dieselben ihre vollkommene Reife erlangt haben, ohne die Beeren nur irgendwie mit |168| den Händen zu berühren, sondert alle nur im entferntesten schadhaften ab, legt nun die Trauben, so daß dieselben sich nicht berühren können, in ungeheure große steinerne Töpfe (30 Kannen Inhalts) und füllt die Zwischenräume mit Hirse aus. Eine der Hauptsachen ist nun, den ebenfalls steinernen Deckel des nach oben zu ziemlich eng auslaufenden Topfes so luftdicht als möglich auf den Topf zu schließen. Dieß geschieht auf chinesische Weise, indem man die Fuge so dick als möglich mit Glaskitt ausstreicht und zuletzt noch über diese Fuge sehr starkes Papier klebt. Sind diese Erfordernisse gehörig erfüllt, so halten sich die Trauben in den Töpfen, wie Petersburger Kaufleute versicherten, länger als zwei Jahre.

Der Berichterstatter selbst aß von dergleichen zweijährigen Trauben, deren Beeren viel größer, obgleich länglichter als unsere größten Kirschen waren und ungemein an Süßigkeit gewonnen hatten. Da nun die Entwickelung des Zuckerstoffes in den Beeren so ungemeinen Einfluß auf die Güte eines zu erzeugenden Weines hat, so wurde obige Methode des Conservirens der Trauben bereits im Großen auf die Fabrication des in Petersburg sehr beliebten Champagners vom Don (Donskoi) angewendet, welcher, an und für sich unter glühenderen Sonnenstrahlen gewonnen, hierdurch so edlen Charakter annimmt, daß derselbe, aus guten Quellen bezogen, wahrscheinlich dem ächten französischen Champagner nur äußerst wenig nachsteht.

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