Titel: Eine schottische Fabrik zur Verarbeitung von Hörnern und Klauen für Kämme etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 3 (S. 245–246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi03_3
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Eine schottische Fabrik zur Verarbeitung von Hörnern und Klauen für Kämme etc.

Die Bearbeitung des Hornes bildet in einzelnen Fabrikorten Deutschlands einen wichtigen Erwerbszweig, besonders aber setzt sie in England und Schottland mitunter ausgedehnte Etablissements in Thätigkeit. Es befindet sich z.B. in der überhaupt äußerst gewerbsamen Stadt Aberdeen (Schottland) eine solche Fabrik, die allein in diesen Arbeiten über 600 Personen beschäftigt. Es werden in derselben ungefähr 730,000 Ochsenhörner und bei 4,000,000 Pferdehufe jährlich verarbeitet, und zwar zum größten Theil zu den verschiedensten Arten von Kämmen. Aus einer Tonne roher Hörner im Ankaufspreise von 1400 Fr. werden in diesem Etablissement (das von den HHrn. Stewart, Rowell und Comp. betrieben wird) Kämme zum Verkaufspreise von 3750 Fr. erzeugt, somit bleiben 168 Proc. für Arbeitslohn. Eine Tonne Hufe im Ankaufspreis von circa 300 Fr. ergibt einen Werth von 900 Fr. an verarbeiteten Maaren; es kommen somit 200 Proc. auf die Façon oder den Arbeitslohn. Die Arbeitstheilung, die bekanntlich die erfreulichsten Resultate hervorbringen kann, ist hier vollkommen durchgeführt. Beispielsweise sey hier nur des allereinfachsten der dort gefertigten Artikel gedacht, nämlich der kleinen Wickel- oder Papillotenkämmchen, zu deren Anfertigung der Pferdehuf dient. Diese erleiden bis sie vollständig verarbeitet, in Papier verpackt und etiquettirt sind, eilf ganz verschiedene Operationen. Diese Art Kämme wurde noch vor zwanzig Jahren zum en gros Preis von 4 Fr. 35 Cent. per Dutzend verkauft und gilt gegenwärtig nur noch 3 Fr. 10 Cent. das Groß (12 Dutzend), was einer Preisherabsetzung von 1600 Proc. gleichkömmt, die nur durch den vervollkommneten Betrieb herbeigeführt werden konnte. Diese benannte Fabrik allein liefert wöchentlich circa 1200 Groß, d.h. 14,400 Dutzend der verschiedenartigsten Gattungen von Kämmen. Ihre Muster-Collection weist in diesem alleinigen Artikel 1928 verschiedene Sorten auf. In ihren Magazinen sieht man unter anderm als ein Schaustück ein Horn des indischen Büffels, von Siam kommend, ausgestellt. Dieses Horn mißt von der Wurzel bis zur Spitze 5 Fuß, hat an seinem dicken Ende einen Umfang von 16 Zoll und wiegt 12 unserer Pfunde. Das Büffelhorn, das man vorzüglich aus Ostindien bezieht, wird übrigens meistens zu Messergriffen und ähnlichen Artikeln verwendet, besonders für die Manufactur von Sheffield. Zu den Kämmen dagegen gebraucht man vorzugsweise das gewöhnliche Ochsenhorn, das vor allem von den Viehheerden Südamerika's geliefert wird, die, wie bekannt, in Brasilien und den Plata-Provinzen so zahlreich sind, daß man die Rinder fast nur der Häute und ihres Hornschmuckes wegen tödtet, indem man die Knochen und den größten Theil des Fleisches den Hunden und den wilden Thieren überläßt.

Nun noch einige, zwar möglichster Kürze unterworfene Bemerkungen über die Verarbeitung dieser anscheinend so ungefügen Stoffe. Durch Circularsägen vorerst zerschnitten, durch Dampf in Oefen besonderer Construction erweicht, gelangen die Hörner unter kräftige Blockpressen, worin die einzelnen Stücke vollkommen abgeplattet werden. Hierauf werden diese Platten je nach dem zu erzielenden Producte in die erforderlichen Formen geschnitten, wieder erweicht, auf kleinern Pressen neuerdings behandelt, und hierauf getrocknet. Den Kämmen werden sodann auf der sinnreichen Lynn'schen Schneidmaschine die Zähne eingeschnitten, was durch dieselbe mit unglaublicher Schnelligkeit geschieht. Dann folgt die weitere Ausarbeitung von Hand, Färbung und Marmorirung durch Säuren und Alkalien u.s.f. Einer ähnlichen Behandlung unterliegen auch die Hufe, nur ist bei ihnen die Anwendung eines bedeutend größern Druckgrades erforderlich. Zu diesem Zwecke finden sich in dem oben erwähnten Aberdeen'schen Etablissement 14 speciell hiefür bestimmte hydraulische Pressen vor. Der übrigen Arten von Pressen besitzt sie gegen 130. Zwei Dampfmaschinen, die eine von 50 Pferdekräften, setzen die verschiedenen mechanischen Einrichtungen in Bewegung. (Schweizerische Handels- und Gewerbe-Zeitung, 1852, Nr. 6.)

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