Titel: Ueber den sogenannten Fleischzwieback; von Hrn. Jomard.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 6 (S. 248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi03_6

Ueber den sogenannten Fleischzwieback; von Hrn. Jomard.

Man wünschte längst ein Nahrungsmittel zu besitzen, welches bezüglich seines Gewichts und Volums sehr tragbar ist, überdieß sich in allen Klimaten conservirt, ohne eine Veränderung zu erleiden, dabei angenehm schmeckt und hinreichend nährend wirkt. Ein solches ist das von Hrn. Gail Borden jun. in Texas ersonnene Nahrungsmittel (worüber bereits im polytechn Journal Bd. CXXII S. 308 berichtet wurde); es besteht aus dem besten Weizenmehl und allen nährenden Theilen des Rindfleisches. Auf der Londoner Ausstellung befanden sich Proben davon; nachdem die Mitglieder der Jury für Nahrungsmittel selbst mehrere Versuche gemacht hatten, um sich von den nährenden Eigenschaften des Fleischzwiebacks zu überzeugen, schritt man zur Analyse desselben im Laboratorium des Hrn. Dr. Lyon-Playfair. Derselbe machte drei Analysen von Stücken (welche nicht durch den Aussteller, sondern von Prof. Wilson aufs Gerathewohl ausgewählt worden waren) und erstattete dann der Jury einen Bericht, worin er sagt:

„Dieses Präparat ist von ausgezeichneter Beschaffenheit, und es gab bisher kein analoges. Ich mußte mich überzeugen, ob der thierische Theil sich darin in vollkommen gesundem Zustande und frei von aller Fäulniß befindet; dieß hat sich herausgestellt. Ueber den Vortheil dieser Verbindung der thierischen Nahrung mit der mehligen Nahrung bleibt kein Zweifel; das Stärkmehl wurde mittelst Säure in Zucker und dann in Alkohol umgesetzt, welchen letztern man in beträchtlicher Menge erhielt, ein Beweis, daß die Beimischung der thierischen Substanz in der Art geschah daß sie die Güte des ihr zugesetzten Mehls nicht beeinträchtigte; das Stärkmehl erlitt keine Veränderung, was unter dem Einfluß einer faulenden thierischen Substanz der Fall hätte seyn müssen. Die Analyse des Fleischzwiebacks gab 4,90 stickstoffhaltige Substanzen und 31,85 Fleischbestandtheile.“

Auf diesen Bericht hat die Jury der Londoner Industrie-Ausstellung dem Erfinder des Fleischzwiebacks eine der fünf großen Medaillen zuerkannt, welche für die Classe der Nahrungsmittel ausgesetzt waren.

Bei der Bereitung des Fleischzwiebacks werden dem Rindfleisch (sogleich nach dem Schlachten) die nährenden Theile mittelst eines langen Kochens entzogen. Das Wasser welches dieselben in Auflösung hält, wird bis zur Dicke des Theriaks abgedampft. Man macht es dann mit dem feinsten Weizenmehl zu einem Teig, schneidet diesen in Form von Zwieback und backt ihn im Ofen bei mäßiger Wärme. Auf diese Art wird sowohl der thierische Theil als das Mehl vollkommen ausgebacken.

In London hat Hr. William Bollaert, Nr. 2, Saint-Peters-Alley, Cornhill, und in Paris Hr. Boivin, rue Lamartine No. 27, eine Niederlage des amerikanischen Fleischzwiebacks. (Bulletin de la Société d'Encouragement, Decbr. 1851, S. 753.)

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