Titel: Prüfung von Gutta-percha-Röhren und deren Anwendung zu Pumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 2 (S. 323–324)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi04_2

Prüfung von Gutta-percha-Röhren und deren Anwendung zu Pumpen.

Auf der Maschinenwerkstatt der Mannsfeld'schen Gewerkschaften hat man vor Kurzem Gutta-percha-Röhren, welche von Ewald in Leipzig bezogen sind, in folgender Weise probirt:

1) Die erste der Probe unterworfene Röhre war im Lichten 3 Zoll weit, äußerlich 3 1/2'' stark, hatte mithin eine Wanddicke von 1/4 Zoll. Die Länge der Röhre betrug 5 1/2 Fuß. Bezüglich der Wanddicke wird jedoch bemerkt, daß selbige nicht überall gleich groß, sondern abwechselnd stärker und schwächer war und nur die Durchschnittsstärke 1/4 Zoll betrug.

Es wurde, nachdem beide Enden gehörig verschlossen und an dem einen ein Sicherheitsventil angebracht war, mittelst einer Druckpumpe Wasser in die Röhre getrieben, bis das Sicherheitsventil dergleichen ausströmen ließ. Die Belastung des Ventilhebels wurde nach und nach verstärkt, bis endlich bei 10 Pfd. der Riß erfolgte.

Bei der angewendeten Hebellänge von 12 1/2 Zoll wirkte das angehängte Gewicht im 8,333 fachen Maaße, und da der leere Hebel auf das Sicherheitsventil ein Moment von 4,25 Pfd. ausübte, der Querschnitt des Ventils 0,6 Zoll betrug, so war der Druck pro Quadratzoll

Textabbildung Bd. 123, S. 323

Die Cohäsionskraft der Gutta-percha berechnet sich hiernach auf den Quadratzoll zu

(145,9 × 3)/0,5 = 875,4 Pfd.

2) Die andere eben so weite und starke Röhre wurde auf ganz gleiche Weise probirt, hielt aber nur den Druck bis zu einer Belastung von 8 Pfunden am Sicherheitsventilhebel aus.

Es betrug demnach der Druck pro Quadratzoll

Textabbildung Bd. 123, S. 323

und hiernach die Cohäsionskraft pro Quadratzoll Gutta-percha

(118,9 × 3)/0,5 = 709,14 Pfd.

3) Mit derselben Röhre wurde ein zweiter Versuch gemacht, nachdem die beim vorigen aufgerissene Stelle abgeschnitten worden, wobei sich aber eine viel geringere Haltbarkeit ergab, nämlich:

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Textabbildung Bd. 123, S. 324

pro Quadratzoll; also die Cohäsionskraft für den Quadratzoll Gutta-percha zu

(67,1 × 3)/0,5 = 402,6 Pfd.

Diese gegen die ersten beiden Ergebnisse auffallend geringe Haltbarkeit hat wahrscheinlich doppelte Ursachen: es kann nämlich durch die beim ersten Versuche angehängte größere Belastung des Sicherheitsventiles, wodurch der erste Riß erlangt wurde, die Gutta-percha schon bedeutend von ihrer Cohäsion verloren haben, außerdem aber fand sich beim Durchschneiden auch, daß die Wand auf der einen Seite nicht 1/4 Zoll, sondern nur 1/8 Zoll stark war.

Zu Pumpenliederungen ist Gutta-percha bei der Carolusschächter Wassersäulenmaschine im Sangerhäuser Bergreviere mit ganz gutem Erfolge seit Ende 1848 in Anwendung. Gutta-percha hat gegen Liederungen aus gutem Mastrichter Sohlenleder eine mindestens doppelte, in der Regel die dreifache Dauer gehabt. Die gehobenen Grundwasser führen viel Sand, der sehr scharf ist, mithin auf die Liederung nachtheilig wirkt; und dennoch kann die durchschnittliche Dauer auf drei Monate angeschlagen werden.

Ob bei Pumpen von nur kleinem Durchmesser die Gutta-percha mit gleich gutem Erfolge zu Liederungen anzuwenden ist, muß dahin gestellt bleiben, da hierüber Erfahrungen fehlen. Möglich wäre ein etwas größerer Verlust an Wasser, da die Gutta-percha steifer als Leder ist, bei kleinen Kolbenröhren sich vielleicht weniger dicht an die Wände derselben anlegt.

Es ist nach den angeführten Versuchen unzweifelhaft, daß Gutta-percha eine bedeutende Wasserhöhe aushält, und zu empfehlen versuchsweise Pumpen aus diesem Stoffe zu fertigen. Solche Pumpen müßten beim Bergbau außerordentlich bequem seyn, da sie jede Biegung annehmen, in jeden Winkel geführt werden können und überall hinpassen. Der laufende Fuß jener Röhren ist mit 1 Thlr. bezahlt worden. (Bergwerksfreund, Bd. XIV, S. 38.)

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