Titel: Verbesserung bei der Darstellung des Französischblau auf Wolle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 6 (S. 325–326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi04_6

Verbesserung bei der Darstellung des Französischblau auf Wolle.

Die zur Darstellung des Bleu de France auf Wolle gegenwärtig übliche Methode besteht darin, daß die Waare in einem Färbebade, welches Kaliumeisencyanid (rothes Blutlaugensalz), eine Säure und Zinnchlorid enthält, bis zum Siedepunkt erhitzt und darin so lange gekocht wird, bis die rein blaue. Farbe erfolgt ist. Bei der Ausführung dieser Operation entweicht viel Cyan in Form von Blausäure. Das Verlorengehen dieses für die Bildung der blauen Farbe so wichtigen Körpers brachte auf den Gedanken, das Verfahren wo möglich dahin abzuändern, daß das Cyan ganz oder doch zum größten Theil in der Flotte zurückbleibe, und, mit Eisen verbunden, sich auf die Faser niederschlage. Deßfallsige Versuche ergaben, daß dieser Zweck dadurch erreicht werden kann, daß man dem Farbebade ein Eisenoxydsalz, und zwar am besten Eisenchlorid (salzsaures Eisenoxyd), zusetzt.

Das Färben geschieht dann auf folgende Weise. Man löst erst das rothe Blutlaugensalz in der Flotte, setzt darauf einen kleinen Theil der zu verbrauchenden Säure, dann das Chlorzinn und das Eisenchlorid zu. Die Flotte ist nun klar und von bräunlicher Färbung. Man geht mit der gut gewaschenen Wolle lauwarm hinein und erwärmt dann bis zum Sieden. Die Wolle fällt schnell dunkelgrün an und wird beim Kochen nach dem Zusatz der noch vorhandenen Säure alsbald schön blau.

Die mit diesem Färbeverfahren angestellten Versuche gaben überaus günstige Resultate. Man erhält bei Anwendung desselben einen gegebenen Farbenton mit 25 Procent weniger von rothem Blutlaugensalz, als nach dem gewöhnlichen Verfahren.

Versuche zur Feststellung des besten Verhältnisses in der Menge des zuzusetzenden Eisenchlorids ergaben, daß ein Zusatz von Eisenchlorid (gesättigte Auflösung von Blutstein in gewöhnlicher Salzsäure, oder Auflösung von Eisen in Salzsäure, in welche dann Chlor geleitet, oder die nach Zusatz von noch der Hälfte der zuerst |326| angewendeten Salzsäure, mit Salpetersäure behandelt wurde), dessen Gewicht 1/2 bis 3/4 von dem angewendeten rothen Blutlaugensalz betrug, den größten Effect hervorbrachte, ein über dieses Gewicht hinaus gehender Zusatz aber hellere Farben gab. Mit dem Zusetzen der Säure muß man bei diesem Verfahren vorsichtig seyn; man reicht hier mit weniger Säure aus wie gewöhnlich, und Weinsteinsäure gab die günstigsten Resultate. Das anzuwendende Blutlaugensalz darf natürlich kein gewöhnliches (gelbes) Blutlaugensalz enthalten, weil dann beim Vermischen mit dem Eisenchlorid ein Niederschlag von Berlinerblau entsteht, man kann daher die im Handel vorkommenden Compositionen auch nur insoweit verwenden, als sie von einem Gehalt an diesem Salz frei sind. (Deutsche Muster-Zeitung 1851, Nr. 3.)

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