Titel: Untersuchung und Bereitung einer Seife mit Stärkmehlzusatz. Von J. J. Pohl in Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 9 (S. 327–328)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi04_9

Untersuchung und Bereitung einer Seife mit Stärkmehlzusatz. Von J. J. Pohl in Wien.

Unter den vielen Verfälschungen, welchen die gewöhnliche Seife, als Gemenge mehrerer fettsauren Salze mit der Basis Kali oder Natron, ausgesetzt ist, hat außer den immer mehr überhand nehmenden Ueberfüllungen und Ueberschleifungen mit Wasser, dem Versetzen mit Schwerspath, Kreide, Thon u.s.w., die Vermischung der Seife mit Stärkmehl, besonders in Frankreich, sehr um sich gegriffen. Obwohl der Stärkmehlzusatz bei den sogenannten Seifenkugeln (savonettes) ein ganz gewöhnlicher ist, ja von Vielen bei diesem Handelsartikel, zur Bindung und Verminderung der Sprödigkeit, als nothwendig erachtet wird, und 10 bis 50 Procent der ganzen Seifenmasse beträgt, so wurde bis zur neuesten Zeit bei den glatten Seifen, welche in Riegeln vorkommen, ein Gehalt an Stärkmehl immer als Verfälschung angesehen.

Vor etwa drei Jahren kam aber in Wien unter dem Namen Wirthschaftsseife ein Product im Handel vor, welches beträchtliche Mengen Stärkmehl enthielt und vor der gewöhnlichen Seife den Vorzug haben sollte, bei verhältnißmäßig billigem Preise sehr ausgiebig zu seyn, sowie keine krystallinische Substanz auswittern zu lassen. Ich hatte Gelegenheit, das Verfahren bei Bereitung dieser Seife kennen zu lernen, und theilte dasselbe, da daraus kein Geheimniß gemacht wurde, hier mit, ebenso sollen die Resultate der Analyse dieser Seife und ihre Eigenschaften angegeben werden.

Zur Erzeugung von 100 Pfunden Seife nimmt man 6 bis 10 Pfund Stärkmehl, ferner eine Soda-Aetzlauge von 18° Baumé oder 1,145 spec. Gewicht bei 15,6°, C., bereitet aus 100 Pfunden Soda und 110 Pfunden Aetzkalk, von welcher Länge 40 Pfund auf 60 Pfund Feit zuzustechen sind. Als Fett kann entweder bloß Talg, oder der Billigkeit halber ein Gemenge von diesem mit andern Fettarten, z.B. Fischthran, verwendet werden.

Die Bereitung der Seife geschieht auf kaltem Wege durch Rühren, und das Stärkmehl ist gleich beim Beginn dieser Operation einzumischen. Die auf solche Weise erzeugte Seife ist im Innern vollkommen gleichförmig, an den frischen Schnittflächen ziemlich weiß, fühlt sich sehr elastisch an, wird aber, längere Zeit dem Einflüsse der atmosphärischen Luft dargeboten, an der Oberfläche durch Austrocknung holzbraun gefärbt.

Das bei der Bereitung zugesetzte Starkmehl ist noch in der Seife mittelst Jodtinctur durch die charakteristisch blaue Färbung der Jodstärke nachweisbar, und unter dem Mikroskope sind die einzelnen meist stark aufgequollenen Stärkmehlkörnchen zu erkennen, ja ein Theil davon ist in Folge der niedrigen Temperatur, der sie ausgesetzt waren, noch im unveränderten Zustande vorhanden. Es ließ sich daher leicht mittelst des Mikroskops darthun, daß das der untersuchten Seife zugesetzte Starkmehl-Weizenstärke war.

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Bei der Untersuchung des Wassergehaltes dieser Seife ergab es sich, daß 36,410 Procent Wasser darin enthalten war; außerdem wurden durch die Analyse 53,826 Procent an Fettsäuren, und 6,168 Procent Stärkmehl direct nachgewiesen. Das in der Seife vorhandene Natron endlich wurde nicht direct, sondern durch die Differenz von der Summe 100 bestimmt, so daß an der Angabe des Natrongehaltes der Totalfehler der Analyse haftet.

Die procentische Zusammensetzung der mittelst Stärkmehlzusatz erzeugten Seife ist folgende:

Fettsäuren 53,826
Stärkmehl 6,168
Natron 3,596
Wasser 36,410
–––––––
100

(Sitzungsbericht der kais. Akad. der Wissenschaften in Wien, Jahrgang 1851, Bd. VI. S. 582.)

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