Titel: Ueber das Präpariren von Eisenbahnschwellen und Brückenhölzern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 1 (S. 398–401)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi05_1

Ueber das Präpariren von Eisenbahnschwellen und Brückenhölzern.

Die Erfahrungen, welche auf der Magdeburg-Wittenberg'schen Eisenbahn beim Präpariren von Bahnschwellen und Brückenhölzern gemacht worden sind, stimmen im Wesentlichen mit den auf anderen Bahnen überein, indessen dürften doch folgende Einzelheiten von Interesse seyn.

1) Es wurden im Frühjahr 1847 hier auf der Baustelle Stränge auf splintigen kienenen Schwellen verlegt, die lediglich mit Kupfervitriol von etwa 10° Baumé dreimal kalt gestrichen waren. Gleichzeitig wurden andere Strange auf ganz unpräparirten Schwellen verlegt. Als im Frühjahr 1851, nach 4jähriger Dauer, die Stränge wieder aufgenommen wurden, waren die unpräparirten Hölzer gänzlich verfault, die bestrichenen dagegen äußerlich ganz Wohl erhalten. Bei genauerer Untersuchung zeigte sich jedoch, daß an denjenigen Stellen, wo durch einen Arthieb oder durch die eingetriebenen Nägel die mit Kupfervitriol durchzogene Oberfläche durchbrochen worden war, im Innern die Fäulniß mehr oder weniger um sich gegriffen hatte.

2) Die Befestigungsmittel, d.h. die Nägel, haften in kienenen präparirten Schwellen in der ersten Zeit nicht besonders, und es bedarf großer Vorsicht, daß beim starken Anheben neu verlegter Strange die Nägel nicht aus den Schwellen gezogen werden. Sitzen dieselben jedoch erst in den Schwellen, so werden sie vollständig fest und sind je länger je schwerer aus den Schwellen zu entfernen.

3) Die eisernen Nägel, welche 2 Jahre hindurch in getränkten Schwellen gesessen hatten, wurden hier mit solchen verglichen, die während 4 Jahren in ungetränkten sich befanden. Bei den letzteren war die Oberfläche noch vollständig glatt und ein Angriff durch Oxydation war nicht wahrzunehmen; an den ersteren war dagegen der Nagel an der Stelle, wo er das Holz berührt, bis etwa 1 1/2 Zoll darunter merklich angegriffen und in seinem Querschnitt allerdings nicht meßbar, aber deutlich sichtbar verringert. Die Oberfläche war an jener Stelle rauh und von sehnigem Ansehen.

4) Ueber das hier angewendete Verfahren, statt Kupfervitriol Zinkchlorid zum Tränken der Hölzer zu nehmen, liegen specielle Erfahrungen gegenüber dem Kupfervitriol noch nicht vor, dagegen wurden mit einer Anzahl von Kattunstücken Versuche angestellt, die folgendes Resultat bisher gegeben haben.

Es wurden Kattunstücke, ungebleicht und von demselben Stück entnommen, mit verschieden starken Auflösungen von Kupfervitriol, Zinkchlorid, Kreosot und Kochsalz getränkt, diese Stücke gezeichnet in einen Holzkasten gethan und dieser Kasten am 21. Februar 1851 an einem dem Regenwasser und der Sonne gleichzeitig zugänglichen Orte flach unter der Erde vergraben.

Bei einer Untersuchung am 26. April 1851 zeigten sich die mit Kochsalz getränkten Stücke bereits voller Stockflecken und zwar mit um so mehr Stockflecken, je dünner die Auflösung war. Ebenso war ein ganz ungetränktes Stück mit Stockflecken versehen, aber weniger als die Stücke mit den schwächsten Salzauflösungen.

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Am 7. Juli 1851 war das Verhältniß dasselbe; alle mit Kupfer- und Zinkauflösung getränkten Stücke waren vollständig gesund und fest. Beim Kreosot (demselben, das von der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft verwendet wird) konnte man Stockflecken wegen der Farbe nicht wahrnehmen, dagegen zeigte sich eine geringe Abnahme der Festigkeit.

Die Salzlösungen, namentlich die dünneren, hatten das Gespinnst bereits so mürbe werden lassen, daß man die Stücke kaum anfassen konnte, ohne sie zu zerreißen. Auch das ungetränkte Stück war sehr mürbe geworden, aber fester als die mit dünnen Salzlösungen getränkten.

Bei einer Untersuchung im October 1851 zeigte sich kein wesentlicher Unterschied.

Bei der am 4. Decbr. 1851 vorgenommenen genauen Prüfung ergab sich dagegen folgendes merkwürdige Resultat:

Textabbildung Bd. 123, S. 399

Es geht hieraus hervor, daß die stärksten Kupfervitriol-Auflösungen weniger als die schwächeren gewirkt haben; etwas ähnliches ist auch bei den Zinkchlorid-Tränkungen der Fall: die von 5° und 3° B. sind die besten, die Festigkeit des Zeuges ist dabei ganz erhalten.

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Bei dem Stück Nr. 15 (mit Zinkchlorid von 8° getränkt) muß ein unbekannter Nebenumstand eingetreten seyn, da sich allein in diesem Stück in der Mitte ein gelber, ganz mürber Fleck von etwa 4 Zoll Größe befindet, während der ganze übrige Theil des Stückes wohl erhalten und fest ist.

Im Allgemeinen scheint nach obigem der Kupfervitriol dem Zinkchlorid noch vorzuziehen zu seyn, wenn dieses auch alle andern bisher angewendeten und namentlich die in den Boucherie'schen Versuchen (Eisenbahn-Zeitung vom Nov. 1850) aufgeführten Stoffe – die bereits (außer dem Kupfervitriol) nach zwei Monaten mehr oder weniger vollständige Verstockung zeigten – weit übertrifft.

Concentrirte Auflösungen von Kochsalz scheinen wenig vortheilhaft, dünne Salzlösungen schädlich zu wirken.

Kreosot stellt sich den concentrirtesten Salzlösungen ziemlich gleich.

Da die sämmtlichen Kupfervitriol- und Zinkchlorid-Präparate noch keine Spur von Verwesung zeigten, so wurden dieselben von neuem unter die Erde gebracht, um weiter beobachtet zu werden.

5) Am 14. Jul. 1851 wurden, um die Wirkung der Tränkung in freier Luft zu erfahren, wiederum eine Anzahl Kattunstücke mit verschiedenen Auflösungen von Kupfervitriol, Zinkchlorid, Kochsalz, Kreosot, Theer, Brennöl und Leinöl präparirt und an einem Drahte, dem Regen und der Sonne zugänglich, aufgehängt.

Bis jetzt hat sich bei den präparirten Zeugen eine Veränderung nicht gezeigt, nur die mit Lein- und Brennöl getränkten sind merklich mürber geworden.

6) Die Präparation der Hölzer mit Zinkchlorid wurde hier ganz in derselben Weise vorgenommen, wie früher beim Präpariren der Schwellen mit Kupfervitriol, d.h. die Hölzer wurden in den Kessel gebracht, dieser luftdicht geschlossen, hierauf mit der Dampfmaschine möglichst luftleer gepumpt, dann die Flüssigkeit zugelassen, auf welche nun sechs bis acht Stunden lang ein hydrostatischer Druck von 48 Fuß Wassersäule ausgeübt wurde, worauf die Flüssigkeit abgelassen und die Hölzer aus dem Kessel entfernt wurden.

In der Hoffnung, bei den Brückenhölzern noch mehr erreichen zu können, wurde ein Dampfrohr in den Tränkungskessel geführt und die Hölzer durch den Kessel der Dampfmaschine bis auf etwa 45° R. erhitzt. Ebenso wurde, nachdem die Flüssigkeit zugelassen war und unter Druck stand, von neuem Dampf zugelassen und hierdurch eine Erwärmung von 28 bis 30° R. erreicht. Allein es zeigte sich bald, daß die derartig erwärmte Chlorzinkauflösung Eisen und selbst Messing sehr stark angriff, so daß die Hähne in den Rohrleitungen und die Ventile in den Pumpen häufig erneuert werden mußten, weßhalb die Erwärmung der Flüssigkeit bald eingestellt wurde.

Die Zinkchlorid-Auflösung, welche zu den Brückenhölzern verwendet wurde, war 8° Baumé stark, weil von der Ansicht ausgegangen wurde, daß die Länge der Wirkungsdauer von der Stärke mit abhängig seyn müßte. Die Versuche mit den Kattunstücken scheinen diese Ansicht nicht zu bestätigen.

Auf der Hannover-Bremer-Bahn wurde die Auflösung kaum 2 1/2° stark verwendet. Bei den neuen hannoverschen Bahnen soll eine 5° starke Lösung oder etwa 30fache Verdünnung der concentrirten Zinkchlorid-Auflösung angewendet werden.

7) Die Kosten betrugen hier bei 123,378 Kubikfuß getränktem Holz. 8161 Rthlr. 23 Sgr. 9 Pf. oder pro Kubikfuß ziemlich genau 23. 81 Pf.

Hievon kommen auf

Einrichtung und Reparatur der Anstalt 3,43 Pf.
Salzsäure, incl. Transport 5,71 „
Zink, incl. Transport 5,92 „
Brennmaterial 1,31 „
Aufsicht, Maschinisten- und Heizerlohn 1,71 „
Transport der Hölzer 5,73 „
––––––––
zusammen 23,81 Pf.

In diesen Kosten liegen einerseits die bedeutenden, gegen 600 Rthlr. betragenden Umänderungskosten der Anstalt, um 50 Fuß lange Hölzer tränken zu können, andererseits wurde der Transport der langen und meist schweren Brückenhölzer, die mehrere hundert Schritte weit ab- und zugetragen werden mußten, ziemlich theuer |401| und lassen eine directe Vergleichung mit unsern Kosten beim Tränken mit Kupfervitriol nicht zu.

Um dieß zu erreichen, hat man jedoch nur nöthig, die Kosten für Kupfervitriol und Zinkchlorid pro Kubikfuß Holz mit einander zu vergleichen, da bei allen übrigen Positionen in beiden Fällen dasselbe gezahlt werden muß.

Nach den vom Baumeister Alisch angestellten Berechnungen, die mit den hier gewonnenen Resultaten sehr gut übereinstimmen, wurde pro Schwelle 1,6 bis 1,64 Pfund Kupfervitriol gebraucht. Die Schwellen hatten 3 bis höchstens 3 1/4 Kubikfuß Holz, was pro Kubikfuß 0,51 bis 0,53 Pfund Kupfervitriol ergeben würde und sehr gut zu den speciellen Versuchen paßt, die der Baumeister Alisch über das Aufsaugen durch 150 Kubikfuß Holz anstellte, deren Berechnung in einem Berichte vom 24. August 1850 aufgestellt wurde. Das Pfund Kupfervitriol kostete franco hier 3 Sgr. 4 Pf., pro Kubikfuß Kienenholz waren nöthig 0,51 Pfund Kupfervitriol, macht 1 Sgr. 8 1/2 Pf.

Nach obiger Zusammenstellung wurde gebraucht pro Kubikfuß Kienenholz an

Salzsäure 1,062 Pfd. = 5,71 Pf.
Zink 0,316 = 5,92 „
––––––––
zusammen 11,63 Pf.

so daß pro Kubikfuß ziemlich 9 Pf. am Material gegen Kupfervitriol gespart worden ist, trotzdem daß wir durchgängig Flüssigkeit von 7 1/2 bis 8° B. verwandten, während allem Anschein nach bei Bahnschwellen eine Stärke von 4 bis 5° vollständig genügt hätte, wodurch die Ersparung pro Kubikfuß auf circa 1 Sgr. oder ziemlich auf die Hälfte der Kosten der Tränkung mit Kupfervitriol gestiegen wäre.

Wird hierbei noch berücksichtigt, daß bei Zinkchlorid-Verwendung auch eiserne Kessel statt der kupfernen gebraucht werden können, und daß dadurch die Kosten des Apparats gleichfalls um die Hälfte ermäßigt werden, so kann man bestimmt annehmen, daß die Tränkung mit Zinkchlorid von 4 bis 5° B. etwa halb so theuer zu stehen kommt, als mit Kupfervitriol von 3 1/2° B.

8) Die Tränkung mit Zinkchlorid bietet außer dem Vortheil, daß Eisen in kaltem Zustande gar nicht von demselben angegriffen wird, noch den Vortheil dar, daß es einerseits die Farbe des kienenen Holzes gar nicht verändert, andererseits jeden Oelanstrich gut verträgt, während mit Kupfervitriol getränktes Holz jeden Oelanstrich abwirft. Dadurch ist man im Stande, auch bei anderen Arbeiten (Fenster, Thüren, Gartenbänken, Tischen u.s.w.), die dem Faulen sehr ausgesetzt sind, getränktes Holz zu verwenden. Die hier vorgenommenen Proben zeigten, daß die Bearbeitung dieses Holzes, namentlich die Leimung, sehr gut von statten ging. Dagegen zeigte sich das Holz beim Hobeln kurz; ob die Elasticität durch das Tränken gelitten hat, darüber sollen jetzt Versuche angestellt werden.

9) Die Bereitung des Zinkchlorids ist sehr einfach, indem in steinerne Töpfe auf zerschlagene rohe Zinkplatten, wie sie im Handel vorkommen, Salzsäure von 21 bis 22° Baumé gegossen wird, worauf sich unter starker Wärme-Entwicklung salzsaures Zinkoxyd bildet.

Man muß die Töpfe einige Tage, mindestens 48 Stunden stehen lassen, um möglichst starke und möglichst wenig saure Auflösungen zu erhalten.

Bei trockenem warmem Wetter wurden die Auflösungen 56 bis 58° B. stark, bei feuchter und kalter Witterung gelang es nur 52° B. zu erreichen, und mußte eine Erwärmung im Sandbade vorgenommen werden um die vorgeschriebene Starke von 56° zu erhalten.

Hierbei lösen 3 Gewichtstheile Salzsäure circa 1 Gewichtstheil Zink auf; um jedoch vor überschießender reiner Salzsäure sicher zu seyn, ist es gut, immer Ueberschuß an Zink in den Auflösungsgefäßen zu haben.

Die durch die Selbstbereitung des Zinkchlorids entstehenden Kosten sind höchst unbedeutend und haben pro Kubikfuß des getränkten Holzes keinen halben Pfennig betragen.

Magdeburg, im Januar 1852.

v. Unruh. Benda.

(Eisenbahn-Zeitung, 1852, Nr. 4.)

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