Titel: Bourdin's Harzcomposition als Radirgrund. Von J. J. Pohl in Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 5 (S. 403–404)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi05_5

Bourdin's Harzcomposition als Radirgrund. Von J. J. Pohl in Wien.

Im Jahre 1844 brachte der kaiserliche Rath Reuter bildliche Darstellungen aus Paris nach Wien, welche durch Abdrucken von auf Harzgrund gravirten Zeichnungen erhalten wurden, und bei der vorletzten Pariser Industrieausstellung von Bourdin erponirt waren. Die im k. k. technischen Cabinette befindlichen Probeabdrücke und Originalmatrizen zeichnen sich durch scharfe Contouren vortheilhaft vor den gewöhnlichen Holzschnitten aus.

Die Unterlage zu dem neuen Radirgrund, welcher die Holzschnitte ersetzen soll, ist Blei oder eine Legirung dieses Metalles, an der ganzen Oberfläche mit Kerben versehen, auf welche unmittelbar eine spröde, harte Masse von rothbrauner Farbe aufgetragen erscheint, in welche die abzubildenden Darstellungen gravirt werden. Die nähere Untersuchung der plastischen Masse ergab, daß dieselbe in Terpenthinöl und Alkohol nur zum Theil löslich sey, ferner zeigte sich beim Einäschern ein starker Geruch nach Schellack unter Hinterlassung eines rothbraunen Rückstandes, der aus Eisenoxyd und Kieselsäure (Quarzsand) bestand.

Zufolge einer quantitativen Analyse bestehen 100 Gewichtstheile des Radirgrundes aus: 63,3 Theilen Harz, 28,7 Kieselsäure und 8,0 Eisenoxyd.

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Nach späteren Mittheilungen, welche mir zukamen, soll das Eisenoxyd ganz oder theilweise durch Ziegelmehl ersetzt werden können, die von mir untersuchte Pariser Originalmasse enthielt jedoch bloß Eisenoxyd.

Da das im Handel vorkommende Eisenoxyd stets etwas kieselsäurehaltig ist, und beim Schmelzen der Masse kleine Mengen von Harz sich zersetzen und verflüchtigen, so versuchte ich zur Darstellung des Radirgrundes folgende Mischung: 64 Theile Schellack, 28 Thle. Kieselsäure und 8 Theile Eisenoxyd. Die Erfahrung zeigte jedoch, daß es bei bloßer Anwendung von Schellack höchst schwierig sey, eine vollkommen gleichförmig geschmolzene und glatte Masse zu erhalten, wogegen ein Gemisch von 60 Gewichtstheilen Schellack und 4 Thln. venetianischem Terpenthin bei sonst unveränderten Mengen der übrigen Bestandtheile ein ganz befriedigendes Resultat lieferte. Die auf diese Weise erhaltene Masse war nach dem Zusammenschmelzen gleichförmig, in Farbe etwas lichter als das Pariser Original, besaß aber dieselbe Härte sowie Sprödigkeit, und lieferte beim Radiren vollkommen scharfe Striche. Um schöne Bilder zu erhalten, muß aber die Masse vor dem Gebrauche ganz eben geschliffen werden, was mit den gewöhnlichen Schleif- und Polirmitteln leicht gelingt. (Sitzungsber. der kais. Akadem. d. Wissensch. in Wien. Jahrg. 1851, Bd. VI S. 580.)

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