Titel: Ueber die Statuen und Edelsteine, welche im Londoner Krystallpalast ausgestellt waren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 6 (S. 404)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi05_6

Ueber die Statuen und Edelsteine, welche im Londoner Krystallpalast ausgestellt waren.

Die Erscheinung der ausgestellten Gegenstände hängt ebensosehr von der Beschaffenheit des sie aufnehmenden Gebäudes ab, wie von ihrem individuellen Charakter. In einem Gebäude, welches das ganze Himmelslicht, außer wo dasselbe durch die Balken seines Zimmerwerks verdunkelt wird, zuläßt, könnte eine günstige Ausstellung von Gemälden nicht vorgenommen werden, Während sich Statuen vortheilhaft aufstellen lassen. Wenn ein Oelgemälde von zahlreichen Punkten her oder durch breite Lichtbüschel beleuchtet wird, so zerstört die dadurch sichtbar gewordene Firnißoberfläche die feinsten Pinselstriche des Künstlers und hebt die von ihm hervorgebrachte Täuschung auf. In gleicher Weise verlieren Edelsteine, wie der Diamant, welche hauptsächlich durch die von ihnen hervorgebrachten prismatischen Bilder so schön erscheinen, in einem Krystallpalast ausgestellt, ihren ganzen Reiz, während Edelsteine und andere werthvolle Steine, die ihre Schönheit ihrer Farbe verdanken, sich sehr vortheilhaft ausnehmen. Der große Koh-i-noor, oder der Lichtberg, der Durra-i-noor, oder das Lichtmeer, und der schöne blaue Diamant des Hrn. Hope haben, wie sie jetzt beim Tageslicht ausgestellt sind, weniger Effect als ein Stück Glas von gleicher Größe und gleichem Ton, in einem Privatzimmer mit zwei bis drei Fenstern ausgestellt, haben würde. Bei den durch breite Lichträume erzeugten prismatischen Bildern werden alle Farben wieder zu weißem Licht verbunden; daher fand sich jedermann beim ersten Anblick dieser merkwürdigen Steine in seiner Erwartung getäuscht. Auch unter andern Umständen verschwinden die schönen Farbenbrechungen des Diamants. Wenn nämlich die Diamanten sehr klein und dicht an einander gefaßt sind, so vermengen sich die zahlreichen von ihnen erzeugten prismatischen Bilder und erzeugen auf der Netzhaut des Auges weißes Licht; dabei nimmt die Farbe in dem Verhältniß ab, als die Anzahl der Lichter größer wird. Sind jedoch kleine Diamanten in gehörigem Abstand von einander, so erscheinen sie am vortheilhaften, wenn die Lichter scharf und zahlreich sind.

Da der Anblick seltener Edelsteine stets ein großes Interesse gewahrt, weil sie in Mineraliensammlungen nicht vorkommen und im Besitze von Privatpersonen nur selten gesehen werden können, so wäre zu wünschen gewesen, daß alle Diamanten (wie der Koh-i-noor an Freitagen und Samstagen) in einem dunkeln, mit vielen kleinen, glänzenden Lichtern erleuchteten Raum angebracht worden wären. Bevor man dieß mit dem Koh-i-noor that, hatte kein Besucher der Ausstellung einen Begriff von seiner Reinheit und Schönheit (North British Review, 1851, Nr. 30.)

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