Titel: Ueber das Zerspringen des Cylinders einer Centrifugalmaschine, welche in einer Zuckerfabrik zu Arleux in Frankreich zum Reinigen des Zuckers angewendet wurde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 2 (S. 469–470)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi06_2
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Ueber das Zerspringen des Cylinders einer Centrifugalmaschine, welche in einer Zuckerfabrik zu Arleux in Frankreich zum Reinigen des Zuckers angewendet wurde.

Am 18. December 1850 fand in einer Zuckerfabrik zu Arleux im französischen Norddepartement, ein sehr beklagenswerther Unfall statt. Der Cylinder eines Centrifugalapparates, welcher zum Reinigen des Zuckers angewendet wurde, zersprang, und die Stücke aller Größen wurden nach allen Richtungen umhergeworfen; drei Menschen wurden getödtet, zwei verwundet, Röhren wurden zerrissen. Stücke Blech durchbohrt und die Mauern des Gebäudes sehr bedeutend beschädigt. Der Apparat ist demjenigen sehr ähnlich, auf welchen die HHrn. Rolhfs und Seyrig ein Erfindungspatent genommen haben (beschrieben im potytechn. Journal Bd. CXVI S. 382), und der jetzt in sehr vielen Fabriken in Frankreich und in England angewendet wird. In Beziehung auf Festigkeit ist er aber wesentlich davon verschieden.

In der Hauptsache besteht er aus einem gußeisernen Cylinder, in welchen die zuckerhaltige Flüssigkeit gethan wird; die Oberfläche dieses Cylinders ist mit einer großen Menge (910) Löchern von 1 Centimeter Durchmesser versehen; derselbe dreht sich mit einer Geschwindigkeit von 1000–1200 Umgängen in der Minute um seine Achse. Die Flüssigkeit wird nach außen geschleudert und von einem äußeren Mantel aufgenommen, während der Zucker an dem metallenen Gitter, welches im Inneren angebracht ist, hängen bleibt.

Dieser gußeiserne Cylinder hat 0,80 Meter im Durchmesser und ist 0,30 Meter hoch; die Wände sind 0,006 Meter dick und er dreht sich, wie bemerkt, mit einer Geschwindigkeit von 1000 Umgängen in der Minute um sich selbst. Die Centrifugalkraft übt auf die gußeiserne Wand einen Druck von 4,67 Kilogrammen per Quadratmillimeter aus; wenn die Geschwindigkeit 1820 Umgänge in der Minute erreicht, so wird der Druck gleich 9,69 Kilogrammen per Quadratmillimeter, und ist alsdann fast gleich der absoluten Festigkeit der gußeisernen Wand.

Der Bergwerks-Oberingenieur des Nord-Departements, welcher den Druck berechnet hat, den die Centrifugalkraft auf die Cylinderwand ausübt, hat aus den erlangten Resultaten mit Recht die Folgerung gezogen, daß der zu Arleux angewendete Apparat gefährlich, und daß es nicht zweckmäßig sey, zu Cylindern die eine so große Umlaufgeschwindigkeit annehmen müssen. Gußeisen zu nehmen. Die Apparate von Rolhfs und Seiryg sind minder gefährlich, indem die Cylinder aus gutem Eisenblech bestehen. Apparate letzterer Art sind in den Zuckerraffinerien der Umgebung von Paris in großer Menge vorhanden, haben aber nie zu Unfällen Veranlassung gegeben. (Annales des Mines, 4te Reihe, Bd. XX, S. 79.)

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