Titel: Ueber Gillard's Beleuchtung mittelst Verbrennung des Wasserstoffgases; von B. Silliman jun.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 3 (S. 470–471)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi06_3

Ueber Gillard's Beleuchtung mittelst Verbrennung des Wasserstoffgases; von B. Silliman jun.

Ich hatte Gelegenheit die erfolgreiche Anwendung von Hrn. Gillard's Patent (polylech. Journal Bd. CXVI S. 222) in der großen Fabrik plattirter Silberwaaren des Hrn. Christofle in Paris zu sehen. Bekanntlich benutzt Gillard das Wasserstoffgas zum Beleuchten und zum Hervorbringen großer Hitze, indem er es in Berührung mit einer Spirale von Platindraht verbrennt. Das Wasserstoffgas wird durch Zersetzung des Wassers gewonnen; der Apparat dazu ist sehr einfach und besteht in der Hauptsache aus einem oder mehreren eisernen Cylindern, welche in einem Ofen horizontal (wie die Kohlengasretorten) angebracht sind. Diese Cylinder oder Retorten werden mit Holzkohle in kleinen Stücken von gleichförmiger Größe beschickt und sehr stark geheizt. Durch jede Retorte leitet man Wasserdampf in einem Rohr, welches mit zahlreichen sehr kleinen Löchern versehen ist, die so angebracht sind, daß sie den Dampf gleichförmig und stufenweise über den erhitzten Kohlenstückchen verbreiten. Der Kessel zur Dampferzeugung befindet sich in demselben Ofen, |471| welcher zum Erhitzen der Retorten dient. Der Wasserdampf wird in Berührung mit den Kohlen zersetzt, wobei Kohlensäure, eine kleine Menge Kohlenoxyd, freies Wasserstoffgas und eine gewisse Menge leichtes Kohlenwasserstoffgas entstehen. Dieses Gasgemisch leitet man durch einen Kalkreiniger, um die Kohlensäure abzuscheiden und das Product ist dann ohne weiteres Waschen und Reinigen verwendbar. Da es fast gänzlich aus Wasserstoffgas besteht, so gibt es bei seiner Verbrennung nur eine sehr schwach leuchtende Flamme; man muß es daher in Berührung mit einem Gehäuse oder Netzwerk aus feinem Platindraht verbrennen, welches einen gewöhnlichen Argand'schen Brenner umgibt, den man mit einem Zugglas versieht. Solche Gaslampen geben ein außerordentlich lebhaftes und konstantes Licht.

Diese Erfindung gewährt folgende Vortheile: 1) Das so erzeugte Gas ist wohlfeiler als jedes andere künstliche Licht, da es nach der Behauptung des Hrn. Gillard, welche Hr. Christofle aus Erfahrung bestätigt, nur beiläufig 1/16 soviel kostet, als durchschnittlich das Steinkohlengas (?). 2) Dieses Gas hat keinen unangenehmen Geruch, weil es von den im Oel und Steinkohlengas enthaltenen flüchtigen Kohlenwasserstoffen ganz frei ist. 3) Die Producte seiner Verbrennung bestehen fast bloß in Wasser, da bei der Verbrennung so wenig Kohlensäure entsteht, daß man dieselbe füglich unberücksichtigt lassen kann. 4) In allen bestehenden Gasanstalten läßt sich diese Leuchtgasbereitung mittelst einer unbedeutenden Abänderung der Retorten und ohne wesentliche Veränderung in den anderen Theilen des Apparates einführen, nur muß man die Argand'schen Brenner mit Platingehäusen versehen. 5) Die Wohlfeilheit dieses Gases gestattet dasselbe mit Vortheil als Heizmaterial zum Kochen und für zahlreiche Zwecke in den Gewerben anzuwenden. So sah ich in der Fabrik des Hrn. Christofle plattirtes Silber mit Schnelligkeit und mit der größten Reinheit vermittelst eines kräftigen Strahls dieses Gases löthen, der durch einen pneumatischen Apparat hervorgebracht wurde. Da man mit diesem Gase so leicht an jeder Stelle zu jeder Zeit eine intensive Hitze hervorbringen kann, wozu noch der Vortheil kommt, daß der Wasserstoff das wirksamste Reduktionsmittel ist, so ist dieses Verfahren zu löthen jedem andern vorzuziehen. 6) Die Belästigung der Nachbarschaft durch große Steinkohlengas-Anstalten fällt bei dem neuen Gase ganz weg. 7) Die erforderlichen Einrichtungen sind so einfach und wohlfeil, daß jede Fabrik etc. sich mit einem Apparat zum Heizen und Beleuchten nach Gillard's Methode versehen kann. (Silliman's american Journal of science, September 1851.)

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