Titel: Verfahren, um schöne Schauabdrücke von Siegeln zu machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 123/Miszelle 8 (S. 474–475)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj123/mi123mi06_8

Verfahren, um schöne Schauabdrücke von Siegeln zu machen.

Die Londoner Siegelstecher erzeugen ihre Mustersiegel auf folgende Weise. Der gravirte Stein oder das Pettschaft wird über einer Lichtstamme, über welcher man es kreisförmig bewegt, daß es sich nicht ungleich erhitze, erwärmt, bis es so heiß ist, daß man es kaum noch auf der Hand halten kann; dann wird es mittelst einer kleinen weichen Bürste mit einer dünnen Talgschicht überstrichen und über diese feinster Zinnober mit einem Haarpinsel ausgetragen. Der Siegellack wird erwärmt und soviel zum Abtropfen gebracht, als man für das Siegel braucht; dann wird das kleine steife Papier über das Licht in solcher Entfernung gehalten, daß es von der Flamme nicht berührt wird, noch anbrennen kann. Sobald der Lack weich geworden, wird er mit einem dünnen Stäbchen stark umgerührt, daß Luftbläschen und alle schwarzen Rauchtheilchen entfernt werden. Ist so das Siegel und der Siegellack vorbereitet, so faßt man das erstere zwischen Daumen und zwei Finger, hält |475| es einige Linien bei aufgelegtem Arm über den Siegellack und stellt es mit einer kurzen Bewegung darauf. Sogleich darauf ertheilt man mit der Hand dem Knopf des Stiels einen leichten aber sicheren Schlag. Bei Hervorbringung von Siegeln mit Lack ist ein kurzer Schlag besser, als ein dauernder starker Druck, durch welchen das Siegel leicht zum Gleiten gebracht wird; die auf solche Art gemachten Abdrücke sind sehr scharf und haben durch die dünne Zinnoberschicht ein weniger glänzendes, gefälliges Ansehen. (Schweizerisches Gewerbeblatt, 1852, S. 16.)

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