Titel: Gentele's Untersuchung einiger chromsauren Salze.
Autor: Gentele, Johan G.
Fundstelle: 1852, Band 125, Nr. XCVIII. (S. 450–453)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj125/ar125098

XCVIII. Untersuchung einiger chromsauren Salze, und über die Anwendbarkeit des chromsauren Chlorkaliums zur Darstellung von Chlorgas und Chromoxyd; von J. G. Gentele in Stockholm.

Für das zweifach-chromsaure Ammoniak hatte Darby 84) angegeben, daß es sich nicht als eine Ammoniumoxydverbindung betrachten lasse, sondern NH³, 2 CrO³ sey. Dieses wurde seitdem von H. R. Richmond u. J. S. Abel 85) widerlegt, welche fanden, daß in diesem Salz allerdings Ammoniumoxyd anzunehmen ist, weil es über Schwefelsäure im luftleeren Raume getrocknet, der Formel NHO, 2 CrO³ entspricht. Nach der Veröffentlichung von Darby's Abhandlung ersuchte mich Hr. Professor L. Svanberg dieses Salz ebenfalls zu untersuchen; nachdem jetzt die Versuche von Richmond u. Abel bekannt geworden |451| sind, würde ich es unterlassen, meine Resultate noch mitzutheilen, wenn es nicht im Zusammenhang mit einigen Beobachtungen von praktischem Interesse geschehen könnte.

Ich stellte Chromsäure durch Zersetzung von zweifach-chromsaurem Kali mit Schwefelsäure und Umkrystallisiren des Niederschlags bar. Von einer Auflösung dieser Chromsäure in Wasser neutralisirte ich die eine Hälfte mit Ammoniak und goß dann die andere Hälfte hinzu; die Flüssigkeit lieferte nach dem Abdampfen das zweifach-chromsaure Ammoniak in schönen Krystallen. Dieses Salz ist durch Umkrystallisiren leicht frei von Schwefelsäure zu erhalten; ich überzeugte mich aber, daß es absolut kalifrei kaum mit Chromsäure dargestellt werden kann, welche mit zweifach-chromsaurem Kali bereitet worden ist. Die geringe Menge des in der Chromsäure zurückgebliebenen Kalis sammelt sich nämlich beim Umkrystallisiren des sauren chromsauren Ammoniaks in demselben an, indem es mit ihm zusammenkrystallisirt. Bei der Analyse des Ammoniaksalzes erhält man dann einen zu großen Rückstand von Chromoxyd, weil demselben chromsaures Kali beigemengt ist. Darby hatte ohne Zweifel ein solches kalihaltiges Ammoniaksalz analysirt und das Kali war auch in die von ihm mit dem Ammoniaksalz dargestellten Doppelsalze übergegangen. Wenn man diesen Umstand kennt, läßt sich die Analyse des sauren chromsauren Ammoniaks leicht ausführen, indem man das ihm beigemischte zweifach-chromsaure Kali abrechnet; man befreit das nach dem Verpuffen und schwachen Nachglühen im Platintiegel verbliebene und gewogene Chromoxyd durch Aussüßen vom Kalisalz, worauf man das Chromoxyd wieder glüht und wiegt. So fand ich bei der Analyse von Ammoniaksalzen, welche 1/4 bis 1 Proc. zweifach-chromsaures Kali enthielten, daß 100 Th. der reinen Verbindung 60,9 und 61,1 Chromoxyd hinterließen, während zweifach-chromsaures Ammoniak (NH³, 2 CrO³) 66,1 Chromoxyd hinterlassen müßte, ein Beweis, daß das Salz der Formel NHO, 2 CrO³ entspricht. Darby erwähnt, daß das Chromoxyd in Salzsäure etwas löslich sey; er täuschte sich hier durch den Gehalt desselben an chromsaurem Kali, welches durch die Salzsäure zersetzt wurde.

Bei meinen Versuchen, durch Erhitzen im Oelbade aus dem Salz Wasser auszutreiben, um eine Verbindung von Darby's Zusammensetzung zu erhalten, bekam ich bloß negative Resultate; als das bei 100° C. getrocknete Salz in einer Glaskugel im Oelbade in einem trocknen Luftstrom bis 155° C. erhitzt wurde, verloren 1689 Milligr. nur 3 Milligr. Das Salz explodirte einmal bei 168°, das anderemal bei 170° C., ohne die Glaskugel zu zertrümmern, und der Chlorcalciumapparat |452| sammt dem Aspirator war jedesmal mit Nebeln von Salpetersäure angefüllt; ob an dieser schnellen und reichlichen Bildung von Salpetersäure auch der Luftstrom Theil hatte, habe ich nicht untersucht.

Da mir das oben genannte Salz, welches 1/4 bis 1 Proc. zweifach- chromsaures Kali enthält, für die Anwendung zur Elementar-Analyse organischer Körper nicht entsprach – obgleich sich aus dem Gehalt an Chromoxyd seine Zusammensetzung berechnen läßt – so untersuchte ich, ob sich unter anderen Umständen die Chromsäure mit Ammoniak vereinigen lasse. Ich fand aber, daß trocknes Ammoniakgas von wasserfreier Chromsäure gar nicht absorbirt wird; erhitzt man letztere darin, so entsteht theils Chromoxyd, theils ein ganz unlöslicher brauner Körper, wahrscheinlich Stickstoff-Chrom.

Ich stellte hierauf das von Peligot entdeckte zweifach-chromsaure Chlorkalium (KCl, 2 CrO³) dar, in der Meinung die Chromsäure desselben mit wasserfreiem Ammoniak verbinden zu können; dieses Salz verhielt sich aber zu Ammoniakgas gerade so wie die trockne Chromsäure.

Peligot's chromsaures Chlorkalium zeigte bei diesen Versuchen Eigenschaften, welche mich veranlassen es der Beachtung der Chemiker zu empfehlen. Als ich nämlich eine Portion dieses Salzes bei 100° C. trocknen wollte, bemerkte ich daß es reichlich Chlorgas entwickelte; ich fand dann, daß es seinen ganzen Chlorgehalt sehr rasch abgibt, wenn man es in einer kleinen Retorte über einer Weingeistlampe schmilzt, so zwar, daß der Rückstand – welcher aus zweifach- und einfach-chromsaurem Kali nebst Chromoxyd besteht – mit Salpetersäure versetzt, nach der Reduction der Chromsäure durch Alkohol, gar nicht mehr auf Chlor reagirt.

Da das chromsaure Chlorkalium so leicht darzustellen ist, und über Schwefelsäure auf Papier getrocknet werden kann, so ist es ein schätzbares Material, um im Kleinen reines und trocknes Chlorgas schnell zu entwickeln; den Rückstand, welcher 5/6 des chromsauren Kalis enthält, braucht man nur in Salzsäure aufzulösen, um wieder chromsaures Chlorkalium zu erhalten; für den zersetzten sechsten Theil der Chromsäure bekommt man Chromoxyd. Man ist bei dieser Chlorgas-Entwicklung des in vielen Fällen erforderlichen Waschens und Trocknens des Gases und folglich der größeren Anzahl von Lutirungsstellen am Apparat überhoben.86)

|453|

Das chromsaure Chlorkalium, welches so leicht frei von Schwefelsäure darzustellen ist, liefert auf die einfachste Weise ein sehr schönes Chromoxyd, und dürfte daher auch zur Bereitung dieses Oxyds zu empfehlen seyn.

|450|

Liebig's Jahresbericht für 1847 u. 1848, S. 416.

|450|

Liebig's Jahresbericht für 1850, S. 312.

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Um das chromsaure Chlorkalium zu bereiten, läßt man zweifach-chromsaures Kali mit Wasser, welchem Salzsäure zugesetzt ist, einige Zeit sieden. |453| Beim Erkalten schießt die Verbindung in rothen, durchsichtigen, durchaus nicht zerfließlichen, geraden Prismen mit quadratischer Basis an.

Von reinem Wasser werden diese Krystalle zersetzt (in Salzsäure und Bichromat) und beim Abdampfen erhält man dann Krystalle von zweifach-chromsaurem Kali. – In Wasser hingegen, welches mit Salzsäure versetzt ist, jedoch nicht mit so vieler, daß die Chromsäure dadurch in Chromchlorür verwandelt wird, löst sich das Salz unzersetzt auf, und kann beim Erkalten daraus wieder in der früheren Krystallform erhalten werden. (Poggendorff's Annalen, 1833, Bd. XXVIII S. 438.) A. d. Red.

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