Titel: Die Kartoffelkrankheit keine neue Erscheinung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 125/Miszelle 11 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj125/mi125mi01_11
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Die Kartoffelkrankheit keine neue Erscheinung.

Fast allgemein wird die seit mehreren Jahren herrschende Kartoffelkrankheit als eine neue Erscheinung angesehen. Und dennoch scheint dieß nicht der Fall, sondern dieselbe auch schon früher beobachtet worden zu seyn. Bei der großen Wichtigkeit der Sache und dem allgemeinen Interesse dafür dürften viele Leser dieses Blattes gern vernehmen was schon früher darüber bekannt geworden ist. Thaer, ein anerkannt zuverlässiger Schriftsteller, sagt in seinem schon im Jahre 1806 erschienenen Werke über die englische Landwirthschaft S. 351 im wesentlichen folgendes: „Kartoffeln mißrathen bei einer ordentlichen Behandlung nicht leicht, doch ist es zuviel gesagt wenn manche behaupten es geschehe niemals. In England hat man häufig eine Krankheit an denselben bemerkt, die man Curl 16) nennt, und die ich, da in deutschen Schriften nichts davon gefunden wird, nur in England einheimisch glauben würde, wenn ich sie nicht im Jahr 1790 selbst, obwohl nur auf einem Flecke gesehen hätte. Wenn die Kartoffeln in voller Blüthe stehen und blühen wollen, so schrumpft auf einmal das Kraut zusammen, welkt und trocknet. Es gibt dann eine sehr kärgliche Ernte.“

Er fährt, was sehr merkwürdig und bezeichnend ist, fort: „Man hat die wahre Ursache dieser Krankheit noch nicht entdeckt, soviel ist aber ausgemacht, daß sie nicht im Boden, in einer gewissen Behandlungsart, oder in der Witterung liegt, sondern in der Pflanzkartoffel.“ „Es sind von vielen englischen Societäten Preise auf die Untersuchung dieses Uebels ausgesetzt worden und eine Menge Schriften17) eingelaufen, aber alle Meinungen und Erfahrungen sind bis jetzt widersprechend.“

Thaer glaubt, daß ein Insect, das seinen Samen, der nicht entdeckbar, in die Kartoffel lege, daran schuld sey, und bemerkt: daß man um die Krankheit zu verhüten, Kartoffeln aus Samen erzogen gepflanzt habe, diese aber am ärgsten mitgenommen worden seyen.

Er räth, sobald dieser Curl sich auch nur an etlichen Pflanzen zeige, anderswoher neue Pflanzenkartoffeln kommen zu lassen. Große, gesunde, insbesondere rothe Kartoffeln hätten sich immer gut gehalten.

Bei dem so nahen Zusammentreffen der beschriebenen Umstände mit den neuern Beobachtungen kann man nicht umhin die beiden Krankheiten für dieselbe zu halten; zweierlei so ganz ähnliche Krankheiten bei derselben Pflanzengattung anzunehmen geht nicht an. Diese Bemerkung ist nicht unwichtig und enthält etwas tröstliches. Konnte sich die Krankheit, obgleich sie schon in den 90ger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Deutschland und noch früher in England in größerer Ausdehnung erschienen war, von selbst wieder verlieren, oder so vermindern daß der Kartoffelbau bis vor etwa sechs Jahren ungestört betrieben werden konnte, so darf, wenn auch jetzt das Uebel länger anhält, doch gewiß die Hoffnung nicht aufgegeben werden, daß es sich wieder verlieren, oder daß ein Mittel demselben zu begegnen werde gefunden werden. Es wäre, wenn die dießjährige Ernte nicht verschont bleibt, zu wünschen daß ein paar Jahre lang der Kartoffelbau ganz eingestellt und dann mit neuer Saatfrucht wieder begonnen werden könnte, oder da dieß nicht durchzuführen ist, der Kartoffelbau, was auch im Interesse des einzelnen liegt, aufs äußerste so lange beschränkt werden möchte, bis die Krankheit selbst aufhört oder ein Mittel dagegen gefunden wird. (Allgemeine Zeitung, 1852 Nro. 186.)

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Wohl am besten Kräuselkrankheit zu übersetzen.

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Allein in den Bath Papers sind die Auszüge von 18 Schriften von der Societät bekannt gemacht worden.

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