Titel: Schreibtafeln aus Porzellan.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 125/Miszelle 5 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj125/mi125mi01_5

Schreibtafeln aus Porzellan.

Als ein vortreffliches Material zu Schreibtafeln für solche Zwecke, wo wir gewöhnlich Schiefertafeln anwenden, dient den Engländern das Porzellan. Es ist darauf mit Bleistift äußerst angenehm und deutlich zu schreiben, auch das Geschriebene mittelst eines feuchten Schwammes oder der benetzten Fingerspitze vollkommen wieder wegzuwischen. Vor Schiefertafeln haben die Porzellantafeln viele und große Vorzüge: auf dem blendendweißen Grunde ist die grauschwarze Bleistiftschrift im wünschenswerthesten Grade leserlich; die Tafel wird niemals zerkratzt, saugt Fett oder Schweiß etc. nicht ein, und ist daher leicht rein zu halten; endlich bedarf man nicht des eigens zu bewahrenden Schieferstiftes, der, wenn er verloren gegangen ist, oft nicht augenblicklich ersetzt werden kann, während ein Bleistift Jedermann stets zur Hand zu seyn pflegt; nicht zu gedenken der Leichtigkeit, mit welcher ein Bleistift gespitzt wird, indeß der Schiefergriffel meist stumpf gebraucht wird, weil das Zuschneiden desselben mühsam ist und die Messer verdirbt. Freilich sind auf der andern Seite die Porzellantafeln weit theurer als Schiefertafeln. Erstere werden in London bei einzelnen Stücken zu 1 bis 2 Shilling verkauft, je nach ihrer Größe – etwa 5 bis 10 Zoll Höhe und 3 bis 7 Zoll Breite, in einfache Rahmen von Mahagoniholz gefaßt.

Eine nähere Untersuchung der Porzellan-Schreibtafeln lehrt folgendes. Sie sind ungefähr von der Dicke der Schiefertafeln; stark durchscheinend; so hart daß eine Federmesserspitze sie nur mühsam ritzt und dabei noch einen grauen Strich macht; ohne Glasur, aber sanft glänzend und von feinem glattem Anfühlen, viel glatter als gewöhnliches unglasirtes Porzellan. Nach dieser Beschaffenheit möchte kaum zu bezweifeln seyn, daß sie aus der allgemein in England üblichen Frittenporzellan-Masse bestehen und nach Art der Spiegelgläser fein geschliffen werden. Man verfertigt sie in der durch ihre Geschirre weit und breit bekannten Fabrik von Davenport zu Longport in Staffordshire. K. Karmarsch. (Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1852, Liefer. 64.)

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