Titel: Ueber eine, in der Nähe von Genf seit zwei Jahren angebaute, von der Krankheit verschont gebliebene mexicanische Kartoffel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 125/Miszelle 14 (S. 239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj125/mi125mi03_14

Ueber eine, in der Nähe von Genf seit zwei Jahren angebaute, von der Krankheit verschont gebliebene mexicanische Kartoffel.

Im Dorfe Fenières, im französischen Ain-Departement, unweit Genf, am Fuße des Jura, haust die Kartoffelkrankheit stark. Ein Landwirth daselbst ließ sich wilde Kartoffeln von einem Freunde aus Mexico kommen, die im Jahr 1850 gelegt wurden. Die Ernte war vollkommen gesund, während die übrigen Kartoffeln im Orte erkrankt waren.

Im zweiten Jahre war der Anbau derselben ein ausgedehnterer. Hr. de Candolle, der an Ort und Stelle davon Einsicht zu nehmen gekommen war, traf sie im vollsten und gesunden Wachsthum, während die daneben stehenden gewöhnlichen Kartoffeln schon verwelkt waren. Die Hauptmerkmale dieser Species sind die knollige Anschwellung der Stengel am Ursprung der Blätter, lebhaft roth-violette, größere Blüthen. Die Beeren sind größer als bei der gewöhnlichen Kartoffel und weiß gefleckt. Die zahlreichen Knollen waren rund oder eiförmig. Es wurde in dieser Species das Solanum verrucosum (abgebildet in v. Schlechtendal's Hortus halensis fasc. I.) erkannt. Im Frühjahr 1852 wurden sie vom Schnee des vorausgegangenen Winters unversehrt gefunden. Die runden haben durchschnittlich 1 Zoll im Durchmesser. Ihre Haut ist glatt, hellgelb, gegen die Augen zu rosen-roth. Das Fleisch stark gelb. Der Geschmack vortrefflich. Ihr Stärkegehalt beträgt nach Hrn. Morin 145–155 Gramme per Kilogramm, während er bei den gewöhnlichen Kartoffeln 200–250 Gr. beträgt.

Ob diese Kartoffelart durch die Cultur an Größe und Stärkegehalt zunehmen und lange von der Krankheit frei bleiben werde, diese Fragen sind noch nicht beantwortet. Ueberhaupt fragt es sich, ob das Culturverfahren, durch welches wir bei der gewöhnlichen Kartoffel frühere und in einer bestimmten Zeit größere Ernten erhalten, ihr nicht in ihrer physiologischen Harmonie Gewalt angethan hat, wodurch die Krankheit hervorgerufen wurde? Nach Dr. Lindley sind Sol. verrucosum und tuberosum einerlei; de Candolle aber und andere stimmen damit nicht überein; auch wurde letztere Kartoffel in Mexico noch nicht wild gefunden. (Comptes rendus, Mai 1852, Nr. 18.)

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