Titel: Neues Bienenfutter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 125/Miszelle 16 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj125/mi125mi03_16

Neues Bienenfutter.

Es dürfte wohl allen Bienenzüchtern nicht unangenehm seyn, zu erfahren, daß sie zur Zeit des frühen Frühjahrs, wo noch nicht die geringste Bienennahrung sich vorfinden läßt, eben so, wie die Russen, die größten Bienenstände mit geringen Kosten erhalten können. Allgemein wird, wo nach der Prokopowitsch'schen Methode die Bienenzucht im Großen – 3000 bis 5000 Stöcke – betrieben wird, die Fütterung der Bienen im frühen Frühjahr, ehe noch die Bienen auf den Pflanzen Stoff zur Bereitung des Bienenbrodes und Honigs finden, sobald die Sonne so bedeutend zu wirken anfängt, daß die Bienen aus ihrer Winterruhe aufgerüttelt werden, und die Königin das Legen der Eier eifrig zu betreiben anfängt und viel Brut angesetzt, auch ausgebrütet wird, hier ohne das Material zur Bereitung des Bienenbrodes zu erhalten, ihnen dadurch dasselbe in hinreichender Menge und aufs Beste beschafft, daß man je nach der Größe des Bienenstandes einen oder mehrere Holztröge schmal und lang, vor den Stöcken aufstellt, in welchen sich gegen 2 Zoll hoch trocknes, ungebeuteltes feines Roggenmehl aufgeschüttet befindet. Die Bienen stürzen zu Tausenden über die willkommene Beute her, wühlen sich im Mehlstaube und kehren schwer beladen in die Stöcke zurück. Bei guter Witterung herrscht ein unglaublicher Eifer und eine unermüdliche Thätigkeit; denn sie finden nicht allein den Stoff zur Legung der Brut, sondern auch den Arbeitsbienen ist diese Nahrung lieber, als die bereits sauer und schimmlich gewordene Masse ihrer alten Vorräthe. Durch dieses Mittel wird es nun den Bienen möglich, frühzeitig und bald stark an Volk zu werden. Diese Fütterung wird so lange fortgesetzt, bis die Bienen selbst aufhören den Mehlstaub einzutragen, d. i. bis sie frisches Blumenmehl in den Kätzchen der Weiden, Pappeln, des Nußstrauchs etc. finden, welches sie jedenfalls vorziehen. Die Fütterung dauert 8 bis 10 Tage und länger, je nach der Fütterung von außen, und man rechnet per Stock an 2 Pfd. Mehl durchschnittlich. Da die Bienen in dieser Zeit erfahrungsmäßig das Bedürfniß zum Trinken haben, so stellt man gleichzeitig in die Nähe der Bienenstöcke kleine Tröge, in welche ein Gemisch von gleichen Theilen Honig gebracht wird, der in kochendem Wasser zerlassen ist. Man füllt die Tröge zuerst locker mit trockenen Hobelspänen an und gießt über diese das Gemisch. Die klugen Thierchen wittern bald die willkommene Gabe und sprechen ihr fleißig zu. (Agron. Zeitg.)

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