Titel: Anweisung zum Stempeln; vom Graveur Piltz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 125/Miszelle 4 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj125/mi125mi03_4

Anweisung zum Stempeln; vom Graveur Piltz.

Um einen guten Stempel-Abdruck zu erhalten, feuchtet man die zu stempelnde Stelle des Papieres mit einem nassen Schwämmchen, bis sich auf der Oberfläche keine Feuchtigkeit mehr zeigt; dann nimmt man den Stempel, tupft ihn in senkrechter |235| Richtung auf die Stempelfarbe, ohne ihn jedoch hin- und herzuschieben, indem dieses doppelt nachtheilig ist. Sollte sich am Stempel noch eine Stelle zeigen, die keine Farbe hat, so tupft man denselben noch einmal in etwas seitwärts gehaltener Richtung auf die Farbe, bis er überall gleichmäßig von derselben gedeckt ist. Sollte die Farbe zu dick aufsitzen, so darf man den Stempel nur noch einmal etwas leise auftupfen, und es hebt sich die überflüssige Farbe wieder ab; nun drückt man den Stempel aufs Papier, wozu ein Druck mit der Hand genügt. Die Unterlage darf nicht zu hart und nicht zu weich seyn, etwa ein Bogen weiches Papier achtmal zusammengelegt, und unter das oberste Stück Papier ein Stückchen Tuch. Sollten bei meiner Einrichtung die Tuchläppchen nach Verlauf von 2, 4–6 Monaten (je nachdem viel oder weniger gestempelt wird) keine Farbe mehr hingeben wollen, so nimmt man vier neue Läppchen, tränkt die drei untersten mit reinem Olivenöl, rollt sie fest zusammen, und drückt sie hin und her, damit das Oel sich gleichmäßig verbreite. Man darf jedoch nur soviel darauf gießen, als nöthig ist, um den Finger ölig zu machen, wenn man darüber fährt.

Ebenso und noch fleißiger verfährt man mit den vier obersten Tuchläppchen, welche, wo möglich, von feinerem Tuche seyn müssen, rührt dann die vorräthige Farbe mit einem Hölzchen fleißig um, und tränkt dann die Tuchlappen mit der Farbe. Sollte zu viel Farbe darauf seyn, so nimmt man die überflüssige dadurch ab, daß man ein Blatt Druckpapier darauf drückt.

Will man den Stempel reinigen, so gießt man Terpenthinöl darauf, läßt denselben etliche Minuten darauf stehen, und bürstet ihn mit einer stumpfen Zahnbürste aus. Hierauf nimmt man heißes Wasser und Seife und bürstet denselben vollends rein; bläst dann das Wasser aus der Vertiefung der Gravure, trocknet den Stempel sorgfältig ab, und stellt ihn allenfalls noch kurze Zeit auf den warmen Ofen. Noch ist zu bemerken, daß die Stempel-Einrichtung besonders vor Sand und Staub zu schützen ist. (Wochenschrift des Würzburger polytechn. Vereins, 1852 Nr. 26.)

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