Titel: Ueber die englischen Hobel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 125/Miszelle 2 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj125/mi125mi05_2

Ueber die englischen Hobel.

Aus dem Bericht des Hrn. Prof. Dr. v. Volz über die Londoner Industrie-Ausstellung.

Die wichtige Operation des Hobelns ist stets in allen ihren Theilen der besonderen Aufmerksamkeit werth, und so muß sogleich Jedem, welcher einen englischen Hobel betrachtet, die Abweichung von dem deutschen auffallen, daß das Hobeleisen nicht in der Mitte der Sohle heraustritt. Diese Eigenthümlichkeit, welche auch theilweise Eingang in Frankreich gefunden hat, rief schon seit lange einen Streit unter den Holzarbeitern Englands und Amerika's, welches sich durchweg englischer Werkzeuge bedient, und des Continentes hervor. Derselbe ist bis auf diese Stunde noch nicht entschieden, so daß ein jeder Theil auf seiner Gewohnheit und Meinung beharrt.

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Wenn man verschiedene englische Hobel untersucht, so findet man, daß die Versetzung des Eisens von der Mitte des Hobels nach vorn in Theilen der ganzen Sohlenlänge ausgedrückt, annähernd beträgt, beim Schlichthobel 1/4 bei der kleinen Rauhbank 1/5, bei dem Zündhölzchenhobel 1/8, bei dem Nuthhobel und der Plattbank 1/9, bei dem Rundhobel 1/15. Daraus ist zu entnehmen, daß sich diese Versetzungen des Eisens aus dem Mittel bis auf das Vierfache steigern, und daß sie immer größer werden, je näher die Bearbeitung des Holzes dem Zustande des Rohstoffes liegt.

Ein tieferes Eingehen in die Natur dieser Arbeit zeigt in der That diese Anordnung als vollkommen begründet. Der kräftigste Hobel ist der, aus dem Schnitzer hervorgegangene Schab- und Bandhobel, er kann nicht genügen, weil er keine Führung hat; die Führung des Hobels gibt aber die Sohle; es ist dieß eine, der herzustellenden parallele Fläche, woraus hervorgeht, daß sie nur dann führen kann, wenn sie in paralleler Richtung zu dieser bewegt wird. Ist nun das Holz rauh, und wird der Hobel aufgelegt, so ist die Bedingung der Parallelität nicht erfüllt; sie kann aber durch die Geschicklichkeit des Arbeiters herbeigeführt werden wenn der vor dem Eisen liegende Theil der Sohle durch die vorhandenen Rauhigkeiten des Arbeitsstücks nicht zum Hinderniß wird, was nicht der Fall seyn könnte, wenn ein vorderer Theil nicht vorhanden wäre, und was also um so weniger der Fall seyn wird, je mehr sich der Hobel diesem Zustand nähert, d.h. je kürzer der vordere Theil der Sohle ist. Der vordere Theil des Hobels erscheint daher für dieses Stadium der Arbeit nicht nur nicht als Führer, sondern in der That als Verführer. Ist aber einmal die erste Behobelung geschehen, so tritt ein wesentlicher Unterschied in der Führung ein, denn jetzt hat man in der schon vorhandenen Fläche eine solche erhalten, welche durch die Hobelsohle gedeckt wird, und es handelt sich nur darum, zu dieser schon gebildeten Fläche, Parallelschichten zu bilden. Für diesen Zweck kann nun allerdings die führende Hobelfläche, oder der vor dem Eisen liegende Theil nicht lang genug seyn; allein da der vordere Theil des Hobels einen Vorsprung vor dem Eisen bildet, so kann er hindernd in den Weg treten, indem er schließlich immer über das Ende des Arbeitsstückes hervorragen muß. Ist somit eine vordere Leitfläche des Hobels nöthig, so soll sie doch nur in einer Ausdehnung vorhanden seyn, welche nicht größer als erforderlich ist. und so erscheint es in der That als Aufgabe der Hobelconstruction, den vor dem Eisen liegenden Theil des Hobels so kurz zu machen, als dieß die Beibehaltung einer guten Führung nur immer gestattet. Niemand wird aber ein Nachstehen der Engländer und Amerikaner in Holzarbeiten behaupten wollen, sondern vielmehr auf die Vermuthung kommen, daß sie in den angeführten Abstufungen das Ziel erreicht haben möchten, und es dürfte daher wohl der Mühe werth seyn, den englischen Hobel unsern Arbeitern in die Hand zu geben. – Unter den englischen Hobeln war besonders auch die Verbreitung ganz eiserner Hobelkasten mit eiserner Sohle zu bemerken; ein besonders was die Sohle anbetrifft, sehr nachahmungswerther Vorgang, da nur glatte harte Gegenstände glatt machen können; auch die Stellung des Hobeleisens mit Stellschrauben greift immer mehr um sich, was sehr zu loben ist. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1852, Nr. 35.)

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