Titel: Vorschrift zur Bereitung von Weinsteinfloß (sogenanntem Kesselfloß) aus Weingeist und Trester bei der Branntweinbrennerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 125/Miszelle 7 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj125/mi125mi05_7

Vorschrift zur Bereitung von Weinsteinfloß (sogenanntem Kesselfloß) aus Weingeist und Trester bei der Branntweinbrennerei.

Da es dieses Jahr ziemlich viel Wein zu geben scheint, theile ich das Recept zur Gewinnung von Floßweinstein mit. Die Bereitung desselben verursacht wenig Mühe und lohnt sich reichlich; überdieß ist das auf unten angegebene Weise behandelte Brennwasser nachher noch eben so gut für das Vieh, wie vorher. In etwa fünf Orten der Rheinpfalz, wo diese Bereitungsart vorzugsweise zu Hause ist, wurden in diesem Jahr für 16,000 fl. Weinstein erzeugt.

Verfahren. Wenn die Hefe vom Ablaß kommt, so wird diese gekeltert, d.h. gepreßt. Was ablauft ist Wein, und wird als solcher verkauft. Die gepreßte Hefe wird, wenn solche nicht sogleich verarbeitet werden kann, was eigentlich nie gleich geschehen darf, da sie zuvor noch einmal gähren muß und auch weniger Branntwein ergeben würde, in Fässer oder sonst einen luftdichten Raum eingetreten oder eingeschlagen, wie bei uns die Weintrester. Ist die Hefe nach drei, vier bis sechs Wochen reif, so wird solche je nach dem Geschirr, wie man brennen kann, zuvor mit rückständigem Brennwasser |398| oder Brunnenwasser in einem Zuber zerdrückt, angerührt und tüchtig ausgelöst (Knollen dürfen keine bleiben), was jedenfalls schnell geht hierauf in den Kessel genommen und der Branntwein davon gewonnen. Nachdem dieser herausgebrannt ist, wird der Hefe 2, 3 bis 4 Imi warmes Wasser aus den Vorwärmern oder auch kaltes Wasser beigegeben, und unter Umrühren ungefähr 1/2 Stunde gekocht und hierauf in aufrechtstehende Fässer, deren oberer Boden jedoch herauskommt, oder Standen geleert, und werden die Fässer mit Deckeln bedeckt. Nach Ablauf von zwei bis drei Tagen bei allmählicher Abkühlung läßt man das Brennwasser ablaufen und der Floß sitzt auf der Oberfläche des Wassers, an den Wänden und am Boden über dem dicken Schlamm in den Fässern. Hierauf wird zuerst der Saß, nachdem der Weinstein am Boden weggenommen ist, weggeschöpft, der Weinstein losgemacht, mit Wasser begossen und mit einem Besen aufgerührt und auf ein feines, ziemlich großes Messingfieb geworfen und mit Wasser abgespült in der Sonne oder der Wärme getrocknet und ist dann fertig. Von einem Centner gepreßter Hefe erhält man je nach dem Jahrgang 12–16 Pfd. Floß, von dem Trester, welcher ganz so behandelt wird, 8–12 Pfd. Das abgeschöpfte Brennwasser, welches durch Aufrühren des Hefenschlamms etwas dick gemacht wird, schlappt das Vieh sehr gerne und gedeiht sichtlich dabei, so daß es in der Rheinpfalz viele Bauern gibt, welche es gerne kaufen und angemessen bezahlen. Georg Heinrich Müller in Stuttgart. (Riecke's Wochenblatt, 1852 Nro. 35.)

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