Titel: Rennes' tragbare Dampfmaschine nebst Kessel.
Autor: Rennes,
Fundstelle: 1852, Band 126, Nr. I. (S. 1–3)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/ar126001

I. Tragbare Dampfmaschine nebst Kessel, von Hrn. Rennes in Paris.

Aus Armengaud's Génie industriel, Juli 1852, S. 7.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Man hat sich seit mehreren Jahren häufig mit der Construction solcher Dampfmaschinen beschäftigt, die sich leicht transportiren lassen, nur wenig Platz einnehmen und so wenig Kosten veranlassen, daß sie auch von den kleineren Gewerbetreibenden angeschafft werden können. Auch auf der Industrieausstellung zu London fanden sich sehr viele leicht transportirbare Maschinen, hauptsächlich für landwirtschaftliche Zwecke.

Sowohl in England als in Frankreich (und Deutschland) haben sich mehrere Maschinenbauer mit der Anfertigung kleiner Dampfmaschinen beschäftigt, welche einen weit rascheren Gang haben als die gewöhnlich angewendeten, um die Uebertragungen der Bewegung zu vereinfachen und auf diese Weise die ganze Maschine leichter zu machen.

So haben die Gebrüder Mazeline in Havre in ihrer eigenen Werkstatt eine kleine Dampfmaschine aufgestellt, welche ein Ventilator-Gebläse treibt und daher mehrere hundert Umgänge in der Minute macht.

Zu Paris baut Hr. Flaud ebenfalls kleine Maschinen mit großer Geschwindigkeit, welche 5–600 Umgänge in der Minute machen, und nur ein sehr beschränktes Volum haben. Eine derselben war auf der allgemeinen Industrie-Ausstellung zu sehen, wo sie die Schneidmaschine der Hrn. Sautreuil zu Fécamp trieb.

Die HHrn. Thomas und Laurens, welche fortwährend mit mechanischen Erfindungen vorangehen, haben ebenfalls Dampfmaschinen |2| mit großer Geschwindigkeit zum Betriebe von Walzwerken, Papiermaschinen u.s.w. angewendet.

Die meisten dieser Maschinen sind jedoch von ihren Kesseln unabhängig.

Die HHrn. Rouffet in Paris und Trevithick in London haben feste und tragbare Maschinen ausgeführt, welche unmittelbar auf ihrem Kessel angebracht, oder mit demselben verbunden sind; dasselbe ist auch bei den neuen Apparaten des Hrn. Rennes der Fall.

Endlich construirt auch Hr. Calla seit Kurzem sogenannte Locomobilen mit vier Rädern, nach einem englischen Modell, welches im Conservatorium der Gewerbe zu Paris aufbewahrt wird.

Fig. 10 ist ein äußerer Aufriß der Maschine mit ihrem Kessel, nach 1/10 der natürlichen Größe gezeichnet.

Fig. 11 ist ein Querschnitt durch die Achse der Maschine und senkrecht auf der vorhergehenden Figur.

Das System des Hrn. Rennes erfüllt die sehr wesentliche Bedingung, sehr einfach und wenig kostspielig zu seyn, und dabei wenig Platz einzunehmen.

In Verbindung mit ihrem Generator nimmt diese Maschine nicht mehr Platz ein, als ein gewöhnliches Möbel; sie ist eben so leicht wie ein gewöhnlicher Ofen aufzustellen, und kann in gewissen Fällen ganz den Platz des Ofens einnehmen.

Man ersieht aus der Figur leicht, daß die Maschine auf dem Deckel A des Kessels E angebracht ist, und daß der Dampf unmittelbar in den Cylinder b mittelst einer Röhre oder Leitung gelangt, die mit der Vertheilungsbüchse d, welche mit dem Cylinder aus einem Stück gegossen, verbunden ist.

Durch diese Einrichtung erlangt man in dem Cylinder fast dieselbe Dampfspannung wie im Kessel, und da auf diese Weise jede Abkühlung und folglich auch jede Verminderung der Spannung vermieden wird, so erzielt man dadurch auch eine Brennmaterialersparung.

Der unter der Maschine angebrachte Kessel E hat eine sehr einfache Construction. Sein Herd ist im Innern des Kessels selbst angebracht, so daß jede Wärme unmittelbar wirken kann. Der Rauch tritt aus dem Herd in zwei Canäle G, und aus dem letzten von diesen in die Esse. Die Esse kann eine einfache Ofenröhre seyn, wenn die Maschine nur eine geringe Kraft hat, und dann zur Heizung der Werkstatt dienen, worin sich die Maschine befindet.

Der ganze Apparat ruht auf einem Gemäuer von Ziegelsteinen, welches äußerlich mit Blech a bekleidet ist. Unter dem Aschenfalle ist |3| ein Becken I angebracht, aus welchem die Maschine das Speisewasser in den Kessel pumpt.

Eine solche Maschine, die man von der Kraft eines Menschen bis zu der von zwei Pferden construiren kann, ist im Stande, in einer kleinen Fabrik eine Werkzeugs- oder andere Arbeitsmaschine zu betreiben. Sie kann ohne einen Hülfsbau an jedem beliebigen Ort aufgestellt werden.

Auf dem Deckel A des Kessels werden die verschiedenen Sicherheitsapparate angebracht, nämlich der Schwimmer oder Wasserstandsanzeiger, das Sicherheitsventil, die Alarmpfeife, der Manometer u.s.w.

In der Zeichnung hat man angenommen, daß die Speisepumpe e auf dem Deckel angebracht, und daß die Kurbelstange durch eine Coulisse l ersetzt wurde, welche mit der Kolbenstange verbunden ist. Eine solche Einrichtung ist ökonomisch, weil dabei nicht nur die Kurbelstange, sondern auch verschiedene andere Theile, die zur Leitung der Stange dienen, entbehrlich werden.

Diese Stange wird einfach durch eine Hülse geleitet, welche dem oberen Querstück m angehört. Sie gewährt außerdem den Vortheil, die Höhe der ganzen Maschine bedeutend zu vermindern.

Die Kraft der Maschine kann entweder durch das Schwungrad, welches man alsdann als Treibrolle betrachten kann, oder durch eine besondere Rolle, welche an der verlängerten Welle angebracht wurde, fortgepflanzt werden.

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