Titel: Mazeline's ins Gleichgewicht gestellte Ventile für Dampfkessel.
Autor: Mazeline,
Fundstelle: 1852, Band 126, Nr. II. (S. 3–5)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/ar126002

II. Ins Gleichgewicht gestellte Ventile für Dampfkessel; von den Gebrüdern Mazeline.

Aus Armengaud's Génie industriel, August 1852, S. 92.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Bekanntlich haben die Sicherheitsventile nach ihrer jetzigen vorschriftsmäßigen Einrichtung das Nachtheilige, zur Unterhaltung des Dampfdruckes sehr schwere und zusammengesetzte Gewichte zu erfordern, die sich nur schwierig handhaben lassen und den ganzen Apparat unnütz belasten.

Durch das System der Gebrüder Mazeline, welches den Gleichgewichtsventilen zur Vertheilung des Dampfes in den Cylindern bei |4| den Cornwalliser Maschinen entnommen ist, erlangt man den Vortheil, die Belastung um mehr als 9/10 zu vermindern und die Anwendung der Hebel gänzlich zu beseitigen.

Nehmen wir z.B. ein direct belastetes Ventil nach älterer Einrichtung von 21 Centimeter Durchmesser an, so muß es bekanntlich, um dem Druck einer Atmosphäre zu entsprechen, ein directes Gewicht von 357,40 Kilogr. haben, wenn die Oberfläche 346 Quadratcentimeter beträgt.

Wendet man dagegen ein Ventil mit doppeltem Sitz an, so wie wir es hier vorschlagen, und welches 15,4 Centimeter oberen und 14,3 Centimeter unteren Durchmesser hat, also im Ganzen dieselbe Oberfläche von 346 Quadratcentimetern, so braucht man, da die Differenz zwischen den diesen beiden Durchmessern entsprechenden Oberflächen bloß 26 Quadratcentimeter beträgt, nur eine directe Belastung von 26,85 Kilogr. anzuwenden, d.h. kaum 1/13 von dem Gewicht, womit die ersterwähnten Ventile belastet werden müssen.

Fig. 5 ist ein senkrechter Durchschnitt durch die Achsen der beiden gleichen in einer und derselben Büchse angebrachten Ventile; diese Büchse ist nach der Linie 4–5 durchschnitten. Das eine von diesen Ventilen ist als gehoben und das andere als geschlossen oder niedergelassen angenommen.

Fig. 6 ist ein Querdurchschnitt nach der gebrochenen Linie 7–8–9.

Man ersieht aus den Figuren, daß die eigentlichen Ventile A und B eine Art von hohlen, aus Bronze gegossenen Glocken bilden, welche zwei kreisrunde Ränder a und b haben, die beim Schluß der Ventile ganz genau auf den ebenen und gehörig abgedrehten festen Sitzen c und d ruhen. Diese Sitze bestehen ebenfalls aus Bronze und sind auf den horizontalen Scheidern befestigt, die mit der gußeisernen Büchse oder dem Kasten C aus einem Stück gegossen sind; dieser Kasten ist auf dem oberen Theile des Dampfkessels festgeschraubt.

Oben sitzt auf jedem Ventil ein senkrechter cylindrischer Stab e, welcher durch eine Hülse von Rothguß f geht, die in der Mitte der Deckel D angebracht ist und als Führer dient. Die Ventile haben auch verstärkte Theile g, um ihr Gewicht zu erhöhen oder den Unterschied der Belastung und des Druckes auszugleichen, der von dem geringen Unterschied zwischen den beiden Oberflächen der unteren und oberen Basis a und b herrührt.

Außerdem werden die Ventile auch mittelst ihres unteren Theiles h geführt, der ein Kreuz oder eine Verstärkung bildet, deren Ständer senkrecht und in die kreisrunden Sitze c eingelassen sind.

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Man ersieht aus dieser Einrichtung sehr leicht die Wirkungsweise dieser Ventile.

Der in dem Kessel erzeugte Dampf gelangt mittelst der Oeffnungen E in den untern Theil der Büchse C, und wegen der ringförmigen Vertiefung oder der Kehle, welche jedes Ventil zwischen den Rändern a und b hat, wirkt sein Druck gleichzeitig auf diese beiden Basen, so daß wenn dieselben gleichen Durchmesser hätten, die Belastung beider Sitze gleich seyn würde, und der Dampf sie nicht öffnen könnte, wenn seine Spannung auch noch so bedeutend wäre.

Da dieß aber nicht der Fall, sondern die obere Basis b größer als die untere a ist, so würde offenbar der im Kessel gebildete Dampf, sobald er einen stärkeren Druck als den atmosphärischen hätte, die Oeffnung der Ventile erzwingen. Es genügt dann, daß diese Ventile, wie wir schon bemerkt haben, mit einem Gewicht belastet werden, welches der Differenz der Oberflächen beider Basen entspricht, um sie beim verlangten Druck geschlossen zu erhalten.

Wird der Dampfdruck größer, so öffnen sich die Ventile und es findet durch die Oeffnungen beider Sitze c und d, und durch die Canäle F und G eine Strömung statt, so daß der Dampf in die Auslaßröhre H (Fig. 6) gelangt.

Eine senkrechte Stange I, welche in das Innere des Kessels geht und im Bereich des Maschinenwärters ist, dient zum Heben des Ventils, um den Dampf, sobald es erforderlich erscheint, ausströmen lassen zu können.

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