Titel: Jacquelain, über ein neues Verfahren bei der Stearinkerzenfabrication.
Autor: Jacquelain,
Fundstelle: 1852, Band 126, Nr. XI. (S. 42–57)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/ar126011

XI. Ueber ein neues Verfahren bei der Stearinkerzenfabrication, angewandt in der Fabrik von Jaillon, Moinier und Comp. zu la Villette bei Paris. Bericht von Hrn. Jacquelain.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Mai 1852, S. 320.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Das Comité für Chemie hat mich beauftragt, der Société d'Encouragement über die Stearinkerzenfabrication der HHrn. Jaillon, Moinier und Comp. Bericht zu erstatten, welche in ihrer Fabrik zu la Villette das Verfahren befolgen, in die heiße Talgmischung schwefligsaures Gas zu leiten.

Insbesondere sollte ich ermitteln, ob in der genannten Fabrik dieses Verfahren wirklich fortwährend angewandt wird, und welche Vortheile es gewährt. Nachdem ich mich überzeugt hatte, daß ersteres der Fall ist, führte ich in der Fabrik zwei vergleichende Versuche in großem Maaßstabe aus, um zu entscheiden, ob das schwefligsaure Gas einen günstigen Einfluß beim Verseifungsproceß ausübt, sowohl hinsichtlich der Quantität als der Qualität der erhaltenen Fettsäuren. Bei diesen unter ganz gleichen Umständen durchgeführten Versuchen wurden jedesmal 500 Kilogr. Talg von gleicher Beschaffenheit, theils unter Anwendung von schwefliger Säure, theils nach dem gewöhnlichen Verfahren, auf Fettsäuren verarbeitet. Die Details dieser Versuche sind im Folgenden zusammengestellt:

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Textabbildung Bd. 126, S. 43
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Textabbildung Bd. 126, S. 44
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Die Ausbeute an Fettsäuren betrug also bei den Versuchen nach Moinier's Verfahren übereinstimmend 96,8 Proc. des angewandten Talgs, während man nach dem gewöhnlichen Verfahren nicht über 92,3 Proc. erhält. Die erstere Ausbeute wird auch in der Fabrik regelmäßig erzielt, seitdem sie die Anwendung des schwefligsauren Gases während der Schmelzung des Talgs und bis zu seiner gänzlichen Verseifung (die man Moignier und Boutigny verdankt) eingeführt hat, während bisher in den Stearinkerzenfabriken nie mehr als 92 Kil. Fettsäuren von 100 Kil. Talg gewonnen wurden.

Die Anwendung der schwefligen Säure wird in der Fabrik zu la Villette auf die Art ausgeführt, daß man zuerst in den durch Einleiten von Wasserdampf auf 100° C. erwärmten Talg eine Stunde lang schweflige Säure leitet, dann die Kalkmilch zusetzt, und nun das Einleiten von schwefliger Säure in die fortwährend auf 100° C. erhaltene Mischung noch wenigstens zwei Stunden lang fortsetzt. Nachdem erwiesen war, daß dieses Verfahren auf die Ausbeute an Fettsäuren einen günstigen Einfluß hat, stellte ich den Versuch IV an, um über die Wirkungsart der schwefligen Säure ins Klare zu kommen. Bei demselben wurde die Operation ganz nach dem alten Verfahren ausgeführt, mit dem einzigen Unterschiede, daß zur Zersetzung der Kalkseife nicht die käufliche Schwefelsäure von 55° B., wie sie aus den Bleikammern kommt, angewandt wurde, sondern man dieselbe vorher von der Salpetersäure, welche sie enthält, reinigte, indem man sie bei ungefähr 90° C. eine hinreichende Menge schwefligsaures Gas absorbiren ließ.5) Während beim Versuch IV alle übrigen Umstände dieselben waren, wie beim Versuch II, erhielt man bei ersterm eine weit größere Ausbeute an Fettsäuren, und sogar noch mehr als nach dem Moinier'schen Verfahren, nämlich 97,8 Proc.6) Der Nutzen, welchen die schweflige Säure bei diesem Verfahren gewährt, dürfte hiernach leicht zu erklären seyn. Bei der Behandlung des Talgs mit schwefliger Säure (welche in Folge ihrer Bereitungsart mit Kohlensäure vermischt ist) und mit Kalk, bilden sich, |46| unter Abscheidung von Glycerin, stearinsaurer, margarinsaurer und oleinsaurer und andererseits schwefligsaurer und kohlensaurer Kalk. Bei der Zersetzung dieser Salze durch die nachher hinzukommende Schwefelsäure wird auch die schweflige Säure wieder frei und diese zerstört nun die in der Schwefelsäure enthaltene Salpeter- und Untersalpetersäure, und verhindert folglich deren zersetzende Wirkung auf die Fettsäuren, zumal bei der Temperatur von 100° C., wodurch man bei dem neuen Verfahren um 5 Proc. mehr Fettsäuren gewinnt.

Anstatt die schweflige Säure in die Talgmischung zu leiten, ist es offenbar zweckmäßiger, die zur Zersetzung der Kalkseife dienende Schwefelsäure vorher mit schwefliger Säure zu rein en, wie es beim Versuch IV geschah. Denn wenn Massen von Kalkseife mit ungereinigter Schwefelsäure versetzt werden, welche den festen Körper nicht sogleich auf allen Punkten angreifen kann, so kommen die ersten Portionen freigewordener Fettsäuren mit überschüssiger Schwefelsäure in Berührung, und werden daher zersetzt, bevor alle schweflige Säure abgeschieden wurde und Zeit hatte die stickstoffhaltigen Säuren ganz zu zerstören. Deßwegen sind auch die rohen Fettsäuren, welche man beim Versuch IV erhielt, weniger gefärbt, wie sowohl die nach dem alten, als die nach dem Moinier'schen Verfahren gewonnenen. Ueberdieß würde man bei dieser Abänderung des Verfahrens an Kalk und an Schwefelsäure ersparen.

Beschreibung der Fabrication zu la Villette.

Die Verseifung des Talgs wird in einem rectangulären Behälter von 10 Kubikmeter Inhalt vorgenommen, welcher aus gebrannten Steinen hergestellt ist, die man mit Roman-Cement zusammenfügte; man gibt in denselben 2000 Kil. Talg und 400 Liter Wasser, und leitet dann durch ein bleiernes Rohr, dessen spiralförmiges, auf dem Boden des Behälters liegendes Ende mit kleinen Löchern versehen ist, Wasserdampf hinein, um das Wasser zum Kochen zu erhitzen; man erhält das Wasser dann eine Stunde lang im Kochen, während man zugleich einen raschen Strom schwefliger Säure hineinleitet, die mittelst Schwefelsäure und Stücken von Holzkohle bereitet wird. Nach Verlauf dieser Zeit fügt man nach und nach Kalkmilch zu, welche aus 300 Kil. gebranntem Kalt und 1600 Litern Wasser besteht.

Die anfangs milchige Mischung wird bald consistenter, dann schäumend und sehr klebrig, worauf man sie beständig umrühren muß, um |47| ein zu starkes Aufschäumen zu verhüten. Hierauf wird die Kalkseife teigig, und ballt sich nachher zu kleinen Körnern zusammen. Dieß geschieht nach ungefähr drei Stunden, worauf man mit dem Einleiten von schwefligsaurem Gas aufhört, aber das Einleiten von Wasserdampf noch fortsetzt, bis alle die kleinen, sehr hart gewordenen Stückchen Kalkseife einen gleichförmigen körnigen Bruch zeigen. Die Dauer einer guten Verseifung beträgt immer höchstens acht Stunden.

Nach beendigter Verseifung läßt man das glycerinhaltige Wasser durch einen Canal in ein außerhalb der Fabrik befindliches großes Bassin ablaufen.

Um die Kalkseife zu zersetzen, übergießt man sie mit 600 Kilogr. Schwefelsäure von 53° Baumé, welche vorher mit 240 Litern Wasser verdünnt wurde; man läßt mäßig Dampf einströmen, damit die Säure nicht zu sehr abgeschwächt wird, und rührt stark um, damit sich die Seife gut zertheilt und ihre Zersetzung an allen Punkten beginnt, bevor der Dampfstrahl in der flüssigen Masse ein stürmisches Sieden veranlaßt hat. In drei Stunden ist die Zersetzung der Seife beendigt, und man läßt dann die Masse zwei bis drei Stunden lang in Ruhe; der pulverige schwefelsaure Kalk setzt sich ab, während die Fettsäuren auf der Lösung von saurem schwefelsaurem Kalk schwimmen.

Um die Fettsäuren zu reinigen, nämlich zuerst von einem kleinen Gehalt an schwefelsaurem Kalk zu befreien, schöpft man sie mit großen Löffeln heraus in eine Rinne, welche sie in eine runde, nach oben sich schwach verjüngende hölzerne Kufe von 15 Kubikmeter Inhalt leitet, die inwendig mit Blei überzogen ist und bis zur Höhe von 20 Centimeter verdünnte Schwefelsäure von 4 bis 5° Baumé enthält. Auf dem Boden derselben liegt die Spirale eines Bleirohrs, durch welche Wasserdampf geleitet wird, der in zwei Stunden die schwefelsäurehaltige Flüssigkeit auf 100° C. erhitzt. Durch ein zweites Rohr läßt man dann vierzig Minuten lang Dampf einströmen, um eine innigere Vermischung des Wassers mit den Fettsäuren zu bewirken.

Nach vierstündiger Ruhe treibt man mittelst einer hydrobalistischen Pumpe die Fettsäuren in einen stationären Heber hinauf, aus welchem sie in eine zweite Kufe ablaufen, worin ein erstes Waschen mit Wasser ebenso vorgenommen wird, wie vorher das Waschen mit Säure.

Aus der zweiten Kufe gelangen die Fettsäuren in eine dritte, worin sie ein zweitesmal mit Wasser gewaschen werden. Nachdem sie sich darin wieder gehörig abgesondert haben, schafft sie eine Pumpe in einen hölzernen mit Blei ausgefütterten Trog, in dessen Boden bleierne Röhren |48| angebracht sind, welche durch hölzerne Stöpsel von oben her geschlossen werden können. Durch diese verschiedenen Röhren fließen die Fettsäuren in die obere Reihe der eisenblechernen (bisweilen emaillirten) Formen, welche die Gestalt flacher vierseitiger Schalen haben und in parallelen Reihen auf den Querstäben eines großen Gestells angebracht sind. Da jede Form an der einen Seite vier in einer horizontalen Linie stehende Löcher hat, und die verschiedenen Formenreihen abwechselnd zur Rechten und zur Linken des Gestells etwas vorstehen, so muß die Fettsäuremasse aus den Formen einer Reihe in die der nächst unteren fließen, so daß sich nach und nach alle Formen bis zu der in ihrer Seitenwand angebrachten Löcherreihe mit Fettsäuren füllen.

Zwölf Stunden nach dem Erkalten der Fettsäuren, im Winter, und vierundzwanzig Stunden darnach, im Sommer, werden die Brode in Säcke von Wollenzeug (tissu malfil) gethan; man bringt jedesmal 224 derselben auf die Platte einer gewöhnlichen hydraulischen Presse, wobei abtheilungsweise 58 Eisenbleche zwischengelegt werden.

Das Beschicken, Auspressen und Entleeren erheischen drei Stunden. Die kalt ausgepreßte Oleinsäure fließt in ein Reservoir, aus welchem sie eine Pumpe durch Röhren in den Filtrirsaal treibt, auf Filter von Wollenzeug (malfil), die auf blechernen Kesseln oder hölzernen Kufen befestigt sind. Die gesammelte Stearinsäure kommt wieder in die Kufe zum Waschen mit verdünnter Schwefelsäure; die Oleinsäure wird als solche verkauft oder in Natronseife verwandelt.

Man sucht ein zu rasches Erkalten der Fettsäuren in den Formen zu vermeiden, weil dabei verworrene Krystalle entstehen, aus welchen sich die Oleinsäure nur durch ein sehr starkes und lange fortgesetztes Pressen absondern läßt, wogegen ihre Abscheidung leicht von statten geht, wenn durch langsame Krystallisation Gruppen nadelförmiger Krystalle entstanden.

Jeder beim kalten Pressen erhaltene Fettsäurekuchen wird in ein starkes Haartuch geschlagen und kommt dann zwischen zwei (durch Dampf heizbare) Gußeisenplatten in eine Presse mit liegendem Kolben. Während des Einleitens von Wasserdampf in die Eisenplatten wird der Preßkasten mit einer geölten Decke zugedeckt; nachdem die Temperatur der Eisenplatten bis 70° C. gestiegen ist, werden die Fettsäurekuchen eingesetzt; die Temperatur erniedrigt sich dann langsam auf 45° C. und sinkt nach dem Pressen auf 35 oder 30° C.

Dieses warme Pressen, welches mit dem Einsetzen und Entleeren eine Stunde dauert, liefert eine Oleinsäure, welche sehr reich an |49| Stearin- und Margarinsäure ist; sie wird daher in einer besondern Kufe gesammelt, und dann zusammen mit neuen Fettsäuren zuerst dem Waschen mit Schwefelsäure, darauf mit Wasser, und endlich dem Pressen unterzogen. Die bei dem warmen Pressen gewonnene Stearinsäure wird von Arbeitern nach ihrer Weiße und Durchsichtigkeit in drei oder vier Sorten (l'extra, la première, la seconde und la troisième qualité) geschieden. Nach dem Sortiren kommt die Stearinsäure in das Reinigungslocal, zum Reinigen und Klären, welches mit jeder Sorte besonders vorgenommen wird. Dazu dienen zehn kleine Kufen von Holz, welche 1000 Kilogr. fassen und mit bleiernen Schlangenröhren zur Circulation des Wasserdampfs (welcher sich darin verdichtet ohne auszuströmen) versehen sind. Vier Paare dieser Kufen dienen zur Behandlung der vier Sorten von Stearinsäure; die neunte Kufe wird zum Schmelzen der Rückstände, und die zehnte zum Schmelzen des von den Kerzen abgeschnittenen Gießkopfs benutzt.

Das Reinigen wird mit den vier Sorten von Stearinsäure in gleicher Weise ausgeführt; man bringt zuerst in eine der Kufen schwefelsäurehaltiges Wasser von 2 bis 3° Baumé, so daß dasselbe 15 Centimeter hoch steht, und fügt dann die Stearinsäure hinzu; man läßt nun das saure Wasser eine Stunde lang steden, worauf man das Gemisch eine halbe Stunde lang sich absetzen läßt. Hierauf schöpft man die Stearinsäure mittelst eines weißblechernen Gefäßes in die andere Kufe, in welche man vorher 10 Centimet. hoch reines Wasser gebracht hat. Sobald dieses Wasser zum Sieden gelangt ist, fügt man für die 1000 Kilogr. Stearinsäure das Weiße von 22 Eiern hinzu, welches vorher mit wenig Wasser zu Schaum geschlagen wurde; die durch das Sieden veranlaßte stürmische Bewegung vertheilt das Eiweiß in der ganzen Stearinsäuremasse; nachdem das Eiweiß geronnen ist, läßt man erkalten, damit die Körper welche schwerer als Wasser sind, sich am Boden der Kufe absetzen, während das Eiweiß auf der klar gewordenen Stearinsäure schwimmt. Man sammelt dann den Schaum auf einer Blechtafel mit aufgebogenen Rändern und bringt die Stearinsäure in blechernen Eimern in das Local wo das Gießen der Kerzen vorgenommen wird.

Im Gießlocal wird die Stearinsäure von zwei Frauen mit Rührern, die im Kreise herumgeführt werden, umgerührt, um die Bildung von Klumpen zu verhindern und sie langsam auf 40° C. abzukühlen, während andererseits die Gießformen bis auf 50° C. erwärmt werden, nämlich in einem besondern Raume, worin weite gußeiserne Röhren liegen, |50| durch welche gebrauchter Wasserdampf nebst warmem Condensationswasser circulirt.

Eine der Frauen behandelt in angegebener Weise die erste und zweite, die andere die dritte und vierte Sorte.7) Diese Störung der Krystallisation hat zum Zweck, die Stearinsäure homogener zu machen, so daß sie gegen den Stoß einen größeren Widerstand darbietet; sie erlangt dadurch auch eine weißere Farbe. Da das Gießen nothwendig bei der Temperatur von 40° C. (32° R.) vorgenommen werden muß, so hält man die Formen mit den eingelegten Ringen und eingezogenen Dochten in mehr als hinreichender Anzahl vorräthig. Um die Dochte vorzubereiten, taucht man sie 24 Stunden lang in eine Auflösung von Boraxsäure, welche auf 50° C. (40° R.) erwärmt ist und 2 1/2 Grade an Baumé's Aräometer zeigt, windet sie dann schnell aus und läßt sie in einem warmen Local zum Trocknen, aus welchem man sie erst dann entfernt, wenn sie auf Spulen gewickelt und in die Formen gezogen werden sollen.

Um die Arbeit zu beschleunigen, sind die Gießformen in drei Abtheilungen neben einander auf einem Gestell angebracht, welches mittelst Rädern auf einer Eisenbahn lauft. Jede Abtheilung besteht aus einem länglich-vierseitigen Eingußkasten (porte-moule) von 4 1/2 Centimeter Höhe und aus 39 Formen, die an dem Boden desselben angeschraubt sind. Der Eingußkasten faßt soviel Stearinsäure, daß das Gewicht und langsame Erkalten derselben die Bildung von Höhlungen in einzelnen Kerzen verhütet. Die Legirung für Eingußkasten und Formen besteht aus 2 Theilen Zinn und 1 Theil Blei.

Sogleich nach dem Gießen der Stearinsäure setzt man die sogenannten Handhaben in die Kästen ein; es sind dieß Streifen von verzinntem Eisenblech, welche beim Erstarren der Stearinsäure von derselben festgehalten werden, so daß man nach deren vollständigem Erkalten durch Anfassen der vorstehenden Theile dieser Streifen den im Kasten befindlichen Gießkopf zum dritten Theil herausheben kann. Nach vollständigem Erkalten zieht ein Kind die Pincetten von verzinntem Eisendraht weg, welche das untere Ende jedes Dochtes angespannt erhalten, und schneidet dann den überschüssigen Docht ab. Hierauf |51| werden die Kerzen aus den Formen genommen, und an der Basis dicht an den Ringen, die das eine Ende des Dochtes hielten, mit einem Messer abgeschnitten, somit von diesen Ringen und von dem Gießkopfe getrennt. Das Erkalten in den Formen erheischt beiläufig vier Stunden Zeit.

Die Kerzen werden nun auf eine geneigte Tafel gelegt, von welcher sie ein endloses, durch Querstäbe gespanntes Tuch aufnimmt und dem Bleichplatz zuführt. Um die Kerzen der Luft auszusetzen, damit sie durch den abwechselnden Einfluß der Sonnenstrahlen und des Thaues gebleicht werden, dient ein tischartiges Gestell, welches zwei Gewebe von Bleidraht enthält, deren jedes eine horizontale Fläche bildet, welche wenigstens um die halbe Höhe der Kerzen von einander entfernt sind; die Maschen des oberen Gewebes sind so weit, daß durch jede Masche eine Kerze gesteckt werden kann, dagegen sind die Maschen des unteren Gewebes kleiner. Die Kerzen werden Stück für Stück, mit ihrer Spitze nach oben, durch die Maschen des oberen Gewebes gesteckt und ruhen dann, vertical stehend, mit ihren Fußenden auf dem unteren Gewebe. So bleiben sie, je nach der Jahreszeit, mehr oder weniger lange Zeit der Luft ausgesetzt.

Nach dem Bleichen werden die Kerzen mit einer Maschine an ihrem Fußende beschnitten, um ihnen die erforderliche Länge zu ertheilen. Hierauf taucht man sie in eine schwach alkalische Flüssigkeit (eine Potaschelösung von 1° Baumé), reibt sie in derselben gelinde ab, spült sie dann in Wasser, reibt sie wieder mit einem Stück Leinewand, trocknet sie hierauf mit einem feinen Tuche ab, und unterwirft sie endlich dem Glätten oder Poliren. Dieß geschieht in einer Maschine, worin die Kerzen zwischen zwei mit Flanell überzogenen Flächen ihrer Länge nach gerieben werden, während sie sich selbst langsam um ihre Achse drehen; nach vierzehn Umdrehungen um sich selbst, sind sie in der Regel gut polirt. Die Kerzen, deren Poliren nicht gelungen ist, was selten vorkommt, werden von Hand mit Flanell nachpolirt. Nachdem noch die stellenweise gefärbt gebliebenen Kerzen ausgeschossen wurden, schreitet man zum Verpacken.

Verwendung der Rückstände. – Nach der Zersetzung der Kalkseife und dem Abziehen der Fettsäuren bleibt in der Kufe über dem Niederschlag von schwefelsaurem Kalk eine saure Flüssigkeit stehen. Dieses schwefelsaure Wasser bringt man sammt dem Niederschlag in conische Kufen von so enger Oeffnung, daß der Rest der Fettsäuren sich |52| auf der Oberfläche ansammeln kann; man gibt letztere dann in die Kufe zum Waschen einer neu bereiteten Portion Fettsäuren. Das so gereinigte schwefelsaure Wasser wird bei einer wieder vorzunehmenden Zersetzung von Kalkseife verwendet, wodurch man eine gewisse Menge Schwefelsäure von 53° B. erspart.

Den aus schwefelsaurem Kalk bestehenden Niederschlag bringt man in eine große Grube, damit er sich setzt, um noch die Fettsäuren abzuziehen, welche sich über dem sauren Wasser ansammeln. Dieser schwefelsaure Kalk wird hierauf mehrmals in kleinen Fässern mit kaltem Wasser angerührt, um noch den Rest der Fettsäuren als eine auf dem Wasser schwimmende schwammige und grauliche Masse sammeln zu können.

Hinsichtlich des Waschens der Fettsäuren, wovon ich oben gesprochen habe, muß ich beifügen, daß das Wasser der drei Kufen, jedesmal nach acht Tagen, wo es zuviel sauren schwefelsauren Kalk enthält, durch kaltes Wasser ersetzt wird, das die Schichte von Fettsäuren erstarren macht, welche unten durch kohlige Substanzen gebräunt ist, und die man daher beim täglichen Abziehen zurückzulassen pflegt. Man schabt die erstarrten Fettsäuren unten ab, um sie hernach in die Waschkufe mit Schwefelsäure zu bringen; das schwarze Schabsel und die erwähnten graulichen Substanzen werden zusammen besonders gereinigt, zuerst mit schwefelsaurem und dann mit gewöhnlichem Wasser.

Da es unmöglich ist, aus den Kufen zum Reinigen und Klären alle Stearinsäure zu beseitigen, ohne daß sie durch mitgezogene fremdartige Substanzen verunreinigt würde, so schmilzt man die in der ersten Kufe gebliebene Stearinsäure mit neuem Material um; die Schicht der zweiten Kufe versetzt man mit den Gießköpfen der Kerzen und sämmtlicher Stearinsäure welche vorher mit schwachem Sauerwasser gereinigt wurde.

Wenn die Stearinsäure durch etwas Eisenoxyd verunreinigt ist, was höchstens zehnmal im Jahre sich einstellen wird, setzt man in der Klärkufe beiläufig 400 Gramme Oxalsäure auf 1000 Kilogr. Fettsäuren zu.

Erklärung der Abbildungen.

Verseifung. – Fig. 1 ist der Aufriß des Apparats zur Entwickelung des schwefligsauren Gases. a Ofen aus Backsteinen, mit einer einzigen Feuerung, welche mit einer Thür b geschlossen wird. c Aschenfall. d ein Raum für die Steinkohlen. e, e' zwei gußeiserne |53| Retorten, cylindrisch, mit abgerundetem Boden und aufgeschraubtem Deckel. f, f Oeffnungen mit langem Hals, welche luftdicht verschließbar sind und zum Einbringen der Holzkohlenstücke und der Schwefelsäure dienen. g, g bleierne Röhren um die schweflige Säure in die Verseifungskufen zu leiten.

Fig. 2, Kufe mit dem Talg, welcher unter dem gleichzeitigen Einfluß von schwefliger Säure und ausströmendem Wasserdampf verseift werden soll.

Zersetzung der Kalkseife. – Fig. 3, Kufe welche die Kalkseife in kleinen Stücken enthält. h Abzug des glycerinhaltigen Wassers in den Canal i. k Haupt-Dampfleitungsrohr. l, l' Leitungsröhren für den in die Flüssigkeit strömenden Dampf. m hölzerne Rinne um die Fettsäuren in die Kufe 4 zu leiten, indem man sie mit dem langstieligen Löffel Fig. 5 herausschöpft.

Waschen mit Säure. – Fig. 4, hölzerne, inwendig mit Blei überzogene Kufe, worin man die Fettsäuren mit Säure wascht. o Rohr für den ausströmenden Dampf. p Rohr für die Circulation des nicht ausströmenden Dampfs, dessen Condensationswasser durch das Rohr q abzieht. r Schicht sauren Wassers. s Zone von kohligen organischen Materien. t Fettsäureschicht. u kupfernes Heberrohr, unten in eine Brause endigend, welche auf die ebene kupferne Scheibe v gelöthet ist, die das Uebersteigen der kohligen Substanzen durch den Heber verhindert. x Lufthahn. y Hahn zum Auslassen der Fettsäuren welche den Heber verstopfen.

Fig. 6, hydrobalistische Pumpe, um die Fettsäuren in die Kufe Fig. 7 zu schaffen. a' ist das eiserne Gestell derselben; b' die Treibstange, welcher die Bewegung von der Achse d' aus mittelst eines Krummzapfens und der Stange c' mitgetheilt wird. f', f' Riemen der die Achse mittelst der festen Rolle e' in Bewegung setzt. g' Schwungrad. h' Riemenführer.

Waschen mit Wasser. – Fig. 7. Die eine der zwei hölzernen Kufen, welche zum Waschen der Fettsäuren mit Wasser dienen, ist derjenigen Fig. 4 ganz ähnlich; o' Leitungsrohr für den ausströmenden Dampf. p' Rohr für die Circulation des nicht ausströmenden Dampfs, dessen Condensationswasser durch die Röhre q' abzieht. r' Schicht des reinen Wassers. s' Zone der verkohlten organischen Substanzen. t' Fettsäureschicht. u' Heberrohr, mit zwei Hähnen x' und y' versehen.

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Fig. 8. Pumpe zum Ueberziehen der Fettsäuren; u' ist ihr Heberrohr mit seiner Scheibe v' und seinen Hähnen x' y'. z ist das Rohr worin die Fettsäuren aufsteigen.

Warmes Pressen der Fettsäuren. – Die hierzu dienende horizontale hydraulische Presse, mit den Fettsäurekuchen beschickt, zeigt Fig. 9 im Grundriß, Fig. 10 im verticalen Längendurchschnitt. Q sind die im Haartuch eingeschlagenen, zwischen zwei Eisenplatten R befindlichen Fettsäurekuchen. S mit Löchern versehene Röhren, um die Presse mittelst freien Dampfs zu erhitzen. T Leitungsröhren für den Dampf. U Zulaßhahn für den Dampf, welchen man beliebig absperren kann. V Boden der Presse; er besteht aus zwei gegen den Mittelpunkt schwach geneigten Platten, um das Abziehen der Oleinsäure und des nicht condensirten Dampfs zu befördern. X Abzug, durch welchen die ausgepreßte Oleinsäure und der Dampf in das Reservoir Y gelangen; jene wird nach dem Erkalten aus demselben mittelst einer Pumpe gezogen. Die horizontale Stange Z ist mit einer Gelenkkette verbunden, woran ein schweres Gewicht hängt; sie dient zum Zurückführen der Preßplatte C' nach beendigtem Pressen.

B' Grube, worin sich das Gegengewicht der Preßplatte C' befindet. D' Rohr für das Wasser, welches auf den Kolben drückt. L' Deckplatte der Presse, auf welche der Druck ausgeübt wird; sie ist durch vier eiserne Stangen N' mit dem Cylinder M' verbunden, in welchem das Wasser comprimirt wird. O' Sicherheitsventil.

Fig. 11, gewöhnliche hydraulische Presse, welche mit dem Motor der Fabrik verbunden ist. F' Hebel der Pumpe. G' Zwischenstange, welche mittelst des Stifts H' nach Belieben angebracht werden kann. l' Kurbel, welche der Pumpe die Bewegung mittheilt. J' Rolle, über welche der Riemen K' geht.

Formen der Kerzen. – Fig. 12 Vorderansicht einer Form, wenn sie auf die Seite gestellt ist, um die Dochte einziehen zu können. Fig. 13 dieselbe Form, von der Seite des Eimers gesehen. Fig. 14 Haken mit hölzernem Griff zum Einziehen der Dochte. Fig. 15 Ansichten eines Ringes von Weißblech, um das Fußende des Dochtes zurückzuhalten und zu centriren. Fig. 16 Pincette von verzinntem Eisendraht, um das Kopfende des Dochts festzuhalten.

Fig. 17 Vorderansicht einer mit Stearinsäure gefüllten Form, die mit Handhaben versehen ist, um das Herausziehen der Kerzen zu erleichtern. Fig. 18 horizontale Ansicht derselben Form, nachdem die Handhaben in verschiedenen Stellungen angebracht wurden, um die Qualität der gegossenen Kerzen zu bezeichnen.

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Fig. 12, d, hölzerner Wagen mit vier Rädern, auf einer Eisenbahn f beweglich; auf ihm sind drei Abtheilungen von Gießformen e, e, e, Fig. 13, angebracht. Jede Abtheilung kann um eine Achse g gedreht werden, wozu man sie an der Handhabe i anfaßt. Fig. 14, j, Haken zum Einziehen der Dochte. Fig. 16, k, Pincette aus verzinntem Draht, um das eine Ende des Dochtes festzuhalten; das andere mit einem Knoten versehene Ende geht durch das Loch l in dem Stege des Ringes Fig. 15.

Beschneiden der Kerzen. – In Fig. 19 ist die dazu dienende Maschine in der Seitenansicht und in Fig. 20 in der Ansicht von oben dargestellt. Fig. 21, Ansichten der Kreissäge zum Beschneiden der Kerzen.

b' gußeisernes Gestell. c' Riemen, welcher die Maschine in Bewegung setzt. d' die lose, e' die feste Riemenscheibe. f' Riemenführer, welcher mittelst des Fußtritts g' um den festen Punkt h' in einer horizontalen Ebene beweglich ist. i' die Welle, von welcher aus die Bewegung auf die übrigen Theile der Maschine übertragen wird; zunächst wird von ihr aus durch ein System von verzahnten Rädern j', k', l', m', n', o', p' das kleine Rad q' in Bewegung gesetzt, welches die Bewegung der Kreissäge r' mittheilt. Ferner setzt sie durch Vermittelung zweier conischen Räder eine verticale Welle in Bewegung, die am oberen Ende eine endlose Schraube trägt. Letztere wirkt auf das Rad s' und setzt dadurch die horizontale Welle t' in Drehung. Diese trägt zwei Räder oder durchbrochene Scheiben r, welche am Umfange mit halbkreisförmigen, dem Querschnitt der Kerzen entsprechenden Ausschnitten versehen sind. Die auf die geneigte Tafel gelegten Kerzen legen sich bei der Bewegung der Maschine in diese Ausschnitte und werden dann durch die Bewegung der Scheiben r der Kreissäge r' zugeführt, welche von dem Fuße jeder Kerze ein Stück abschneidet. Damit die Kerzen gleiche Länge erhalten, werden sie auf die geneigte Tafel so aufgelegt, daß sie mit ihren Kopfenden die verticale Fläche y' berühren. Diese Fläche kann mittelst der Schraube x' verstellt und dem Punkte z' näher oder ferner gerückt werden, wodurch man es in seiner Gewalt hat, Kerzen verschiedener Länge auf der Maschine zu bearbeiten. a'', b'' sind zwei Rollen, über welchen ein endloser Streifen von geköpertem Zeuge geht, um die Kerzen zurückzuhalten und zu leiten. Nach dem Beschneiden gleiten die Kerzen auf eine krummlinige geneigte Fläche, welche sie der Tafel c'' zuführt. Die von den Kerzen abgeschnittenen Stücke fallen, von den Scheiben f'' geleitet, in die blecherne Rinne d'', und von da in einen untergestellten Behälter e''.

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Poliren der Kerzen. – Die hierzu dienende Maschine ist Fig. 22 im Verticaldurchschnitt und Fig. 23 im Grundriß dargestellt.

A Gestell der Maschine, B Querstangen desselben; C Riemen und D Riemenscheibe, durch welche die Maschine in Bewegung gesetzt wird; E lose Riemenscheibe, F Riemenführer. Die durch den Riemen zunächst in Umdrehung gesetzte Welle G trägt zwei Schwungräder H, welche zugleich als Krummzapfen wirken, indem sie die excentrisch an ihnen befestigten Stangen I in eine hin- und hergehende Bewegung setzen. Das andere Ende jeder dieser Stangen ist an dem Reiber J befestigt. Dieser Reiber besteht aus einem Stück Holz, welches so ziemlich die Gestalt eines in der Achse durchschnittenen Cylinders hat, und an der unteren Seite mit mehreren Lagen Tuch und Flanell überzogen ist, die an der oberen Seite durch Schnüre befestigt sind. Die Welle G setzt ferner mittelst der Räder K und L die Welle L' in Bewegung, von welcher mittelst der Scheiben M und M' und des Riemens N die Bewegung der Achse O mitgetheilt wird. Auf letzterer ist ein kleines Rad P aufgezogen, welches in das größere Rad Q eingreift und dadurch die Achse O' in Drehung setzt. Diese Achse, sowie eine andere, ihr im Gestell an der rechten Seite parallel gegenüber liegende, tragen jede ein Paar kleine Räder oder mit Ausschnitten versehene Scheiben 1,1, durch welche zwei Gelenkketten 2,2, die durch runde eiserne Querstäbe 3,3 verbunden sind, in Bewegung gesetzt werden. Diese Ketten mit den Querstäben (in Fig. 24 im Längendurchschnitt, mit Weglassung des mittleren Theiles dargestellt) wirken wie ein endloses Tuch, sie nehmen nämlich die Kerzen, welche man auf die geneigte Tafel 5 gelegt hat, auf, indem jedesmal eine Kerze sich zwischen zwei Stäbe legt. Die Kerzen werden folglich an der oberen Seite dieses endlosen Bandes mit fortgenommen, wobei sie von einer Tafel 4, die mit Flanell überzogen ist, getragen werden und auf derselben sich umwälzen. Während sie so in einer horizontalen Ebene sich fortbewegen, unterliegen sie der Wirkung des Reibers J. Am linken Ende des endlosen Bandes angekommen, gelangen die Kerzen auf die Tafel 6, von welcher man sie mit der Hand wegnimmt. 7 ist eine Leiste, die dazu dient, die Fußenden der Kerzen in einer geraden Linie zu erhalten. Sie ist mittelst der Schienen 8 befestigt. Diese Schienen sind nämlich mit Schlitzen 9 versehen, durch welche Schrauben 10 gehen, mittelst deren die Schienen am Gestell der Maschine befestigt werden können. Die Schlitze gestatten, der Leiste 7 für Kerzen verschiedener Länge eine verschiedene Lage zu geben, in welchem Falle dann auch, durch Umstecken der mit Schraubenmuttern versehenen Bolzen 11, die Länge der Stangen I, I |57| verändert wird. 12 ist eine andere Leiste für die Kopfenden der Kerzen. 13 sind eine Art Kissen von conischer Form; sie bestehen aus Flanell und nehmen die Enden der Kerzen auf, welche sie fortziehen.

|45|

In der gewöhnlichen Kammersäure von 53° B. fand Jacquelain bei der Analyse:

Schwefelsäure 55
Salpetersäure 12,5
Wasser 32,5
–––––
100,0
|45|

Die bei diesem Versuche erhaltenen Fettsäuren enthielten zusammen 62,01 Proc. Stearin- und Margarinsäure, nebst 37,99 Oleinsäure.

|50|

Für Kerzen dritter Sorte, welche die Fabrik seit einiger Zeit anfertigen läßt, preßt man die Kuchen etwas weniger stark. Die Stearinsäure fällt dann etwas weniger weiß aus, aber die Oleinsäure, welche ihr die Farbe ertheilt, wird hierbei als Kerzenmaterial höher verwerthet.

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