Titel: Ueber Verhinderung der Unfälle durch schlagende Wetter in den Steinkohlengruben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126, Nr. XIII. (S. 60–70)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/ar126013

XIII. Bericht der Commission des engl. Unterhauses zur Untersuchung der Ursachen der häufigen Unfälle durch schlagende Wetter in den Steinkohlengruben.

Aus dem Civil Engineer and Architects' Journal, Juli 1852, S. 233.

Die Commission erachtet die ihr gewordene Untersuchung für eine sehr wichtige, welche mit den Interessen der Menschlichkeit in einem genauen Zusammenhang steht, indem nachgewiesen ist, daß der Verlust an Menschenleben durch schlagende Wetter in den englischen Steinkohlengruben in der letzten Zeit etwa die Zahl 1000 per Jahr erreichte. Sie beschloß daher nur sehr erfahrene Sachverständige zu befragen, welche im Stande waren, wesentliche Mittel zur Abhülfe dieser großen Calamität vorzuschlagen. Dieß ist auch geschehen. Die Commission gibt in Folge hievon ihre Ansicht dahin ab:

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Daß jedes System der Wetterführung, welches von verwickelten Maschinen abhängt, unrathsam sey, weil, wenn irgend ein Theil derselben in Unordnung kommt oder zerbricht, die Wetterführung entweder gänzlich unterbrochen oder weniger wirksam wird.

Daß die beiden Systeme, welche allein als rivalisirende Kräfte betrachtet werden können, der Wetterofen und der Dampfstrahl sind.

Die Anwendung von Wetteröfen ist unter günstigen Umständen sehr zweckmäßig. Letztere sind weite und tiefe Schächte, hinreichend weite Wetterstrecken, gehörig abgeschlossene alte Baue, und ein nicht zu häufiges Vorkommen schlagender Wetter auf den Flötzen. Wird unter diesen Umständen eine gehörige Aufmerksamkeit auf die Wetterführung verwendet, so kann man eine hinlängliche Sicherheit gegen Explosionen erwarten.

Entwickeln sich aber aus den Steinkohlen sehr viele schlagende Wetter, sind die Baue sehr weitläufig, und muß alsdann die Feuerung der Wetteröfen verstärkt werden, um auch einen bedeutenderen Wetterzug hervorzubringen, so entsprechen die Wetteröfen nicht nur den Anforderungen eines guten Wetterzuges nicht, sondern in Folge eines natürlichen Gesetzes (welches von Hrn. Gurney entdeckt und vor der Commission wissenschaftlich entwickelt, sowie praktisch nachgewiesen wurde) entsteht eine gefährliche Unterbrechung des Wetterzuges, welche sich auf die ganze Grube ausdehnt.

Die Wärmemenge, welche ein Ofen erzeugt, steht im directen Verhältniß zu der Brennmaterialmenge, die in einer gegebenen Zeit verzehrt werden kann. Die Größe der Luftverdünnung oder die Kraft der ausströmenden Wetter wird sich stets direct wie die Temperatur der Luftsäule verhalten, welche in einer gegebenen Zeit ausströmt, und es ist diese Temperatur im Verhältniß der Quantität verschieden. Das Wärmequantum des Ofens ist eine constante Größe, die sich einer größeren oder geringeren Luftmenge mittheilt. Die Kraft der ausströmenden Wetter steigt in einem arithmetischen Verhältniß; die Reibung des Wetterstroms in den Bauen einer Steinkohlengrube gibt einen Widerstand, der gleich dem Quadrat seiner Geschwindigkeit ist. Nun ist es ganz klar, daß man bald auf einen Punkt kommen wird, wo der Widerstand größer als die Kraft ist. Da die Kraft in einem arithmetischen, der Widerstand aber in einem geometrischen Verhältniß steigt, so wird die Gränze des Ofens der Punkt seyn, wo sich die beiden Kräfte das Gleichgewicht halten. In der Praxis fängt diese Gränze weit früher an, als eine auf diese Daten begründete Berechnung nachweist, weil ein anderes Element in die Berechnung gezogen |62| werden muß, welches bis jetzt noch nie berücksichtigt worden ist. Dieses Element ist der Widerstand, welchem die Wetter bei einem Zuge durch die Baue einer Grube mittelst der Verengungen der Strecken unterworfen sind; in einer gewöhnlichen Steinkohlengrube ist aber dieses Moment sehr wesentlich. Weder die Kommission des Unterhauses vom Jahre 1835, noch diejenige des Oberhauses von 1849 hat diese wichtige Thatsache berücksichtigt.

Wir haben bemerkt, daß sich der Widerstand eines Wetterstromes, welcher durch die Baue einer Steinkohlengrube geht, wie die Quadrate seiner Geschwindigkeit verhält. Wenn dieser Widerstand so groß ist, daß nicht die gehörige Luftmenge durch die Strecken einer Grube gelangen kann, um die von dem Tiefsten des Wetterschachtes fortgeschaffte Luft zu ersetzen, so wird sie durch den Schacht selbst, als dem bequemsten Canal, zurückströmen. Sie strömt auf der einen Seite niederwärts, während sie der warmen Luft auf der andern Seite Platz zum Aufsteigen läßt, indem die stationären Lufttheilchen zwischen den beiden sich bewegenden Strömen eine imaginäre Luftplatte bilden.

Der Widerstand der Wetterströmungen, welche durch die Baue gehen, steigt wie die Quadrate ihrer Geschwindigkeit, während die Kraft des Ausströmens durch den Wetterschacht im directen Verhältniß zur Temperatur steht. Wenn die Menge der durch eine Grube strömenden Wetter durch eine stärkere Reibung oder durch eine Verengung der Strecken vermindert wird, so wird diese geringere Wettermenge mittelst des Ofens in dem Wetterschachte stärker erwärmt werden, der Wetterzug wird alsdann beschleunigt und die Kraft erhöht. Ein Wassermanometer gewährt ein Maaß dieser Kraft des Ausströmens oder des Zugs vom Ofen. Dieses Manometer wird unter den obigen Umständen steigen und eine stärkere Wetterströmung anzeigen, während die Wetterführung sinkt.

Was nun andererseits die Kraft der Dampfströme oder Dampfstrahlen betrifft, so scheint sie keine praktische Gränze zu haben; denn obgleich sie, wenn auf der Sohle des Wetterschachtes angebracht (wie empfohlen wurde), als ein Verdünner im Verhältniß der Menge des angewendeten Dampfes und der Feuerung unter dem Kessel wirkt, so hängt doch ihre hauptsächliche oder directe Wirksamkeit von ihrer Fortschaffungskraft ab. Die erwärmte Luft strömt nicht allein wegen ihrer Verdünnung aufwärts, sondern es kann jede Menge kalter Luft wirklich in dem Wetterschacht aufwärts getrieben werden, indem diese Menge nur von der Anzahl und der Größe der angewendeten Dampfstrahlen |63| so wie von dem Druck des Dampfes abhängt. Die Commission ist einstimmig der Meinung, daß die Dampfströme das stärkste und zugleich das wohlfeilste Mittel zur Wetterführung sind.9)

Vor dem Jahre 1848, ehe Hr. Forster den Dampf in der Seaton-Delaval-Grube einführte, zeigten sich in der Nähe der alten Baue und in andern Theilen der Baue fortwährend schlagende Wetter; seit jener Zeit aber ist die Grube gänzlich davon gereinigt und es scheint jede Gefahr entfernt zu seyn. Bei den Wetteröfen strömten in der Minute 53,000 Kubikfuß Luft durch die Baue, während bei dem Dampf 84,000 Kubikfuß hindurchziehen, welche Hr. Forster für hinreichend hält; um aber die Luftmenge zu verdoppeln, würde nur eine geringe Vermehrung des angewendeten Dampfes nöthig seyn. Hr. Forster bemerkt, daß die Einrichtungskosten der Wetterführung mittelst Dampf gegen diejenigen mittelst Wetteröfen um 39 3/4 Pfd. Sterl. und die jährlichen Unterhaltungskosten bei Dampf um 50 1/2 Pfd. Sterl. geringer seyen, während die Stärke des Wetterzuges fast um das Doppelte gestiegen sey.

Ungeachtet der Zunahme des Wetterzuges, die Hr. N. Wood in einer von den Steinkohlengruben, welche unter seiner Aufsicht stehen, erlangt haben will, indem dort sehr weite Schächte und drei Wetteröfen vorhanden sind, fand doch die Explosion in der Killingworthsgrube, die ebenfalls unter der Direction von Wood steht, im vorigen Herbst bei einer Wetterführung mittelst Oefen statt.

Obgleich einige von den Sachverständigen (von denen zwei zu den intelligentesten Grubeninspectoren der Regierung gehören) die Art und Weise, wie die Dampfstrahlen als Ventilatoren wirken, mißverstanden zu haben scheinen, indem sie selbst gestanden, daß sie zu unbekannt damit seyen, um ein richtiges Urtheil über deren Erfolg zu haben; so |64| stimmten sie doch, mit wenigen Ausnahmen, darin überein, daß in einer Grube mit vielen schlagenden Wettern, wo die Wetteröfen unter gewöhnlichen Umständen ausreichend sind, es eine kluge und nothwendige Vorsichtsmaßregel sey, an der Tageöffnung desjenigen Schachtes, durch welchen die Wetter einziehen, einen Dampfstrahl-Apparat mit dem Kessel der Dampfmaschine zu verbinden, welcher, falls plötzlich eine gesteigerte Kraft erforderlich wäre, in Anwendung gebracht werden könnte.

Es ist zur Genüge bewiesen, daß 70 Procent von den durch schlagende Wetter veranlaßten Todesfällen nicht durch die Explosionen, sondern durch das Einathmen des denselben folgenden sogenannten after-damp veranlaßt werden. Werden diese letzteren Wetter von den Bergleuten im reinen Zustande eingeathmet, so erfolgt unmittelbar der Tod. Da man aber gefunden hat, daß die durch schlagende Wetter verunglückten Bergleute auf verschiedene Weise niedersinken, so sind die Wetter offenbar in verschiedenen Graden der Verdünnung eingeathmet. Es scheint daher klar zu seyn, daß, wenn an der Tageöffnung des Schachts durch welchen die Wetter einströmen, außer dem Bereich der Wirkungen der Explosion, unmittelbar nach derselben bedeutende Mengen von Dampf in die Grube getrieben und dadurch ein starker Wetterzug auf den Strecken veranlaßt wird, manches Menschenleben gerettet werden kann, welches jetzt aus Mangel einer solchen Kraft verloren geht. Die Wetteröfen, welche bei den Explosionen gewöhnlich zerstört werden, sind zu diesem Zweck gänzlich unbrauchbar.

Die Commission ist übrigens einstimmig der Meinung, daß der Hauptzweck der seyn muß, die Explosionen selbst zu verhindern, und daß, wenn menschliche Mittel dieß zu bewirken im Stande seyen, es die Dampfstrahlen, wie sie Hr. Forster anwendet, sind.

Nach den Ansichten der Commission hat eine Grube gute Wetterführung, wenn die Geschwindigkeit in allen und besonders den äußersten Bauen und auf Strecken von 50 Quadratfuß Querschnitt, 4–6 Fuß in der Secunde beträgt; auf den Strecken die nicht so fern von den Schächten liegen, würde alsdann die Geschwindigkeit größer seyn; bei einer geringern Geschwindigkeit als 4 Fuß aber findet in Gruben mit vielen schlagenden Wettern keine Sicherheit statt. Auf welche Weise der gehörige Wetterzug hervorgebracht wird, ist sehr unwesentlich; es müssen nur die Mittel vorhanden seyn, ihn fortwährend hervorzubringen und den Inspector bei seinen Befahrungen zu überzeugen, daß die erwähnte Geschwindigkeit beständig statt gefunden habe.

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Die Aufmerksamkeit der Commission war auch auf die wissenschaftlichen und praktischen Mittel gerichtet, um die sich aus den Flötzen oder den alten Bauen entwickelnden schlagenden Wetter zu zersetzen oder zu neutralisiren. Jedoch scheint es nicht, daß es der Wissenschaft gelungen sey, irgend ein praktisches Mittel zur Erzielung dieser Wirkung zu entdecken. Das Parlamentsmitglied Hr. Blakemore hat einen Preis von 1000 Pfd. Sterl. auf die Erfindung eines einfachen und praktischen Mittels zur Erreichung des erwähnten Zweckes gesetzt.

Die Commission wendet sich nun zu anderen Sicherheitsmitteln gegen Explosionen. Sie theilt die von andern Commissionen aufgestellte Ansicht, daß die Davy'sche Sicherheitslampe in Gruben, worin ein gehöriger Wetterzug nicht stattfindet, weit mehr dazu dient, sich von dem Vorhandenseyn der Gefahr zu überzeugen, als um eine vollständige Sicherheit dagegen zu gewähren. In einer ruhigen Atmosphäre und in den Händen eines vorsichtigen Steigers ist die Davy'sche Sicherheitslampe ein ebenso treffliches als zweckmäßiges Instrument zur Untersuchung, und sie bildet gewissermaßen einen Anzeiger der Gefahr; in einer Luftströmung aber gewährt sie, wie schon ihr berühmter Erfinder andeutete, durchaus keine Sicherheit. In den Händen eines gewöhnlichen Arbeiters aber, und in Bauen wo Gefahr vorhanden ist, ist sie wahrscheinlich weit öfter, als man es glaubt, die wirkliche Ursache der Explosionen, welche sie verhindern soll. Die Versuche, welche Dr. Bachhoffner vor der Commission anstellte, waren in dieser Hinsicht sehr interessant. Dennoch bleibt es in einer Grube mit schlagenden Wettern eine kluge Vorsichtsmaßregel, mit Sicherheitslampen so lange zu arbeiten, bis bewiesen werden kann, daß durch die Mittel der Wetterführung die explodirenden Gase so verdünnt und fortgeschafft werden daß sie sich weder in den neuen noch in den alten Bauen anhäufen können. Einige von den Sachverständigen theilten diese Meinung; die Gesundheit der Arbeiter betreffend, ist ein mäßiger frischer Wetterzug, der durch die Baue strömt, hinreichend. Einer der wesentlichsten Einwürfe gegen die Davy'schen Lampen von Seiten der Bergleute ist der, daß sie kein hinreichendes Licht geben. Man hat daher Lampen mit größerem Reflexionsvermögen und mit einem doppelten Drahtnetz versucht; statt des schwarzen Drahts wendete man dabei polirten Draht an. Jener absorbirt das Licht, während dieser es reflectirt; der schwarze Draht absorbirt mehr als die Hälfte des Lichts, welches die Flamme entwickelt; die Reflexionslampen reflectiren das Licht, welches auf die Maschen der Drahtgaze fällt und senden die Strahlen in einer vortheilhaften Richtung nach der entgegengesetzten Seite.

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Wenn die Wetterführung durch Oefen hervorgebracht wird, so hängt die Kraft von dem Temperaturunterschiede der in die Grube einfallenden und der aus derselben ausziehenden Wetter ab; und wenn die Temperatur der äußeren Luft hoch ist, so wird die Kraft des Ofens vermindert. Es ist daher bei einem hohen Thermometerstande die Wetterführung matt; dieß erklärt auch den Umstand, daß Unfälle durch schlagende Wetter im Frühjahr und im Sommer in der Regel häufiger sind.

Bei dem gewöhnlichen atmosphärischen Druck hält das Gewicht der Luft die Entwickelung schlagender Wetter aus den Steinkohlen zurück; wenn der Druck gering ist, so können die explodirenden Gase leichter entweichen. Wenn daher ein Fallen des Barometers einen verminderten Druck der Atmosphäre anzeigt, so ist Gefahr vorhanden, und es muß der Wetterzug verstärkt werden. Es ist folglich ein Barometer für jede Grube nothwendig; derselbe muß in gehöriger Verbindung mit der äußeren Luft in der Nähe des frischen Wetterzuges angebracht werden, also in der Nähe des Schachtes durch welchen die Wetter einfallen, so daß er den atmosphärischen Druck anzugeben vermag. Da ein Differentialbarometer weit empfindlicher ist, so muß man ein solches vorzugsweise anwenden. Nach dem Fallen des Barometers entwickeln sich schlagende Wetter aus den alten Bauen und aus den Klüften der Steinkohle in weit größeren Mengen als gewöhnlich, daher die Wetterführung unter solchen Umständen gesteigert werden muß, und der Fall des Barometers weist dieß früher nach, als es außerdem bemerkt werden könnte. Der Index des Differentialbarometers muß länger seyn als derjenige eines gewöhnlichen Quecksilberbarometers, und es können daher weit geringere atmosphärische Veränderungen von diesem Instrument abgelesen werden, als von einem gewöhnlichen.

Auf der Sohle des Wetterschachtes, in welchem der Ofen angebracht ist, muß ein Wassermanometer angebracht werden, welcher die Stärke des Wetterzuges in der Grube anzeigt. Ein solcher Wassermanometer besteht aus einer in der Form eines U gebogenen Glasröhre, deren eines Ende mit den ausziehenden und das andere mit den einfallenden Wettern mittelst einer Röhre in Verbindung steht; sie enthält in der Biegung ein wenig Wasser, als Anzeichen der Kraft des Wetterzuges; das Ansteigen des Wassers in dem einen Schenkel bildet das Maaß der wirklichen Kraft, welche zur Ueberwindung des Wetterzuges in der Grube erforderlich ist. Kennen wir diese Kraft, so zeigt das Steigen oder Fallen des Wassers an, ob in den entfernten Bauen |67| die Wetterführung in gehöriger Ordnung ist. Wenn daher der Wetterzug auf einem kürzeren Wege als es der Fall seyn soll, die Baue durchströmt, so wird der Wassermanometer fallen; wird z.B. eine Wetterthür zwischen dem Schacht, in welchen die Wetter einfallen und zwischen demjenigen durch welchen sie ausströmen, offen gelassen, wodurch eine Explosion veranlaßt werden kann, so zeigt dieß das Manometer an. Steigt derselbe über den gewöhnlichen Punkt, so scheint irgend ein Hinderniß in den Bauen vorhanden zu seyn; steht er dagegen auf dem gewöhnlichen Punkt, so ist dieß das Zeichen der richtigen Wetterführung. Ein solcher Wassermanometer ist ein sehr nützliches Instrument; er ist ein Maaß der wirklichen zur Wetterführung erforderlichen Kraft, welches dem praktischen Bergmann durch bloßes Ansehen angibt, ob und wie die Wetterführung erfolgt. Noch nützlicher ist aber der Manometer (Wettermesser) in Verbindung mit dem Anemometer.

Ein Instrument von noch größerem Werth als letzteres, besonders für die befahrenden Inspectoren, ist ein selbst registrirender Anemometer, durch welchen der Inspector bei jeder Befahrung sehen kann, in welchem Verhältniß der Wetterzug während seiner Abwesenheit erfolgt ist. Das beste Instrument dieser Art, welches wir bis jetzt kennen, ist dasjenige von Biram. In jeder Grube müssen wenigstens drei solche Instrumente vorhanden seyn; eines an der Sohle des Schachtes durch welchen die Wetter einfallen, eines auf der Sohle des Schachtes durch welchen sie ausströmen, und eines oder mehrere in den entfernteren Bauen. Durch den Anemometer lernt man die wirkliche Menge der frischen Wetter kennen, welche durch die Grube strömen, so wie durch den Wassermanometer die absolute Kraft, welche erforderlich ist, um diese Menge von frischen Wettern durch die Baue strömen zu lassen. Man kann demnach durch diese beiden Instrumente die Größe, die Kraft und die wahrscheinliche Beschaffenheit der Wetterführung bestimmen.

Die alten Baue oder der sogenannte alte Mann sind bei großen Gruben die hauptsächlichsten Quellen der Gefahr. Man hat den Vorschlag gemacht, aus dem alten Mann die schlagenden Wetter durch ein Bohrloch von Tage ab, mit Hülfe eines Dampfstromes zu entfernen; denn da das explodirende Gas leichter als die atmosphärische Luft ist, so hat die Entfernung auf diese Weise keine Schwierigkeiten. Wenn aber im Hangenden des Steinkohlengebirges wasserreiche Schichten vorkommen, so läßt sich ein solches Bohrloch nicht anbringen.

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Aus eben dem Grunde wird ein System von Gasstrecken, welche die Flötze und die Klüfte durchschneiden und mit dem Schacht, durch welchen die Wetter ausziehen, in Verbindung stehen, sehr zweckmäßig seyn, und in einigen Fällen ist der Beweis geliefert, daß auf diese Weise das leichte Kohlenwasserstoffgas aus den Kohlenflötzen entfernt werden kann, ohne daß es sich in den Bauen verbreitet.

Hr. Gurney hat auch den Vorschlag gemacht, Zufluchtsorte an verschiedenen Punkten einer Grube vorzurichten, wohin die Bergleute bei einer Explosion sogleich fliehen können, um den tödtlichen Wirkungen des after-damp zu entgehen. Diese Zufluchtsorte müssen außerhalb des gewöhnlichen Wetterzuges liegen und von demselben auf eine hinlänglich sichere Weise abgesondert werden können, um den Wirkungen einer gewöhnlichen Explosion zu widerstehen. Gegen heftige Ereignisse dieser Art ist freilich eine Sicherung schwierig, sobald der Zufluchtsort in deren Nähe liegt, allein sind die Zufluchtsorte weit davon entfernt, so gewähren sie hinlängliche Sicherheit, auch wenn die Explosion noch so heftig ist. Ventilirt werden diese Zufluchtsorte durch zwei Oeffnungen, von denen die eine an der Sohle und die andere an der Förste angebracht ist. Durch diese Oeffnungen werden auch die Wirkungen der Explosion vermindert; beide müssen aber für den Fall der Noth auch mit Klappen verschließbar seyn. Die obere Oeffnung ist klein und hat ungefähr 4 bis 6 Zoll im Durchmesser, die untere dagegen muß so groß seyn, daß ein Mann hindurch kriechen kann. Wenn nun eine Explosion entsteht, so muß die Mannschaft nicht, wie sie es jetzt thut, nach den Hauptstrecken, sondern nach den Zufluchtsorten eilen, die Oeffnungen verschließen und so lange bleiben, bis der after-damp weggeschafft ist. Berechnet man die Luftmenge, welche zur Erhaltung des Lebens in einer gegebenen Zeit erforderlich ist, so läßt sich auch die Größe der Zufluchtsorte bestimmen, in welchen eine gewisse Anzahl von Bergleuten z.B. 24 Stunden bleiben kann. Während dieser Zeit muß der after-damp aus den Bauen fortgeschafft werden. Solche Zufluchtsorte veranlassen keine großen Kosten, und können entweder an dem Ort ihrer Anlage bleiben, oder, wenn der Abbau viel weiter vorgerückt ist, ebenfalls verlegt werden Sie müssen einige Hundert Yards von einander entfernt liegen, so daß einer immer zur Hand ist; es werden daher in einen nie viele Bergleute zu gelangen suchen. Nach den bekannten Gesetzen der pneumatischen Störungen ist, wenn diese Zufluchtsorte gehörig vorgerichtet sind, eine Vermischung der Luft in denselben mit dem after-damp nicht zu fürchten. Die Zufluchtsorte |69| in der Nähe heftiger Explosionen werden freilich zerstört werden, weil der Druck die Scheider und Thüren zerstört; dieß ist aber in einer geringen Entfernung von dem Mittelpunkt der Explosion nicht der Fall. Eine heftige Explosion veranlaßt in ihrer Nähe Tod und Zerstörung und die Zufluchtsorte können da nichts helfen; ihr Hauptzweck ist Schutz gegen den after-damp zu gewähren. Man hat den Vorschlag gemacht, die Zufluchtsorte durch starke Verschlüsse gegen die Kraft der Explosionen zu sichern, dieß scheint aber unnöthig zu seyn.

Man verwendet in den Gruben Knaben zu Verrichtungen, deren Vernachlässigung in einem einzigen Fall den Verlust vieler Menschenleben veranlassen kann. Hauptsächlich werden sie zum Oeffnen und Verschließen der Wetterthüren auf den Förderstrecken angewendet. Die Commission hat sich überzeugt, daß selbst in den bestbeaufsichtigten und disciplinirten Gruben, in denen sich die erwachsenen Arbeiter selten oder nie Vernachlässigungen zu Schulden kommen lassen, solche bei unerwachsenen Arbeitern ganz unvermeidlich sind. Die Commission ist daher der Meinung, daß alle solche Arbeiten und Verrichtungen, auf denen eine gewisse Verantwortlichkeit lastet, nie Knaben, sondern nur Erwachsenen und erfahrenen Arbeitern anvertraut werden sollten.

Ein sehr wesentlicher Punkt ist nach den Ansichten der Commission die bergmännische Bildung, welche bis jetzt in England weit mehr als in jedem andern Lande vernachlässigt wurde. Grubeninspectoren, obere und untere Beamte und Aufseher bedürfen des Unterrichts in den Elementen der Physik, Chemie, Mathematik, Mineralogie und Geologie, mit steter Berücksichtigung des praktischen Bergbaues, auch über Bergbaukunst darf die Unterweisung nicht fehlen.

Alle Commissionsmitglieder und alle vernommenen Sachverständigen waren der Meinung, daß die jetzige Beaufsichtigung durch die Inspectoren ganz unzweckmäßig ist; ihre Anzahl ist zu gering, ihr Wirkungskreis oder ihre Macht zu beschränkt. Die Inspectoren welche von der Commission vernommen wurden, beaufsichtigen ein jeder etwa 400 Gruben, so daß manche derselben nur alle 3–4 Jahre befahren werden können, ja einige dieser Beamten versicherten, mehrere Gruben ihres Bezirks gar nicht zu kennen. Die Commission muß daher dem Hause den Wunsch aussprechen, daß die Anzahl der Inspectoren vermehrt werde. Jetzt gibt es deren bloß sechs, ihre Anzahl muß mindestens verdoppelt und es müssen jedem Inspector noch zwei Unterinspectoren beigegeben werden.

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Die Commission ist der Meinung, daß es eben so zweckmäßig als nöthig ist, eine beaufsichtigende Behörde mit Inspectoren und Unterinspectoren für den brittischen Bergbau zu ernennen. Es müßten zu diesen Beamten tüchtige und intelligente Männer gewählt und dieselben bevollmächtigt werden, in den Gruben, welche jetzt eine schlechte Wetterführung haben, eine gute herzustellen und solche Instrumente anzubringen, welche einerseits die Beschaffenheit der Wetterführung registriren und andererseits vor der Gefahr warnen; diese Instrumente wären gegen die Eingriffe Unberufener zu sichern. Die Commission ist der Ansicht, daß durch solche Einrichtungen und Maßregeln die Zahl der Explosionen vermindert und viele Menschenleben erhalten würden.

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Hr. Gurney hat zuerst im Jahr 1835 der Parlaments-Commission, welche damals über die Ursachen der Unfälle in den Kohlengruben zu berichten hatte, die Anwendung von Hochdruckdampf zur Verstärkung des Wetterzuges vorgeschlagen. Sein Vorschlag blieb aber unbeachtet, bis im Jahr 1848 Hr. T. E. Forster in Newcastle-on-Tyne einen Versuch in dem Seaton-Delaval-Kohlenwerk anstellte, welcher den günstigsten Erfolg hatte; er brachte in dem Wetteraufzugs-Schacht einen Cylinder an, in welchen vier Dampfstrahlen aus einem Hochdruckkessel geleitet wurden; dadurch wurde die Luftmenge, welche früher durch die Grube circulirte, fast verdoppelt. – Hr. Gurney machte von seinem Princip auch Anwendung zum Löschen des in einem Kohlenbergwerk ausgebrochenen Brandes, worüber im polytechn. Journal Bd. CXII. S. 279 berichtet wurde.

A. d. Red.

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